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12.06.2018

Umgang mit herausforderndem Verhalten


Bei dem Fachtag referierten: (v.l.) Thomas Feilbach, Hanne Veje, Birte Petersen und Patrick Autering (beide Sozialwerk St. Georg), Marieke Conty sowie Miriam Reinhardt und Wolfgang Ludwig (Betheler Fachdienst Autismus).

Rund 150 Fachleute, darunter Pädagogen, Psychologen und Heilerziehungspfleger, folgten der Einladung in die Neue Schmiede. Fotos: Schulz.

„Herausforderndes Verhalten ist für Menschen mit Behinderungen häufig die einzige mögliche Reaktion auf Stresssituationen“, sagte Diplom-Psychologin Miriam Reinhardt vom Betheler Fachdienst Autismus beim Fachtag „Herausforderndes Verhalten“. An der Veranstaltung in der Neuen Schmiede in Bielefeld-Bethel, organisiert von dem Bildungsinstitut für Autismus „AUTEA“ in Kooperation mit Bethel, nahmen jetzt 150 Fachleute teil.

Häufig seien Ziele, Regel und Zeitpläne für Klientinnen und Klienten eine Überforderung. Aggressivität, Angst oder Unruhe würden entwickelt. Das herausfordernde Verhalten von Klientinnen und Klienten kann für ihre Mitmenschen, ihre Angehörigen und Betreuungspersonen eine erhebliche Herausforderung bedeuten. „Beim Erleben herausfordernder Verhaltensweisen oder Situationen entstehen starke Emotionen. Situativ können diese das eigene Handeln so leiten, dass es zu einer Abweichung von grundlegenden Einstellungen kommt“, so Marieke Conty, Diplom-Psychologin im Betheler Fachdienst Autismus. Sie erläuterte gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Diplom-Sozialpädagogen Thomas Feilbach, die Bedeutung einer „guten Haltung“ im Arbeitsalltag.

Hanne Veje, Autismus-Beraterin aus Dänemark, stellte in diesem Zusammenhang den „Low-Arousal-Ansatz“ vor. Der Ansatz zielt darauf ab, zu deeskalieren und Spannungen zu reduzieren. Spannungsgeladene Situationen sollen schon im Vorfeld entschärft werden, ohne sich in einen Machtkampf zu begeben oder die Würde des behinderten Menschen zu verletzen. Neben Stress könne auch Schmerz eine mögliche Ursache für herausforderndes Verhalten sein, so Marcus Vogel, ärztlicher Leiter des Medizinischen Behandlungszentrums für Menschen mit Behinderung in Bethel. „Verhaltensstörungen werden häufig als Teil der geistigen Behinderung fehlgedeutet“, erklärte der Mediziner. „Auch körperliche Erkrankungen können die psychischen Symptome hervorrufen, da der Schmerz von den Klienten nicht verstanden wird.“ Er empfiehlt die Verhaltensänderungen gezielt mit Blick auf somatische Ursachen zu beobachten.


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