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09.12.2009

Bethel-Tagung zur Armut von Werkstatt-Beschäftigten


Claudia Hofer, Gesamtwerkstatträtin, Angelika Gemkow, Landesbehindertenbeauftragte NRW und Raimund Klinkert, Geschäftsführer proWerk, (v.l.) treten für eine Kultur der Wertschätzung von behinderten Menschen in den Werkstätten ein. Foto: Schulz

Arbeit lohnt sich – aber nicht finanziell!

Bielefeld-Bethel. 359 Euro zum Leben - soviel bekommen Menschen mit Behinderung, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Auch wenn sie in Vollzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten, erhalten sie nicht viel mehr. Denn der Lohn wird auf die Grundsicherung angerechnet.„Wer von 359 Euro leben muss, ist arm“, so Raimund Klinkert, Geschäftsführer vom Betheler Stiftungsbereich proWerk auf der Fachtagung „Arm trotz Arbeit“ Anfang Dezember in Bethel.Thomas Görlich arbeitet in der Bernhard-Mosberg-Werkstatt. Die Arbeit mache ihm Spaß, betont der 44-Jährige in einem Filmbeitrag, der auf der Fachtagung „Arm trotz Arbeit“ vorgeführt wurde. Allerdings komme er mit dem Geld, das ihm zur Verfügung stehe, nicht zurecht. „Im Gegensatz zur früheren Sozialhilfe hat sich die Situation deutlich verschlechtert“, stellt Thomas Görlich fest. Die Kosten stiegen, die Grundsicherung nicht. „ Am schlimmsten ist es, wenn große Rechnungen anstehen“, so der Werkstattbeschäftigte. Um nicht in die Schuldenfalle zu geraten, spart er, wo es geht. „Wurst und Käse gibt es nur Anfang des Monats. Im Winter wird einmal durchgeheizt, damit die Rohre nicht einfrieren. Ansonsten ist die Heizung aus, und ich halte mich mit Decken und dickem Pullover warm.“Um nachzuweisen, dass die Lebenssituation von Thomas Görlich kein Einzel- sondern der Regelfall ist, hat proWerk in diesem Jahr eine Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse wurden bei der Fachtagung vor rund 150 Betroffenen, Angehörigen, Politikern und Mitarbeitern in der „Neuen Schmiede“ in Bethel vorgestellt. Die Hälfte aller befragten Personen, die ihren Lebensunterhalt aus Grundsicherung und anteiligem Werkstattentgelt bestreiten, gaben an, dass sie nach Abzug aller Fixkosten rund 200 bis 300 Euro zum Leben haben. „Alarmierend ist, dass sich ein nicht geringer Anteil der betroffenen Menschen aus finanziellen Gründen keine Medikamente oder Hilfsmittel besorgt. Armut macht krank“, warnte eine proWerk-Mitarbeiterin. Die Umfrage wurde gemeinsam von der Geschäftsführung und dem Werkstattrat in proWerk initiiert. „Unsere Gesellschaft glaubt, dass Menschen mit Beeinträchtigungen gut versorgt sind. Seit Einführung der Grundsicherung stimmt das aber nicht mehr. Wir sind in die Armut gerutscht, und keiner hat es mitbekommen“, betont die proWerk-Gesamtwerkstatträtin Claudia Hofer. Die Arbeit in den Werkstätten lohnt sich – aber nicht finanziell, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags einig. Auch die Vertreter der politischen Parteien, die an einer Podiumsdiskussion teilnahmen, gaben zu, dass Nachbesserungen in der Gesetzgebung nötig seien.Einen Koffer für Berlin, adressiert an die verantwortlichen Bundespolitiker gaben die Organisatoren des Fachtags ihnen mit. Er war gefüllt mit Forderungen, die in Arbeitsgruppen während der Fachtagung gesammelt wurden. Darunter war unter anderem der Appell, die Grundsicherung an die Preissteigerungen anzupassen oder den jährlichen Nachweis der Bedürftigkeit zu vereinfachen. Die Beschäftigten in den Werkstätten wehren sich gegen unhaltbare Zustände. Die Fachtagung in Bethel war erst der Beginn einer Kampagne gegen „Armut trotz Arbeit“. „Wir Werkstattbeschäftigten bleiben am Ball“, gab Claudia Hofer den Vertretern der Parteien zu verstehen.

 

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