v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
21.04.2009

Betheler Pflegewissenschaftler erhält „Berliner Gesundheitspreis“


Dr. Michael Schulz überzeugte die Jury des „Berliner Gesundheitspreises 2008“. Foto: Paul Schulz

Therapie-Konzept für „therapieuntreue“ Psychiatrie-Patienten entwickelt

Berlin/Bielefeld-Bethel. Der Betheler Pflegewissenschaftler Dr. Michael Schulz hat gestern  (20. April) den „Berliner Gesundheitspreis 2008“ in der Hauptstadt verliehen bekommen.

Der Mitarbeiter der Forschungsabteilung in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Ev. Krankenhauses Bielefeld (EvKB) erhielt den zweiten Preis des bundesweiten Innovationswettbewerbs, der unter dem Motto „Gesagt ist nicht getan – Adherence“ ausgeschrieben wurde.

Insgesamt 68 Projekte bewarben sich um den „Berliner Gesundheitspreis“, der mit insgesamt 50.000 Euro Preisgeld dotiert ist. Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre gemeinsam von der Ärztekammer Berlin, vom AOK Bundesverband und der AOK Berlin ausgeschrieben. Dr. Michael Schulz überzeugte die elf unabhängigen Juroren aus Politik, Medizin und Wissenschaft mit seinem Adhärenz-Therapie-Modell für Pflegende in der stationären Psychiatrie. Der zweite Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Der Begriff „Adhärenz“ – auf Englisch „Adherence“ – bezeichnet die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Behandlungsteam gesetzten Therapieziele. Mangelnde Therapietreue, insbesondere chronisch erkrankter Menschen, ist weltweit ein Problem. In entwickelten Ländern wie Deutschland setzen nach etwa einem Jahr nur noch 50 Prozent der Patienten ihre Behandlung fort. Etliche verordnete Medikamente landen auf dem Müll und werden nie eingenommen, Gesundheitssportkurse oder vom Arzt angeregte Diäten werden rasch wieder abgebrochen. Die Ursachen für „Therapieuntreue“ sind vielfältig. Einfluss können neben geringer Bildung und Armut zum Beispiel mangelndes Vertrauen zum Behandlungsteam, lückenhaftes Wissen über die Krankheit oder negative Nebenwirkungen der Medikamente haben.

Mit einer Adhärenz-Therapie wird die Therapietreue der Patienten verbessert. Sie setzt auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Behandelnden und dem Patienten. „Die Therapieziele werden gemeinsam entwickelt. Der Patient übernimmt verstärkt die Rolle des selbst Handelnden“, erläutert Dr. Michael Schulz, der im EvKB für die psychiatrische Pflegeforschung verantwortlich ist. Neben der Wissensvermittlung sei es wichtig, verhaltenstherapeutische Elemente einzubauen – zum Beispiel, dass man gemeinsam mit Patienten eine Technik entwickelt, die die Einnahme von Medikamenten mit anderen alltäglichen Routinen verbindet. Aber bei dem Konzept gehe es nicht nur um die Einnahme der Medikamente, betont Dr. Michael Schulz. „Medikamente sind immer nur eine Säule der Therapie.“

Der Therapie-Ansatz an sich ist etabliert und wird auch schon länger im psychiatrischen Bereich angewendet – bislang allerdings nur im ambulanten Arbeitsfeld. Dr. Michael Schulz hat die Therapie für den stationären Bereich weiterentwickelt. „Unser Modell, das wir bereits bei 75 Schizophrenie-Patienten angewendet haben, erleichtert den Patienten den Übergang aus der stationären Behandlung ins private Umfeld, damit sie ihre Behandlung auch zu Hause durchhalten“, so Dr. Michael Schulz.

Acht Gesprächseinheiten umfasst das Konzept von Dr. Michael Schulz. Fünf Einheiten werden während des stationären Aufenthaltes durchgeführt. „Nach der Entlassung besuchen wir die Patienten dreimal zu Hause, um eventuelle Frühzeichen für Probleme zu erkennen. Wichtig ist für uns, dass die Beziehung zum Patienten nicht abbricht.“

Download Pressebild


© 2018 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel