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29.09.2015

Zehn Jahre "Wohnbereich Essstörungen" in Bethel


Ihr Einsatz für Menschen mit Essstörungen rettet Menschenleben: (v.l.) Sylvia Baeck, Beratungsstelle Dick und Dünn in Berlin, Monika Haase, Sigrid Borse und Andreas Schnebel vom Bundesfachverband Essstörungen sowie Jocelyne Reich-Soufflet, Frankfurter Zentrum für Essstörungen.

Essen lernen bei Magersucht

Seit zehn Jahren bietet Bethel stationäre Wohngruppen für essgestörte junge Menschen an. Das Jubiläum wurde jetzt mit einem Fachtag in der Neuen Schmiede in Bielefeld-Bethel begangen. Über hundert Gäste nahmen an der Veranstaltung - einer Mischung aus Unterhaltung, Fachvorträgen und Grußworten – teil. Unter den Gratulanten war auch der Sozialdezernent der Stadt Bielefeld, Ingo Nürnberger. „Für die Stadt Bielefeld hält Bethel ein hochqualifiziertes Wohnangebot vor für Menschen, die drohen, sich umzubringen“, lobte er.

„Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als zwei Frauen zu mir ins Büro kamen. Das war im März 2004“, berichtet Michael Walde, Leiter der Jugendhilfe Bethel. Die beiden Frauen waren die Diplom-Pädagogin, Monika Haase und die Oecotrophologin, Nadia Läube. Sie waren auf der Suche nach einem Träger, der Interesse daran hatte, stationäre Wohngruppen für junge Menschen mit Essstörungen aufzubauen. Die Frauen arbeiteten damals in der Klinik am Korso in Bad Oeynhausen. Das ist die einzige Klinik in ganz Europa, die ausschließlich Menschen mit Essstörungen behandelt. Trotz hoch spezialisierter Arbeit und hoher Kompetenz machten die Klinik-Mitarbeitenden immer wieder die Erfahrung, dass die jungen Menschen nach der Entlassung ihr Essverhalten auf Dauer nicht im Griff hatten. Über kurz oder lang kamen die magersüchtigen Mädchen und Jungen mit lebensbedrohlichem Untergewicht zurück in die Klinik.

Um diesen Drehtüreffekt zu stoppen, müsste es zwischen dem Klinikaufenthalt und der Rückkehr nach Hause ein stationäre Angebot geben, um die Betroffenen weiterhin begleiten zu können, so Monika Haase und Nadia Läube. Die Mitarbeiter der Jugendhilfe Bethel waren schnell davon überzeugt, dass stationäre Wohnangebote ein unentbehrlicher Baustein in der erfolgreichen Behandlung von Menschen mit Essstörungen sind. Bethel machte mit.

2005 wurde die erste kleine Wohngruppe für drei essgestörte Mädchen eröffnet. Zehn Jahre später bietet die Jugendhilfe Bethel 34 Wohnplätze, ambulante Betreuung und eine Onlineberatung an.

Das Robert-Koch-Institut hat bei Erhebungen herausgefunden, dass in Deutschland bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren Hinweise auf eine Essstörung vorliegen, bei den Jungen ist es jeder siebte.


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