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16.01.2009

Bethel-Mitarbeiter hilft Leukämiepatientin


Der Betheler Küchenleiter Jens Plaumann hat mit seiner Stammzellspende einer Patientin in den USA zu einer neuen Lebenschance verholfen. Foto: Paul Schulz

Typisierungsaktion trägt erste Früchte

Bielefeld-Bethel. Vor einem Jahr hatten sich rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel als potenzielle Stammzellspender in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufnehmen lassen. Unter ihnen war auch Jens Plaumann. Jetzt gab der Betheler Küchenleiter mit seiner Spende einer Patientin in den USA die Chance auf ein neues Leben.


„Ich war überrascht, dass ich tatsächlich als ‚genetischer Zwilling’ für eine Patientin gefunden wurde“, so Jens Plaumann. „Natürlich war auch eine kleine Unsicherheit dabei, denn auf einmal wurde das alles so konkret. Aber ich habe mich sehr gefreut, und mir war ganz klar, dass ich das mache.“ Der 40-Jährige Bethel-Mitarbeiter aus Enger ist der erste, der tatsächlich als Spender aus der Typisierungsaktion im Dezember 2007 hervorgegangen ist.

Alle 45 Minuten erkrankt allein in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Für viele von ihnen ist die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. Den passenden „genetischen Zwilling“ zu finden ist sehr schwierig, da die Gewebemerkmale von Spender und Patient nahezu vollständig übereinstimmen müssen. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Übereinstimmung variiert - je nach individueller Merkmalskombination – zwischen 1:20.000 und 1:mehreren Millionen. Jens Plaumann hatte die passenden Gewebemerkmale, um einem todkranken Menschen helfen zu können.

Nach einer gründlichen Voruntersuchung im Klinikum in Hameln spritzte sich Jens Plaumann fünf Tage lang ein Medikament, welches die Produktion der lebensrettenden Stammzellen im Knochenmark anregt und diese in die Blutbahn ausschwemmt. Nach dieser Vorbehandlung wurden die Stammzellen über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt. Das Blut fließt von einem Arm aus durch einen so genannten Zellseparator und über den zweiten Zugang im anderen Arm in den Körper zurück. Im Zellseparator werden die Stammzellen vom restlichen Blut getrennt und für die Transplantation gesammelt.

Der zweifache Familienvater hat sich die Spritzen zur Stimulation der Stammzellproduktion selbst gegeben. „Obwohl das nicht unbedingt zu meinen Hobbys gehört, war es kein Problem“, erinnert er sich. Am zweiten und dritten Tag habe er die bekannten Nebenwirkungen wie Kopf- und Gliederschmerzen gehabt, aber „das hatte man mir ja vorher gesagt, und so habe ich mir keine Sorgen gemacht. Ich bin ganz normal zur Arbeit gegangen.“ Die Spende selbst sei völlig unkompliziert verlaufen und habe viereinhalb Stunden gedauert.

In den ersten zwei Jahren müssen Spender und Empfänger anonym bleiben. Danach dürfen sie sich kennen lernen, wenn beide das möchten. Das Einzige, was Jens Plaumann nach der Spende über die Empfängerin seiner Stammzellen erfuhr, ist, dass es sich um eine 57-jährige Frau aus den USA handelt. Sie hatte ihm bereits vor der Transplantation einen anonymen Brief geschrieben, den Jens Plaumann dann nach der Spende von dem Arzt erhielt. „Das war ein bewegendes Gefühl. Es war ein sehr positiver Brief. Die Frau schrieb, wie sehr sie sich darüber freut, dass ich ihr die Chance auf Überleben ermögliche.“ Nun hofft er, dass es der Patientin bald besser geht. „Wenn alles gut läuft, würde ich die Frau schon gerne irgendwann einmal kennen lernen“, so Jens Plaumann.

Mit mehr als 1,8 Millionen registrierten potenziellen Stammzellspendern ist die DKMS die größte Spenderdatei weltweit und vermittelt täglich mindestens sechs Stammzell- oder Knochenmarkspenden. Trotz dieser positiven Entwicklung wird noch immer für jeden fünften Patienten kein Spender gefunden. In die Datei aufnehmen lassen kann sich jeder, der zwischen 18 und 55 Jahren alt und gesund ist. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0221 940582-0 oder im Internet unter www.dkms.de.


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