v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
15.01.2019

Ausstellungsprojekt der Bielefelder Fachhochschule


Fragwürdige Kritik am historischen Betheler Kinderkrankenhaus “Sonnenschein“

Bielefeld-Bethel. Energisch treten die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel dem öffentlich geäußerten Verdacht entgegen, im Kinderkrankenhaus „Sonnenschein“ in Bethel habe es in den 1930er und 1940er Jahren Kinder-„Euthanasie“ gegeben. „Entsprechende Behauptungen in den Medien von Seiten des Fachbereichs Sozialwesen der Fachhochschule entbehren jeder sachlichen Grundlage“, betont Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl. Die Äußerungen wurden im Zusammenhang mit einer Projekt-Ausstellung an der Fachhochschule Bielefeld jetzt öffentlich.

Bereits 2016 hatte der renommierte Bielefelder Historiker Dr. Karsten Wilke zur Versorgung der Kinder und Jugendlichen im Krankenhaus „Sonnenschein“ geforscht. Dabei ging es um die behandelten Krankheiten, die Herkunft der Patienten, ihre Verweildauer, um Sterbezahlen und die medizinische Versorgung und Ernährung. Das Krankenhaus, das 1929 gegründet wurde, war eine Akutklinik für Patienten aus ganz Westfalen, die mit besonders schweren Erkrankungen eingeliefert wurden. Auch Frühgeborene wurden damals schon aufgenommen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, dem Kriegsverlauf und der angespannten Nachkriegssituation litten die jungen Patienten unter entsprechend schlechteren Versorgungs- und Therapiebedingungen, wie Dr. Wilke nachweist. Mangelernährung, fehlende Isolierungsmöglichkeiten für ansteckende Patienten und Mangel an Medikamenten waren damals in allen Kliniken an der Tagesordnung.

Anzeichen, die auf „Euthanasie“ oder unterlassene Hilfe im Kinderkrankenhaus „Sonnenschein“ hindeuten, wurden nicht gefunden. Auch sind die Sterbezahlen aus dem Kinderkrankhaus, die im Stadtarchiv Bielefeld erhoben wurden, nicht aussagefähig daraufhin, ob sie erhöht, durchschnittlich oder sogar gering waren. Es fehlt für diese Zahlen jede Vergleichsmöglichkeit; bundesweit gibt es keine entsprechende historische Überlieferung aus Kinderkliniken. Dr. Karsten Wilke ist heute wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Die Forschungsarbeit von Dr. Karsten Wilke „Das Betheler Kinderkrankenhaus ‚Sonnenschein‘ 1929 – 1950“ ist 2016 in dem Sammelband „Bethels Mission (4) – Beiträge von der Zeit des Nationalsozialismus bis zur Psychiatriereform“ im Luther-Verlag/Bielefeld erschienen, herausgegeben von Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl und anderen.  


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel