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10.05.2012

Tag gegen den Schlaganfall


Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie (l.) und Dr. Carsten W. Israel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin arbeiten mit modernen Verfahren am EvKB.

Der Schirmverschluss soll das Gehirn vor Blutgerinnseln schützen. Fotos: Manuel Bünemann

Neue Hoffnung für Patienten

Heute ist „Tag gegen den Schlaganfall“. Im Jahr 1999 hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe den 10. Mai als bundesweiten Aktionstag ausgerufen. Damit soll über die Erkrankung und ihre Anzeichen aufgeklärt werden. Denn immerhin ist der Schlaganfall nach den Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Laut aktuellen Berechnungen ereignet sich in Deutschland alle drei Minuten ein Schlaganfall. Fast die Hälfte der Schlaganfallpatienten ist ein Jahr nach dem Ereignis noch behindert und auf fremde Hilfe angewiesen. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung.

Nun gibt es eine neue Hoffnung für Schlaganfallpatienten: Am Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) arbeiten Kardiologen und Neurologen seit einiger Zeit mit zwei modernen Verfahren zur Schlaganfallprophylaxe und -behandlung. Das EvKB ist das einzige Klinikum in Ostwestfalen-Lippe, an dem diese Methoden angewendet werden.

Schirmchen statt Blutverdünner

Häufige Ursache für einen Schlaganfall sind Blutgerinnsel, die vom Herzen über den Blutstrom zum Hirn gelangen und so einen Schlaganfall auslösen. Dagegen helfen soll nun ein besonderer Schirmverschluss, der am Vorhofohr des Herzens implantiert wird und so das Gehirn vor Blutgerinnseln schützt. Das etwa drei Zentimeter große Mini-Schirmchen bietet eine nachhaltige Alternative zu Blutgerinnungshemmern, deren starke Nebenwirkungen hinlänglich bekannt sind. Der Schutzschirm wird über einen Herzkatheter, der über die Leiste eingeführt wird, in den Vorhof eingebracht. Mit ihm wird das Vorhofohr, auch Herzohr genannt, verschlossen.

Neuartiger Katheter zur Entfernung von Blutgerinnseln

Mit einem neuartigen Katheter sind Ärzte jetzt in der Lage, große Blutgerinnsel aus dem Gehirn zu entfernen. In Deutschland wird die Methode an großen Zentren schon seit einiger Zeit mit Erfolg angewandt – so auch in der Klinik für Neurologie im EvKB.

Bisher wurden bei großen Gerinnseln (ab ca. 1 cm), insbesondere in der Halsschlagader, Mittel zur Auflösung des Blutgerinnsels gespritzt. Häufig blieb diese Behandlung aber ohne Wirkung. Dann wurde versucht, das Blutverdünnungsmittel mit einem Katheter direkt an den Gerinnungsherd im Gehirn lokal und hochkonzentriert zur Anwendung zu bringen oder das Gerinnsel mechanisch durch einen Katheter zu entfernen.

Der neue Katheter (Solitaire) funktioniert wie eine Angel, die an der Verschlussstelle in das Gerinnsel eindringt und mit dem „klebrigen“ Gerinnsel wieder herausgezogen wird. 15 Patienten wurden im EvKB bisher mit der neuen Methode behandelt, allesamt erfolgreich. Die Methode ist wirksam, das bestätigt auch eine aktuelle US-Studie: In 67 Prozent der Fälle konnten die Gerinnsel mit dem neuen Verfahren aufgelöst werden, im Gegensatz dazu war die Behandlung mit der klassischen Methode zu lediglich 24 Prozent erfolgreich.

Da derartige Gerinnsel lebensbedrohlich sind und im besten Fall ohne Behandlungserfolg eine schwere Behinderung eintritt, handelt es sich um einen wichtigen Fortschritt in der Neurologie.

 


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