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12.02.2020

Zukunftswerkstatt zur medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderungen


Die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen und schweren Mehrfachbehinderungen im Blick: (v.l.) Katja Rosenthal-Schleicher (Referentin der Pflegedirektion Evangelisches Klinikum Bethel und Krankenhaus Mara), EvKB-Geschäftsführer Dr. Matthias Ernst, Pastor Christoph Radbruch, Dr. Katja Brause (Verband der Ersatzkassen e.V., Landesvertretung Nordrhein-Westfalen), Dr. Rainer Norden und Verbandsdirektorin Melanie Kanzler.

Zeigt in seinem Vortrag mögliche Indikatoren für bedarfsgerechte Qualitätsverträge auf: Dr. Christian Brandt.

Moderierten die Zukunftswerkstatt: Dr. Matthias Ernst und Melanie Kanzler. Fotos: Sarah Jonek

Über 50 Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Krankenhäuser, Ersatzkassen und Spitzenverbände trafen sich jetzt auf Einladung des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV) im Krankenhaus Mara zu einer Zukunftswerkstatt der besonderen Art: Die Teilnehmenden diskutierten einen Tag lang über die notwendigen Kriterien für eine verbesserte medizinische Versorgung von Menschen mit geistigen und schweren Mehrfachbehinderungen. Mara will dabei vorlegen und den ersten sogenannten Qualitätsvertrag für diese Patientengruppe abschließen.

„Wenn nicht wir uns für die Belange von Menschen mit Behinderungen einsetzen, wer dann?“, fragte Dr. Rainer Norden in seinem Grußwort. Damit spielte der Bethel-Vizechef auf das bundesweite Netzwerk der evangelischen Krankenhäuser an, die sich im DEKV zusammengeschlossen haben. Und er kündigte gleichzeitig die volle Unterstützung Bethels an: „Die Einführung der Qualitätsverträge ist ein essentieller Meilenstein, um die Krankenversorgung dieser Menschen zu verbessern.

Christoph Radbruch, DEKV-Vorsitzender, ergänzt: „Unser diakonisches Profil spiegelt sich nicht in den Krankenhauskapellen wieder. Unser diakonisches Profil drückt sich in der alltäglichen Arbeit aus.“ Es liege daher auf der Hand, so Radbruch, weiter den Dialog zwischen den Krankenkassen und den evangelischen Krankenhäusern zu intensivieren, um dem gemeinsamen Ziel eines Qualitätsvertrags für Menschen mit geistigen und schweren Mehrfachbehinderungen im Krankenhaus näher zu kommen.

Mit der Einführung der Qualitätsverträge nach § 110a SGB V wurde Anfang 2016 im Krankenhausstrukturgesetz und Mitte 2017 mit dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Möglichkeit geschaffen, auf die Besonderheiten dieser Patientengruppe einzugehen und ihre stationäre Versorgung zu verbessern sowie den daraus entstehenden Mehraufwand in den Krankenhäusern zu vergüten. Vergleichbare Verträge sollen auch beispielsweise für Menschen mit einem Delir-Risiko oder für Patientinnen und Patienten, die einen Gelenkersatz benötigen, abgeschlossen werden.

Ein Qualitätsvertrag ist für Menschen mit geistigen und schweren Mehrfachbehinderungen ein wichtiger Schritt zur Verbesserung ihrer medizinischen Versorgung: Menschen mit einer Behinderung stellen das Behandlungsteam - gerade bei den immer dichter werdenden Arbeitsabläufen auf den Stationen - vor große Herausforderungen, weil die Situation ungewohnt und beängstigend ist. Für die Patienten selbst, aber manchmal auch für die Mitarbeitenden.

Dr. Christian Brandt, Leitender Arzt am Epilepsie-Zentrum Bethel im Krankenhaus Mara, betont in seinem Vortrag die Relevanz des Aufnahme- und Entlassmanagements. Er kennt die Bedürfnisse dieser Patienten sehr genau: In Mara leidet jeder neunte Epilepsie-Patient gleichzeitig an einer geistigen und schweren Mehrfachbehinderung. Auch die Einbeziehung der Angehörigen sei aus Sicht des Epileptologen unerlässlich, so Brandt: „Wir müssen jeden Patienten individuell und in seinem sozialen Kontext betrachten, um die Besonderheiten und Begleiterkrankungen verlässlich zu diagnostizieren“.


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