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01.09.2010

Bethel sucht Teilnehmer für bundesweite Studie


Therapie mit dem Pferd: So wie der siebenjährige Lasse trainieren auch Kinder mit einer spastischen Lähmung ihren Gleichgewichtssinn und die Körperwahrnehmung mit Hippotherapeutin Uta Adorf.

Fotos: Gunnar Kreutner

Spastik-Therapie auf dem Pferderücken 

Bielefeld-Bethel. Auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen und die Bewegungen des Tieres zu spüren hat eine weithin anerkannte therapeutische Wirkung auf Menschen mit Behinderungen. Wissenschaftlich belegt ist der Erfolg der Therapie mit dem Pferd allerdings nicht. Das soll sich jetzt ändern. Das Epilepsie-Zentrum Bethel und das Therapeutische Reiten Bethel beteiligen sich an einer bundesweiten Studie, in der der Einfluss der „Hippotherapie“ auf die Motorik und die Lebensqualität von Kindern mit einer spastischen Lähmung untersucht wird. 

Im Auftrag des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten (DKThR) und unter der wissenschaftlichen Leitung des Universitätsklinikums Aachen werden an fünf Standorten rund 120 Kinder bei der Hippotherapie beobachtet und ihre Fortschritte dokumentiert. In Bethel, Aachen, Bochum, München und Tübingen arbeiten Mediziner und Therapeuten zusammen, um wissenschaftlich zu belegen, dass die Therapie Kindern und Jugendlichen mit einer beidseitigen spastischen Lähmung hilft. 

„Die Studie ist nicht nur wichtig, um die Therapiemöglichkeiten weiterzuentwickeln. Auch die Anerkennung und Finanzierung der Behandlung hängen von belegbaren Daten und Therapieerfolgen ab“, sagt Dr. Tilman Polster, der die auf mehrere Jahre angelegte Studie im Raum Bielefeld betreut. Der leitende Kinderneurologe im Epilepsie-Zentrum Bethel ist von der Wirksamkeit der Hippotherapie überzeugt. „Auf dem Pferd können die Kinder unter anderem ihre Körperhaltung und ihren Gleichgewichtssinn trainieren. Die Muskelspannung kann sich regulieren, was besonders für Kinder mit einer spastischen Lähmung wichtig ist.“ Der Kontakt zu dem Tier sei zudem eine sehr intensive und wertvolle Erfahrung für die Sinne und das Selbstvertrauen. 

Hippotherapeutin Uta Adorf ist Mitarbeiterin des Therapeutischen Reitens Bethel. Sie erlebt tagtäglich, was die Arbeit mit dem Pferd bei Kindern mit einer spastischen Lähmung bewirkt. „Auf dem Pferd erreichen wir eine Veränderung der Muskelspannung, die man mit normalen Therapien nur schwer erzielt“, ist sie überzeugt. Besonders die Aufrichtung des Körpers und die Entspannung der Extremitäten und die damit verbesserte Körperhaltung könnten mit der Hippotherapie gut trainiert werden. 

In Deutschland ist von 1 000 Neugeborenen statistisch ein Kind von einer spastischen Lähmung betroffen. Im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld (EvKB) der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel werden jährlich rund 150 Kinder mit der Diagnose „infantile spastische Cerebralparese“ behandelt.

Im Raum Bielefeld wird die Studie im Reitstall des Therapeutischen Reitens Bethel sowie an drei weiteren Höfen für therapeutisches Reiten durchgeführt. Das „Studienzentrum Bielefeld/Bethel“ sucht noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Kinder und Jugendlichen können kostenlos an einer Hippotherapie teilnehmen. Voraussetzung ist, dass sie seit ihrer Geburt beidseitig spastisch gelähmt sind, zwischen fünf und 16 Jahren alt sind und innerhalb der vergangenen zwölf Monate nicht mit dieser Therapie behandelt wurden. Interessierte können sich direkt bei Katharina Roski im Sekretariat von Dr. Tilman Polster melden unter Telefon (0521) 772-78885.

 


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