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01.10.2020

10. Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht


Frank Gauls (2.v.l.) und sein Team werben in der Bielefelder Innenstadt beim bundesweiten Aktionstag dafür, auch von Glücksspielautomaten Abstand zu halten. Foto: Manuel Bünemann

Abstand schützt – auch vor Glücksspiel

Bielefeld-Bethel. Die Fachstelle Glücksspielsucht in der Ambulanten Suchthilfe des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) engagiert sich beim diesjährigen bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht mit einem Motto, das in die Corona-Pandemiezeit passt: Abstand schützt – auch vor Glücksspiel. Das Team der Fachstelle hat am 30. September in der Bielefelder Innenstadt mit einer Postkartenaktion über die hohen Risiken informiert. Zusätzlich kann jeder anonym unter evkb.de/gluecksspielsucht testen, ob sein Glücksspielverhalten problematisch ist.

Die Mehrheit der Menschen, die in der Fachstelle Glücksspielsucht Hilfe suchen, ist männlich, jung und hat häufig schlechte Berufschancen. „Rund 70 Prozent, also die Mehrheit, sind Automatenspieler. Hier ist die Tendenz steigend. Die Zahl der problematischen Sportwettenspieler bleibt konstant“, weiß Frank Gauls, Leiter der Fachstelle Glücksspielsucht im EvKB. Gut 200 Menschen suchen jährlich die Beratungsstelle auf, die zu den fünf größten in der Bundesrepublik gehört. Die Angebote umfassen eine schnelle Hilfe in Krisensituation bis hin zur ambulanten Therapie, Gruppenangebote und Hilfe für Angehörige.

Durch die Corona-Pandemie mussten Menschen mit Glücksspielproblemen zwar eine kurze Zwangspause einlegen, doch die Sucht lässt sich nicht einfach von heute auf morgen abstellen. „Auf die Zahl der Hilfesuchenden hat sich dieser Spielhallen-Lockdown nicht ausgewirkt.“ Circa 1.800 Menschen in Bielefeld leiden unter problematischen oder süchtigem Glücksspielverhalten, bundesweit sind es 429.000. Betroffen sind drei bis fünf Mal so viele, nämlich Angehörige, Partnerinnen, Eltern oder Kinder, die in die Sucht mit hineingezogen werden. „Es ist sehr leicht, in diese geldfressende Sucht einzusteigen. Allein in Bielefeld gibt rund 900 Geldspielautomaten. Etliche davon stehen in Imbissen oder Gaststätten“, so Gauls.

Die Grenzen zwischen Spaß und Sucht verlaufen fließend. Dazu kommt, dass die Glücksspielsucht gut zu verheimlichen ist. Glücksspieler haben zum Beispiel keine Fahne, wie Alkoholabhängige. „Die meisten Hilfesuchenden kommen erst, wenn der Leidensdruck so enorm hoch ist, dass fast nichts mehr zu retten ist.“ Frank Gauls spricht aus jahrzehntelanger Erfahrung. „In vielen Fällen ahnen beste Freunde oder enge Bezugspersonen monate- oder jahrelang nichts von der Sucht, bis die Existenz auf dem Spiel steht.“

Zum bundesweiten Aktionstag ist das Team der Fachstelle Glücksspielsucht direkt in die Bielefelder Innenstadt gegangen, um zu sensibilisieren – natürlich mit dem gebotenen Abstand. Wer gerne spielt und unsicher ist, ob er auf dem Weg ist, ein Glücksspieler zu werden, kann einen kleinen schnellen Test unter evkb.de/gluecksspiel machen.

Die Ambulante Suchthilfe Bethel, Fachstelle Glücksspielsucht in der Gadderbaumer Str. 33, ist unter der Telefonnummer 0521 772-78752 oder per E-Mail unter: spielsucht@evkb.de zu erreichen.


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