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09.08.2019

Bethel-Beschäftigter fertigt Schmuck aus Besteck


Echte Handarbeit: Mit Ruhe und Liebe zum Detail fertigt Lars Hollstein jedes einzelne Schmuckstück. Aus altem Silberbesteck entstehen Ohrringe, Anhänger und Armreifen. Fotos: Christian Weische

„Jedes Stück ist ein Unikat“ 


Bielefeld-Bethel. Verstreute Werkzeuge, etliche Skizzen und stapelweise Materialien – an Lars Hollsteins Arbeitsplatz dominiert das kreative Chaos. Der Tüftler hat sein eigenes kleines Reich geschaffen, angegliedert an die Betheler Schlosserei Wilhelmsdorf im Bielefelder Süden. Hier fertigt er aus alten Tortenhebern oder unvollständigem Silberbesteck Schmuckobjekte wie Ohrringe, Anhänger oder Armreifen. Die Ideen für seine Kreationen kommen oft nachts.

Die Brockensammlung Bethel hatte die Idee, aus ausrangierten Löffeln oder Gabeln, die ihren Weg nicht mehr in den Verkauf, sondern allenfalls in den Schmelzofen finden, Schmuckobjekte zu fertigen. Für dieses nachhaltige Projekt gewann sie mit Lars Hollstein einen kreativen Künstler mit handwerklichen Geschick. Regelmäßig ist er auf „Schatzsuche“ im Betheler Secondhand-Kaufhaus. Er achtet auf die kleinen Details wie Verzierungen an den Griffen, die er zum Beispiel zu Ohranhängern weiterverarbeiten kann. „Dafür betrachte ich die Gegenstände ganz genau und in aller Ruhe“, so der 51-Jährige.

„Ruhe“ war lange ein Fremdwort für Lars Hollstein. 25 Jahre tourte der gelernte Pyrotechniker mit großen Rockbands, wie Metallica oder Rammstein, durch die Welt. „Ich vermisse das nicht. Die vielen Arbeitsstunden, der Stress, das ständige Auf- und Abbauen – man lebt in einem Mikrokosmos und bekommt irgendwann gar nicht mehr so richtig mit, was um einen herum passiert“, beschreibt er. Das anstrengende Tourleben hinterließ Spuren: Wegen psychischer Erkrankungen kam er nach Bethel.

„Seitdem ich weiß, was mit mir los ist, geht es mir besser, und ich mache mir keinen Stress mehr“, so Lars Hollstein. Zurück in seinen alten Beruf möchte er nicht mehr.

Seine Arbeit in der Betheler Schlosserei Wilhelmsdorf gefällt ihm. Hier kann er nach Lust und Laune hämmern, bohren und schleifen – ganz ohne Hektik. Nach seinem „Upcycling“ werden die neu geschaffenen Schmuckobjekte in der Brockensammlung Bethel ausgestellt und verkauft. „Jedes Stück ist ein Unikat“, hebt der Schmuckdesigner hervor. Nachhaltigkeit und Wiederverwertung sind Themen, die ihm schon immer sehr am Herzen lagen.


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