v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
02.06.2015

Berufsgenossenschaft ernennt EvKB zur Spezialklinik


Im Ev. Krankenhaus Bielefeld werden zukünftig auch schwerstverletzte Patienten versorgt, deren Verletzungen auf einen Arbeitsunfall zurückzuführen sind.

Wenn jede Minute zählt: Das neue Heli-Deck auf dem Haus Gilead I ermöglicht einen besonders schnellen Weg in den Schockraum.

Dr. Rainer Norden, Geschäftsführer des EvKB

Privatdozent Dr. med. Thomas Vordemvenne leitet seit 1. Januar 2014 die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Unfallchirurgie jetzt unter den Top Ten in NRW

Bielefeld-Bethel. In zehn Kliniken in Nordrhein-Westfalen dürfen Schwerstverletzte nach Arbeitsunfällen behandelt werden. So hat es die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung festgelegt. Ab heute gehört die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) zu den Top Ten.

Wie es passiert ist, weiß niemand so richtig. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen stürzte ein 36-jähriger Arbeitnehmer aus Rheda-Wiedenbrück beim Abdecken von Metallplatten eines alten Fabrikgebäudedaches in die Tiefe. Mit schweren Verletzungen im Wirbelsäulen- und Brustkorbbereich wurde der Verunglückte per Hubschrauber in die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im EvKB gebracht. „Diese Art von polytraumatischen Arbeitsunfällen wird in sogenannten SAV-Zentren versorgt“, erklärt Privatdozent Dr. Thomas Vordemvenne, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Diese ist seit dem 1. Juni eines der zehn Zentren in Nordrhein-Westfalen, die von der gesetzlichen Unfallversicherung zu einem SAV-Haus benannt wurde.

Das Ziel der Berufsgenossenschaft ist klar: Menschen, die auf dem Arbeitsweg oder an ihrem Arbeitsplatz schwer verunglücken, sollen deutschlandweit optimal behandelt und idealerweise wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Um das zu erreichen haben die Berufsgenossenschaften beschlossen, sich auf wenige Kliniken in der Versorgung von Schwerstverletzten zu konzentrieren und nur dort Arbeitsunfälle versorgen zu lassen. Die drei Buchstaben SAV stehen dabei für Schwerstverletztenartenverfahren, eine etwas holprige Bezeichnung.

Der gute Ruf einer Klinik reicht allein nicht aus. Die Aufnahmekriterien, zu den ausgewiesenen SAV-Zentren zu gehören, sind anspruchsvoll. „Es muss an der Klinik eine ausreichende Zahl zum Beispiel an Becken- und Wirbelsäulenverletzungen behandelt werden. Insgesamt gehören wir seit Jahren zu den Häusern, die die meisten Polytraumen, also lebensgefährliche Mehrfach­verletzungen bundesweit behandeln.“, erklärt Vordemvenne. Die Zahl der Fälle ist eine Voraussetzung, um eine SAV-Klinik zu werden, die baulichen Voraussetzungen eine weitere. Dafür nahm das EvKB richtig Geld in die Hand.

Allein im vergangenen Jahr wurden rund sechs Millionen Euro investiert. „Wir haben das Hubschrauber-Landedeck mit einer direkten Fahrstuhlverbindung in den Schockraum gebaut, die Operationsräume nach neuestem Standard konzipiert und sind dabei, die zentrale Notaufnahme durch bauliche Veränderungen zu optimieren“, fasst Dr. Rainer Norden, Geschäftsführer im EvKB , die Aktivitäten zusammen. Die baulichen Voraussetzungen optimieren das wichtigste Fundament bei der Versorgung von Patienten: die enge interdisziplinäre Arbeit der Mediziner und ihrer Teams. „Wir sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit. Wir haben hier im EvKB mit Neurochirurgen, Thoraxchirurgen, Gefäßchirurgen und vielen anderen Fachärzten ideale Voraussetzungen, um Schwerstverletzte optimal zu behandeln“, so Vordemvenne.

Die nächsten SAV-Kliniken liegen in Minden und Münster. Alle zwei Jahre überprüft die Berufsgenossenschaft, ob die Kriterien für ein solches Spezial-Zentrum noch erfüllt werden.

Die wichtigsten Kriterien, um eine SAV-Klinik zu werden auf einen Blick

1. Erfahrung in der Unfallchirurgie und Orthopädie: Hohe Fallzahlen (2014 wurden in der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im EvKB 250 Becken- und Wirbelsäulenverletzungen nach Unfällen behandelt)

2. Entsprechende OP-Räumlichkeiten (rund sechs Millionen Euro hat das EvKB 2014 ins Hubschrauberdeck, in OP-Räumlichkeiten und in die Notaufnahme investiert)

3. Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Spezialisten

4. 24 Stunden Erreichbarkeit an 365 Tagen

5. Reha-Management


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel