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Fachgespräch zum „Sterbefasten“

Intensiver Austausch auf dem Fachtag (v.l.): Dr. Klaus Kobert, Moderator des Fachtags und Ethik-Experte, Dr. Regina Geitner, Oberkirchenrätin Doris Damke, Linda Bulthaup, Bethel-Vorstand Johanna Will-Armstrong und Professor Dr. Thomas Moos.
Intensiver Austausch auf dem Fachtag (v.l.): Dr. Klaus Kobert, Moderator des Fachtags und Ethik-Experte, Dr. Regina Geitner, Oberkirchenrätin Doris Damke, Linda Bulthaup, Bethel-Vorstand Johanna Will-Armstrong und Professor Dr. Thomas Moos.

Selbst bestimmtes Ende ohne Qual? Am so genannten „Sterbefasten“ scheiden sich die Geister. In Bethel gibt es viele Berührungspunkte mit dem Thema - in der Altenhilfe, Palliativmedizin, Eingliederungshilfe und natürlich in den Hospizen. Um diese Form der Selbsttötung ging es bei dem Hospiz-Fachgespräch in Bielefeld-Bethel Anfang Juni.

Ein einwilligungsfähiger Mensch, der zum Essen und Trinken fähig ist, verzichtet auf ebendies. Mit der Absicht, zu sterben. Mit dieser kurzen Formel lässt sich das Sterbefasten beschreiben. Das sich hinter dem schwierigen, weil mit positiven Assoziationen belegten Begriff „Fasten“ ein weites Feld für kontroverse Diskussionen auftut, machte Hauptredner Professor Dr. Thorsten Moos dem Auditorium in der Neuen Schmiede deutlich. Der Professor für Systematische Theologie/Ethik und Diakoniewissenschaft am Institut für Diakoniewissenschaft und Diakonie Management stellte sich der Aufgabe, in ein komplexes und herausforderndes Thema einzuführen – „ohne zu werten", wie er betonte: „Der Konsens wird uns heute ohnehin nicht möglich sein.“ Als neutrale, wenn auch sehr funktionale Bezeichnung für das Sterbefasten empfahl der Wissenschaftler „FVNV“, kurz für „Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit“.

Viele Zuhörer waren selbst schon mal mit dem Thema FVNF in Berührung gekommen. Fotos: Paul Schulz
Viele Zuhörer waren selbst schon mal mit dem Thema FVNF in Berührung gekommen. Fotos: Paul Schulz

„Der Tod tritt bei FVNF immer durch Nierenversagen ein“, sagte Dr. Regina Geitner. Die Palliativmedizinerin brachte dem Publikum medizinische und pflegerische Aspekte nah. Besonders wichtig sei die Mundpflege, um das Durstgefühl zu mindern. „Anders als der Hunger verschwindet das nicht“, so die Bielefelder Medizinerin. Auch Augen und Nasenschleimhäute seien regelmäßig zu befeuchten. Fünf bis sieben Tage lang bleibe der Prozess reversibel. „Mit dem Versiegen der Urinproduktion setzt ein schläfriger Zustand ein, der in ein Delir oder in die finale Bewusstlosigkeit übergeht.“ Aufgrund des Pflegeaufwands sei FVNF zuhause nicht leistbar, sondern gehöre in ein Hospiz, ist Dr. Regina Geitner überzeugt. Dem widersprach Linda Bulthaup. Die Leiterin des Bethel-Hospizes Haus Zuversicht ist überzeugt, das Sterbefasten mit dem Hospizauftrag schwer vereinbar sei.

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