v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
23.11.2016

Berufliche Perspektiven entwickeln


Freuen sich über die Fortschritte: Heike Fuhrmann (l.) macht mit Angelika Winkelmann Sprachübungen. Foto: Paul Schulz

„Neustart“ zurück ins Leben

Bielefeld-Bethel. Ein Fahrradunfall, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall – ein kurzer Moment und nichts ist mehr, wie es war. Für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen gibt es häufig kein Zurück in das gewohnte Leben. Das betrifft auch den Beruf. Das proWerk-Angebot „Neustart“ in Bielefeld unterstützt Betroffene bei der Suche nach beruflichen Alternativen.

„Oft sitzen Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zuhause ohne Tagesstruktur, weil sie gar nicht wissen, dass es dieses Angebot gibt“, so Bethel-Mitarbeiterin Heike Fuhrmann. Damit verpassten sie eine große Chance. Arbeit bedeute auch ein Stück Lebensqualität, ist sich Heike Fuhrmann sicher – ob im Idealfall auf dem ersten Arbeitsmarkt, einem ausgelagerten Arbeitsplatz oder in einer Werkstatt für behinderte Menschen. „Eine sinnvolle Beschäftigung ermöglicht soziale Kontakte und schafft Zufriedenheit.“

Ein vierköpfiges Team aus Fachkräften für Arbeit und berufliche Rehabilitation hilft Betroffenen dabei, ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu trainieren. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wird ein individueller Bildungsplan erarbeitet. „Anhand der Interessen und Fähigkeiten entwickeln wir gemeinsam eine Perspektive“, fasst Heike Fuhrmann zusammen. Von Montag bis Freitag besuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Werkstatt am Haller Weg von Bethel proWerk. Die praktische Erprobung findet sowohl im beruflichen als auch im kreativen Bereich statt. PC- und Bürotätigkeiten, Verpackungs- und Montagearbeiten gehören ebenso dazu wie ein vielfältiges und anspruchsvolles Kreativangebot. Auch Praktika stehen auf dem Plan.

Viele entdecken in der Bildungsmaßnahme ganz neue Talente. Vor ihrem Schlaganfall hatte Angelika Winkelmann wenig mit Computern zu tun. Die ehemalige Kurierfahrerin erlernte erst in der Bethel-Werkstatt verschiedene PC-Programme. Heute arbeitet die 53-Jährige am liebsten am Bildschirm. „Sie macht das richtig gut“, lobt Heike Fuhrmann. Angelika Winkelmann schreibt mittlerweile selbstständig Geschäftsbriefe und macht Bestellungen. „Das bereitet mir großen Spaß“, sagt sie. Dass sie überhaupt wieder so fit wird, hatte Angelika Winkelmann vor eineinhalb Jahren nicht gedacht. Schritt für Schritt hat sie ihre Selbstständigkeit wieder erlangt. Dabei geholfen haben ihr die Bewegungs- und Sprachförderung sowie das Konzentrations- und Gedächtnistraining, die ebenfalls feste Bestandteile des Bildungsangebotes sind.

Da Neustart auch Industrieaufträge annimmt, kommen die Tätigkeiten den „realen“ Arbeitsbedingungen sehr nah. Allerdings wird darauf geachtet, nicht zu überfordern und damit zu frustrieren. „Viele Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung kommen einmal an den Punkt, an dem sie merken, dass es nicht weitergeht. Diese Erkenntnis ist eine enorme psychische Belastung, denn sie ist auch ein Abschied vom bisherigen Leben“, so Heike Fuhrmann. Zum Konzept gehört es, dass das Team gemeinsam mit dem Betroffenen an Entwürfen für ein neues Leben arbeiten – daher der Name „Neustart“.

Die 27-monatigen Bildungsmaßnahmen werden durch die Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit finanziert. Das proWerk-Angebot Neustart bietet insgesamt 16 Plätze für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen. Die individuelle Krankheitsgeschichte wird bei der Hilfeplanung berücksichtigt. Welche Fähigkeiten sind noch da und können weiter trainiert werden? Welche Hilfsmittel können Menschen mit körperlichen Einschränkungen unterstützen? Welche Arbeitsangebote kommen in Frage? Bei Neustart wird sehr genau auf jeden einzelnen Teilnehmer und jede einzelne Teilnehmerin geschaut. „Wir nehmen uns sehr viel Zeit, um auf Bedürfnisse einzugehen und die richtige Anschlussperspektive zu finden“,  so Heike Fuhrmann. „Nicht der Teilnehmer muss passen, sondern der Arbeitsplatz.“

Kontakt:

v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, proWerk, www.prowerk-bethel.de

„Neustart“, Haller Weg 47, 33617 Bielefeld, Tel.: 0521 144-2259, E-Mail: neustart.prowerk[at]bethel.de

Arbeitsberatung / Aufnahme Werkstätten, Nazarethweg 4, 33617 Bielefeld, Tel.: 0521 144-5545, E-Mail: heike.tobergte@bethel.de


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel