v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
21.12.2016

5 Jahre Hundetherapie in der Kinderklinik


Der fliegende Hovawart: Mit bestimmter Anweisung und Körpersprache gelingt es Finja, dass Jala über die Hürde springt. Matthias Beckmann halten das Hindernis.

Monica Wieler. Fotos: EvKB

Mein Helfer mit der kalten Schnauze

Bielefeld-Bethel. Zeit in der Natur mit Hunden zu verbringen macht jedem Tierhalter große Freude, kann darüber hinaus aber auch einen therapeutischen Effekt haben. In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Kinderzentrum Bethel des Ev. Krankenhauses Bielefeld (EvKB) haben solche Therapieeinheiten bereits mehr als 100 Jugendlichen mit psychosomatischen Problemen bei ihrer Krankheitsbewältigung geholfen. Die Kooperation, die das ermöglicht, feiert jetzt ihr fünf-jähriges Bestehen.

„Wenn ich mit Jala unterwegs bin, fühlt sich das gut an“, findet die 13-jährige Finja. Obwohl das zierliche Mädchen manchmal alle Mühe hat, die Leine der neugierigen Hovawart-Hündin festzuhalten, spürt sie während des Spaziergangs entlang der „Hundewiese“ unterhalb der Bielefelder Promenade gleich mehrere positive Effekte: „Es ist ein gutes Gefühl, Verantwortung für sie zu haben“, erklärt sie. Gleich geht es daran, gemeinsam mit Jala und deren Herrchen, dem Therapeuten Matthias Beckmann, verschiedene Spiele und Übungen durchzuführen.

„Hunde sind keine Wunderheiler, aber es gibt Situationen, in denen mit Hunden kleine Wunder geschehen“, stellt Matthias Beckmann fest. Er selbst hat erlebt, wie ein mutistisches Kind im Hunde-Kontakt zum ersten Mal nach Jahren gesprochen hat, wie Mutter und Sohn während des Spaziergangs mit Jala nach langer Zeit wieder einen positiven Gesprächszugang miteinander gefunden haben und statt gegeneinander plötzlich miteinander wirkten. „Hunde können etwas ins Rollen bringen“, bringt Matthias Beckmann die Fähigkeiten seiner speziell ausgebildeten Vierbeiner auf den Punkt. Neben Jala, die sich als jüngste seiner drei Hunde quasi noch in der Ausbildung befindet, gibt es noch die 6-jährige Amy und Moshe, der als Therapiehund zielstrebig auf das Rentenalter zusteuert. Gemeinsam hat das therapeutische Viergespann in Kooperation mit der Betheler Kinderklinik bereits mehr als 100 Patienten aus dem psychosomatischen Bereich geholfen.

„Wir sehen auf unserer psychosomatischen Station K6 junge Patienten, die unter Ängsten, Depressionen, Essstörungen und weiteren psychischen Auffälligkeiten leiden. Die Hundetherapie ist besonders da hilfreich, wo Defizite im Sozialen bestehen“, erklärt Monica Wieler, leitende Psychologin im Kinderzentrum. „Diesen Jugendlichen fällt es oft leichter, sich mit Hunden anzufreunden als mit Menschen, besonders weil die Tiere ihnen das Gefühl vermitteln, ihnen völlig unvoreingenommen und positiv zu begegnen.“ Für Monica Wieler ist die Kooperation mit Matthias Beckmann daher zu einem wichtigen Bestandteil des Therapieangebots geworden. Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Chefarzt der Kinderklinik, sagt folgerichtig: „Wir wünschen uns in jedem Fall die Fortsetzung dieses wichtigen Therapieangebotes für unsere Patienten!“

Finja und ihre 17-jährige Mitpatientin Christin sind jetzt mit Jala, Amy und Matthias Beckmann an einer Bank angelangt mit herrlichem Blick in die Natur. Jedes der Mädchen gibt jetzt einem Hund die Anweisung, wo er sich auf die Bank setzen soll, und platziert sich in Augenhöhe direkt daneben. Anschließend lassen sie die Hunde über eine Hürde springen. Matthias Beckmann ist zufrieden: „Das sind Übungen, die Mut, Körpersprache und –haltung erfordern.“ Übungen, die Finja und Christin in ihrer Therapie unterstützen.


© 2021 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel