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Neues Buch über die Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen

Aufbrüche und Umbrüche
Schlafsaal unterteilt
Um für mehr Privatsphäre zu sorgen, wurden einige Schlafsäle mit Trennwänden unterteilt.

„Aufbrüche und Umbrüche“ in Bethel

Im Bielefelder Verlag für Regionalgeschichte ist jetzt das Buch über die Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen in Bethel seit den 1960er bis zu den 1980er Jahren erschienen. Die systematische wissenschaftliche Untersuchung stellt den Lebensalltag und die Lebensbedingungen in den damaligen v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel dar. Aus Akten, weiteren Archivalien und vor allem Zeitzeugen-Interviews ist eine profunde Entwicklungsgeschichte der Behindertenhilfe in Bethel entstanden, die zugleich einen Einblick in die gesamtgesellschaftliche Situation von behinderten Menschen ermöglicht. Beschrieben wird die Entwicklung vom fremdbestimmten Leben zu den Anfängen einer selbstständigeren Lebensführung: die Bewohner lernten, für ihre Interessen zu kämpfen. Zentrale Ziele sind Mobilität, Teilhabe und die Eroberung des öffentlichen Raums gewesen.

Die Autoren Dr. Ulrike Winkler und Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl zeigen in „Aufbrüche und Umbrüche“ den Weg von der „totalen Institution“ zur „Normalisierung“. Neue Berufsgruppen – Psychologen, Heilpädagogen, Zivildienstleistende – drangen in die bis dahin nach außen abgeschotteten Heimwelten vor. Sie verwirklichten gegen den zähen Widerstand altgedienter Kräfte Konzepte der Verselbstständigung geistig behinderter Menschen. In diesem Spannungsfeld gewannen die Bewohnerinnen und Bewohner neue Freiräume, um sich aus ihrer „unverschuldeten Unmündigkeit“ zu befreien.

Für das Forschungsprojekt sind nicht nur Aktenbestände Bethels, sondern auch die Überlieferung des evangelischen Fachverbandes für Behindertenarbeit in Berlin, ausgewertet worden. Zudem sind 40 Interviews mit Bewohnern und Mitarbeitern geführt worden. Auf diese Weise ist eine „dichte Beschreibung“, die einen Blick aus verschiedenen Perspektiven in die Häuser Bethels hinein erlaubt, gelungen. Schwerpunkte der Untersuchung bildeten die Zentren jeder Alltagsgeschichte: das Wohnen, die Arbeit und die Beziehung zum „anderen Geschlecht“.

Hans-Walter Schmuhl / Ulrike Winkler: Aufbrüche und Umbrüche. Lebensbedingungen und Lebenslagen behinderter Menschen in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel von den 1960er bis zu den 1980er Jahren. Schriften des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, Bd. 29. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2018. ISBN 978-3-7395-1029-3. 432 Seiten. 29,00 Euro.

 
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