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22.12.2011

Bethels Ortschaftsreferent Paul-Friedrich Klein geht in den Ruhestand


Der barrierefreie Kaiserweg gehört zu den Lieblingsprojekten des Ortschaftsreferenten.

Smalltalk auf dem Bethel-Platz: Überall und bei jeder Gelegenheit suchen Mitarbeitende und Bewohner den Austausch mit dem langjährigen Ortschaftsreferenten.

Bethel-Bewohnerin Christa Stanick weiß ihre Anliegen bei Diakon Klein in guten Händen.

Vierzehn Jahre lang gab Paul-Friedrich Klein als Leiter der Posaunenmission Bethel den Ton an.

Mittler und Sprecher der „kundigen Bürger"

Bielefeld-Bethel. Zielstrebig biegt Paul-Friedrich Klein in einen zugewucherten schmalen Weg ein, der neben dem Hospiz Haus Zuversicht über das Grundstück des leer stehenden Hauses Tabor verläuft. Der Diakon schiebt sein Fahrrad einen steilen Hang hinauf, bis er, etwas aus der Puste, sein Ziel erreicht hat: einen sauber gepflasterten Weg auf dem Kamm oberhalb des Bethelwegs. Kaum einer kennt so viele Schleichwege in Bielefeld-Bethel, wie der Betheler Ortschaftsreferent, der am 30. Dezember in den Ruhestand geht.

„Das hier ist der Kaiserweg, wobei er unter diesem Namen nur wenigen bekannt ist“, erklärt Paul-Friedrich Klein und zeigt zufrieden den Fußweg entlang, der heute nach etwa 100 Metern im Nebel verschwindet. Vor gut vier Jahren wurde der Weg fertiggestellt. Früher war er nicht mehr als ein besserer Trampelpfad. „Der Weg ist die einzige Möglichkeit für viele Bewohnerinnen und Bewohner der anliegenden Altenhilfe-Einrichtungen, um sich in der Natur zu bewegen“, weiß der Ortschaftsreferent.

Der Kaiserweg gehört zu den Projekten, die Paul-Friedrich Klein besonders viel bedeuten. Er hatte sich dafür stark gemacht, dass der Wunsch vieler Menschen nach einem barrierefreien Weg erfüllt wird. Genau das gehörte die vergangenen Jahre zu seinen wichtigsten Aufgaben: „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Interessen und Wünsche der behinderten und alten Menschen berücksichtigt werden, wenn es um die Planungen der Ortschaft oder die Gestaltung des Zusammenlebens in Bethel geht. Und ich habe zugesehen, dass die Menschen, um die es ja eigentlich geht, immer mit am Tisch sitzen und unmittelbar beteiligt sind“, erläutert er.

Drei Tage vor Silvester (28.12.) wird der gebürtige Wuppertaler 65 Jahre alt. Seit 1967 wohnt Paul-Friedrich Klein in Bethel, seit dem Beginn seiner Diakonen-Ausbildung. Vierzehn Jahre lang leitete er die Posaunenmission der Zionsgemeinde. Danach war er als Lehrer in der Diakonenschule Nazareth tätig, um anschließend nach Terach in die Betheler Erwachsenenbildung zu wechseln. Seit 2001 ist er Ortschaftsreferent. Mit einem Stellenanteil arbeitete er als Seelsorger in verschiedenen Behindertenhilfe-Einrichtungen in Bethel. Zu den größeren Projekten, die Paul-Friedrich Klein in seiner Funktion begleitete, gehören die Gestaltung des Bethel-Platzes und der Rahmenplan Bethel zu Beginn seiner Dienstzeit. Damals ging es darum, die Ortschaft zu öffnen. Bethel sollte in der öffentlichen Wahrnehmung als normaler Teil des Stadtbezirks Gadderbaum gesehen und entsprechend in die Stadtplanungen eingebunden werden. Die behinderten Bewohner waren direkt an dem Projekt beteiligt. Paul-Friedrich Klein hatte damals den Begriff des „kundigen Bürgers“ geprägt. „Die Menschen sind die Experten für sich selbst und wollen sich einmischen. Bei dem Projekt haben alle beteiligten Planer im Nachhinein festgestellt, dass die behinderten Menschen den Prozess am entscheidendsten beeinflusst haben“, erinnert er sich.

Gegenwärtig laufen die Planungen im Rahmen des „Stadtumbaus West“. Der Ortschaftsreferent ist froh, dass es mittlerweile selbstverständlich geworden ist, Menschen mit Behinderung einzubinden. Und zu den regelmäßigen Ortschaftsversammlungen kommen immer mehr als 200 Menschen. „Das zeigt doch, wie groß das Interesse an einer aktiven Beteiligung und Mitsprache ist“, so der Nazareth-Diakon.

Paul-Friedrich Klein wird Bethel über seinen Ruhestand hinaus erhalten bleiben. „Ich bin ja gerade erst für vier Jahre zum Vorsitzenden des Gemeinschaftsrates der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth gewählt worden“, betont der Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Die Kinder sind längst erwachsen. Paul-Friedrich Klein bleibt am Missionsweg in Bethel wohnhaft und freut sich darauf, demnächst noch mehr musizieren zu können. Er singt in mehreren Chören in Bethel und spielt Klavier.


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