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11.11.2009

40 Jahre Nephrologie in Bethel


Der leitende Arzt der Nephrologischen Abteilung im EvKB, Dr. Rainer Valentin (l.), und sein Pflegeteam (v. l.) Iris Dormann, Annette Senftleben, Dieter Bierbaum und Frauke Bösch. Fotos: Paul Schulz

Das Ärzteteam im Dialysezentrum der Patienten Heimversorgung. Die Oberärztin, Dr. Mariam Abu-Tair (2.v.l.), und der leitende Arzt Dr. Rainer Valentin (3.v.l.) arbeiten eng mit Dr. Oliver Lang (l.) und Dr. Angela Plöger (r.) von der Nephrologischen Praxis im Dialysezentrum am Kantensiek zusammen.

Ilse Kositzki muss drei Mal die Woche für vier Stunden ins Dialysezentrum. Schwester Maria Weiss sorgt dafür, dass es ihr in dieser Zeit gut geht.

Alt werden mit der künstlichen Niere

Bielefeld-Bethel. Im November vor vierzig Jahren wurde im heutigen Ev. Krankenhaus Bielefeld in Gilead am Standort Bethel  - damals Krankenanstalten Sarepta  - die erste Patientin mit der künstlichen Niere behandelt. Sie litt unter chronischem Nierenversagen und überlebte durch die Behandlung 20 Jahre.

An ein „Langzeitüberleben“ mit der künstlichen Niere hatte damals kaum jemand geglaubt. Heute gehört die Dialysebehandlung beim akuten oder chronischen Nierenversagen zu den selbstverständlichen Behandlungsmaßnahmen in der Medizin, und der „älteste“ Dialysepatient in Bethel befindet sich bereits im 33. Behandlungsjahr. In jedem Jahr werden zirka 800 bis 1000 Patienten in der Nephrologischen Abteilung stationär oder ambulant behandelt.

Weder Begleiterkrankungen noch Alter schließen heute eine Dialysebehandlung aus. „Vielleicht bedingt durch die örtliche und organisatorische Verbindung zu den Behinderteneinrichtungen in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel gab es im Krankenhaus Gilead nie ein Tabu, auch Mehrfacherkrankte und Schwerstbehinderte mit der künstlichen Niere zu behandeln“, betont Dr. Rainer Valentin, leitender Arzt der Nephrologischen Abteilung. In Deutschland bestehe zudem der allgemeine Konsens, dass die Nierenersatztherapie keinem Patienten vorzuenthalten sei. Nur wenige Dialysezentren in Deutschland verfügen über eine so große Erfahrung in der Dialysetherapie Schwerstbehinderter wie das Dialysezentrum in Bethel.

Drei Mal die Woche wird Ilse Kositzki von einem Taxi abgeholt und zum Dialysezentrum gebracht. Vier Stunden dauert die Blutwäsche. Die 88-Jährige findet es nicht schlimm, so viel Zeit im Dialysezentrum verbringen zu müssen. „Mir wird geholfen. Das ist die Hauptsache. Und ich weiß mich hier in guten Händen“, sagt sie dankbar. Eine Alternative zur Nierenersatztherapie gibt es für sie nicht. „Ich habe Diabetes. Der Zucker hat mir die Nieren kaputt gemacht“, erklärt sie. Deshalb übernimmt die  Maschine neben ihrem Bett die Blutreinigung.

Die Fortschritte in der Chirurgie machen es möglich, den Patienten dauerhafte Gefäßzugänge für die Blutwäsche zu legen. Dass das Blut während der Behandlung nicht gerinnt, ist heute optimal steuerbar. Alle technischen und auch die hygienischen Probleme der maschinellen Entgiftungsbehandlung scheinen gelöst. Eine Bauchfellentzündung bei der Entgiftungsbehandlung mit Hilfe der Bauchfelldialyse ist nur noch ein seltenes Ereignis. „Und was ganz wichtig ist - kein Patient muss mehr um einen Dialyseplatz bangen. Urlaub mit Dialyse ist mittlerweile auch selbstverständlich geworden“, so Dr. Valentin.

Aus der kleinen Dialyseeinheit im einstigen „Sarepta-Krankenhaus“ wurde eine Fachabteilung für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, und die Behandlung akuter und chronischer Nierenerkrankungen hat sich zu einem Schwerpunkt der medizinischen Versorgung im jetzigen Evangelischen Krankenhaus Bielefeld entwickelt. „Nephrologie wird oft mit Dialyse und Transplantation gleichgesetzt, dabei steht die Therapie des Nierenversagens eher am Ende einer auf Prävention und Frühdiagnostik ausgerichteten Medizin“, hebt Dr. Valentin hervor.

Die häufigsten Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz sind Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Diese Erkrankungen sind durch Frühdiagnostik, Aufklärung und adäquate Therapie heute so gut behandelbar, dass eine dialysepflichtige Nierenerkrankung oft verhindert werden könnte. Eine einfache Untersuchung des Urins auf das Vorhandensein von Eiweiß oder die Kontrolle der Blutdruckwerte langen oft aus, um den Beginn einer Nierenerkrankung zu diagnostizieren. Aufwändige apparative Untersuchungen sind für die Frühdiagnose von Nierenerkrankungen nicht erforderlich.

„Trotz aller Fortschritte und deutlichen Verbesserung der Lebensqualität bleibt die Lebenserwartung des Dialysepatienten eingeschränkt und der des Transplantierten unterlegen. Ein Lösungsansatz kann nicht in der Vermehrung von Dialyseplätzen liegen, sondern nur in der Intensivierung von Prävention und Frühdiagnostik von Nierenerkrankungen und der Förderung der Transplantationsmedizin“, fordert der Leiter der Nephrologischen Abteilung im Ev. Krankenhaus Bielefeld.

Die Nephrologie verfügt über 30 Betten und zusammen mit dem benachbarten Dialysezentrum der „Patienten-Heimversorgung“ Bad Homburg (PHV) über 78 Dialyseplätze. Die PHV ist eine gemeinnützige Stiftung, die deutschlandweit die Nierenersatztherapie unterstützt. Seit 1976 besteht zwischen dem EvKB und der PHV eine enge Kooperation. Das Ziel ist eine ineinander greifende und aufeinander abgestimmte Versorgung der chronisch Nierenkranken und Dialysepatienten mit allen zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten. Seit elf Jahren ist zudem eine Nephrologische Facharztpraxis an das Behandlungszentrum angeschlossen.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums veranstaltet die Nephrologische Abteilung einen Tag der offenen Tür am Sonntag, 15. November, von 12 bis 16 Uhr im

PHV-Dialysezentrum am Ev. Krankenhaus Bielefeld, Kantensiek 25, 33617 Bielefeld.

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