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21.11.2014

50 Jahre Heilpädagogische Ausbildung in Bethel


An der Feierstunde im Berufskolleg Bethel nahmen teil: (v. l.) Barbara Manschmidt (Geschäftsführerin der Betheler Schulen), Rudolf Hans (Leiter der Fachschule für Heilpädagogik), Wilfried Diekmann (ehemaliger Lehrer der Fachschule), Michael Heiming und Sabine Smuda-Dresen (beide NRW-Landesarbeitsgemeinschaft der Fachschulen für Heilpädagogik), Heidi Fischer (Vorsitzende der Ständigen Konferenz von Ausbildungsstätten für Heilpädagogen in der Bundesrepublik Deutschland) und Hildegard Gude (Leiterin des Bildungsgangs Heilpädagogik an der Fachschule).

Heilpädagogen bringen ein besonderes Wissen mit, um Menschen mit Einschränkungen in ihren Stärken zu fördern. Fotos: Paul Schulz

In Zeiten der Inklusion eine Brücke zwischen den Menschen

Bielefeld-Bethel. Heilpädagogen sind besondere Pädagogen. Sie haben ein spezielles Wissen für die erzieherische Arbeit mit Menschen, deren Teilhabe in der Gesellschaft durch eine Behinderung oder eine andere Beeinträchtigung erschwert wird. Seit 50 Jahren gibt es in Bethel eine heilpädagogische Ausbildung. Das 1964 eingerichtete Institut für Heilpädagogik war die zweite Ausbildungsstätte ihrer Art in Deutschland. Derzeitige und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiter und Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter von Fachverbänden feierten das Jubiläum jetzt im Berufskolleg Bethel.

Das Institut für Heilpädagogik in Bethel hatte Modellcharakter. Von der Bundesanstalt für Arbeit erhielt es den Auftrag, eine Berufsbeschreibung für Heilpädagogen zu verfassen. Von ihm ging auch die Initiative zur Gründung der Ständigen Konferenz von Ausbildungsstätten für Heilpädagogen in der Bundesrepublik Deutschland aus. 1972 wurde das Institut aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen aus der Betheler Trägerschaft in die neue Ev. Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe übergeleitet. In Bethel wurde ein Jahr später die Fachschule für Heilpädagogik gegründet, die heute zum Berufskolleg Bethel gehört.

Die Vorsilbe „Heil“ in „Heilpädagogik“ lässt sich unterschiedlich deuten – die Ableitung von dem griechischen „holos“, das für „ganz“ steht, trifft den Kern der heilpädagogischen Arbeit. „Es geht darum, das persönliche Wachsen jedes und jeder Einzelnen zu ermöglichen, den ganzen Menschen und seine Stärken zu sehen und heilsame Beziehungen zu entwickeln“, unterstrich die Geschäftsführerin der Betheler Schulen Barbara Manschmidt in der Feierstunde. Heilpädagoginnen und -pädagogen arbeiteten mit Menschen, die ihr Leben unter erschwerten Voraussetzungen gestalten müssten.

„Es muss bekannter werden, was Heilpädagogen können und mitbringen“, betonte Schulleiter Rudolf Hans. Ihr Wissen werde besonders für inklusive Schulen und Kindergärten immer wichtiger. Allerdings würden Heilpädagogen zwar gerne wegen ihres Knowhows genommen, aber nicht entsprechend bezahlt. Dabei seien sie hochqualifiziert: Nach einer Fachkraftausbildung im Sozial- und Gesundheitswesen und einer mindestens einjährigen Berufspraxis würden sie noch einmal eine weitere Ausbildung „draufsatteln“.

Der Ausbildungsgang Heilpädagogik wird heute als eine Weiterbildung für Fachkräfte mit Ausbildungen und Berufspraxis im pädagogischen oder pflegerischen Bereich angeboten. Im Unterschied zu der Mehrzahl der anderen Fachschulen in Nordrhein-Westfalen findet die Weiterbildung am Betheler Berufskolleg in Vollzeitform statt. Die inhaltliche Ausrichtung der Ausbildung wird stark durch die Veränderungen in den einzelnen Arbeitsfeldern beeinflusst. Standen am Anfang Heimerziehung und Behindertenhilfe im Mittelpunkt, so rückten später die Suchtkrankenhilfe und die Psychiatrie sowie aktuell das Arbeitsfeld der Tageseinrichtungen für Kinder in den Fokus.

Die Betheler Fachschule kooperiert mit der Fachhochschule der Diakonie. Beide haben gemeinsam einen Bachelor-Studiengang Heilpädagogik konzipiert, der den Übergang in die Hochschule unter Anrechnung der Ausbildung vorsieht. So ist die Durchlässigkeit von beruflicher Bildung zu einem Studium gegeben.

Obwohl sie eine besondere Pädagogik ist, wird die Heilpädagogik auch in Zeiten der Inklusion nicht überflüssig. „Im Schuldienst ist sie ein wichtiges Thema“, so Kai-R. Timpe vom Berufsverband der Heilpädagogen anlässlich der Jubiläumsfeier. „Wir nehmen den Bedarf als sehr groß wahr.“ Und schließlich, so Prof. Dr. Heidrun Kiessl von der Fachhochschule der Diakonie, seien Heilpädagogen in Zeiten der Inklusion eine Brücke zwischen den Menschen.


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