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03.11.2020

Betheler Fachdienst sucht Pflegefamilien


Für Frieda Wall und ihre Familie ist Emil das erste Pflegekind. Drei Jahre ist es her, dass die Walls ihn aufgenommen haben.

Silke Altemeier (l.) vom Betheler Fachdienst Pflegekinder steht Frieda Wall und ihrer Familie in allen Fragen rund um Emils Erziehung zur Seite. Fotos: Christian Weische

„Für uns war es die richtige Entscheidung“

Halle/Bielefeld-Bethel. „Guck mal, Mama“, ruft Emil* und streckt Pflegemutter Frieda Wall stolz das selbstgemalte Bild entgegen. Er ist ein aufgeweckter Junge. Drei Jahre ist es jetzt her, dass er als Pflegekind zu Familie Wall kam. Emil war damals elf Monate alt. Familie Wall wird seitdem vom Fachdienst Pflegekinder der Betheler Jugendhilfe Gütersloh begleitet. Dessen Team ist von Halle aus kontinuierlich auf der Suche nach Pflegefamilien in ganz Ostwestfalen-Lippe. Und durch die Corona-Pandemie hat sich der Mangel an Familien noch verschärft.

„Über den Sommer verteilt hatten wir Anfragen für 14 Kinder – aber wir konnten nur ein Kind vermitteln“, sagt Fachdienst-Mitarbeiterin Caroline Stimpfle. Hoch sei die Zahl der Anfragen an Bethel durch die Jugendämter gewesen, zu gering die Zahl der Menschen, die sich während der Pandemie zur Aufnahme eines Pflegekindes bereiterklärt hätten. „Für uns ist immer wichtig, passende Familien für die Kinder zu finden – und nicht umgekehrt“, betont ihre Kollegin Silke Altemeier. Hinzu komme, dass Schulungsangebote für angehende Pflegeeltern wegen strenger Hygieneauflagen zwischenzeitlich ausfallen mussten. Mittlerweile schulen die Mitarbeitenden des Fachdienstes angehende Pflegeeltern deshalb einzeln per Hausbesuch.

„Für uns war Emils Aufnahme auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, sagt Frieda Wall. Es war das erste Mal, dass sie und ihr Mann Witali ein Pflegekind zu sich nahmen – zusätzlich zu ihren vier leiblichen Kindern, die heute zwischen 9 und 20 Jahre alt sind. „Ohne die Zustimmung der Kinder hätten wir uns nicht dafür entschieden“, betont sie.

Alleinstehend oder verheiratet, alt oder jung, mit leiblichen Kindern oder ohne – das sei zweitrangig für die Aufnahme eines Pflegekindes, sagt Silke Altemeier, die Familie Wall seit der Aufnahme von Emil begleitet und berät. Wichtig sei vor allem die charakterliche Eignung. „Man muss die Bereitschaft mitbringen, sich selbst, die eigene Haltung und die eigene Rolle gegenüber dem Pflegekind reflektieren zu können“, erklärt die Pädagogin. Dazu gehöre auch, anderen Einblicke in die eigene Familie zu gewähren – etwa dem Jugendamt oder den Mitarbeitenden des Fachdienstes.

Für die Walls war das kein Problem: „Wir freuen uns immer, wenn Frau Altemeier vorbeikommt“, so Frieda Wall. „Ich finde es toll, dass sie uns als ganze Familie wahrnimmt und bei der Beratung auch unsere leiblichen Kinder miteinbezieht.“ Schon nach wenigen Monaten sei Emil ein fester Teil der Familie geworden, berichtet sie. „Und er gibt unheimlich viel Liebe an uns zurück.“

*Name geändert

Infobox:
Wer in der Region Ostwestfalen-Lippe wohnt und sich dafür interessiert, eine Pflegeelternschaft zu übernehmen, bekommt weitere Informationen beim Betheler Fachdienst Pflegekinder in Halle unter Tel. 05201 97139-40 oder per E-Mail an fachdienst-pflegekinder[at]bethel.de.


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