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21.07.2009

Bettina Mette, die Geschichtenerzählerin


Langweilig ist Bettina Mette nie. Denn die Welt steckt voller Geschichten. Foto: Elbracht

Die Gedanken flitzen lassen

Bielefeld-Bethel. Die Spinne im Badezimmer hat ihre Aufmerksamkeit geweckt. „Schön, dass du da bist“, begrüßt Bettina Mette das Tier, das mit seinen langen Beinen über den Fußboden eilt. Eine Weile beobachtet sie, was Amanda – so nennt sie die Spinne - früh morgens neben der Toilette alles erlebt.

Das wird sie sich merken und später niederschreiben. Denn Bettina Mette ist eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin.

Das Gespräch mit dem Taxifahrer, die Suche nach der schwarzen Jacke oder die Gebrauchsanweisung für eine neue Thermoskanne – es sind die alltäglichen Dinge, die das Interesse von Bettina Mette wecken und den Nährboden für ihre Kurzgeschichten bilden. „Ich schreibe nie etwas Erfundenes sondern nur Selbsterlebtes“, sagt die 51-jährige, die wegen ihrer Behinderung in der Betheler Briefmarkenstelle tätig ist.

Bettina Mette hört gut zu und schaut genau hin. Mit einer gehörigen Portion Witz und Selbstironie werden aus ihren Beobachtungen lustige Geschichten. So amüsiert sie sich beispielsweise über ein kleines Malheur, das ihr selbst widerfahren ist. Aus Versehen hatte sie Tee in eine Tasse mit Cola geschüttet. Der „aparte Geschmack“ des neuen Mischgetränks und die Experimente mit verschiedenen Zutaten hat sie unter der Überschrift „Eine sensationelle Teekreation“ auf zwei Seiten in ihrer dicken A4- Kladde festgehalten.

Das Notizbuch hat Bettina Mette von ihrem älteren Bruder Til geschenkt bekommen. Er ist ein bekannter Cartoonist und lebt in Hamburg. Auf die erste Seite hat er eine Katze gezeichnet und dazu „Bettinas Buch für flotte Geschichten“ geschrieben. „Seit ich zwölf bin, schreibe ich schon. Meine Eltern haben das immer sehr gefördert. Die Geschichten haben sie auch Verwandten und Freunden gezeigt, und die fanden sie immer lustig“, berichtet sie.

Die kreativen Mette-Geschwister haben sich vorgenommen auch einmal ein Projekt gemeinsam zu verwirklichen: Geschichten von Bettina mit Karikaturen von Til. Und vielleicht macht auch noch der jüngere Bruder mit. Veit ist Fotograf und hat unter anderem Fotos für eine Stadtbahn in Bielefeld gemacht. Die Bilder zeigen das Leben von behinderten Menschen in Bethel. Dafür bekamen Bethel und er den dritten Preis beim deutschen Plakatwettbewerb.

Wenn Bettina Mette ihre Kurzgeschichten zu Papier bringt, sitzt sie am liebsten auf der Bettkante. „Dann heißt es noch einmal die Gedanken flitzen lassen, und schon geht es los. Diesmal ist es eine Anekdote, die sie „Mikrowelle statt Bungee-Sprung“ nennt. „Jeden Tag fahre ich mit meinem Rollstuhl in die Küche, um mir mein Körnerkissen in der Mikrowelle warm zu machen“, schreibt sie. Und der verblüffte Leser erfährt, dass das Elektrogerät bei Bettina Mette tatsächlich als Ersatz für den freien Fall am Gummiseil herhalten muss. „Wenn die Uhr der Mikrowelle klingelt, bekomme ich so einen Adrenalinstoß, wie der besagte Bungee-Springer“ ist zu lesen.

Neben dem Verfassen von Kurzgeschichten hat Bettina Mette noch ein zweites Hobby. „Ich gucke leidenschaftlich gerne Seifenopern“, gesteht sie. Die Schicksale der Figuren im Fernsehen verfolgt sie zum Teil schon seit Jahrzehnten. Trotzdem - viel spannender als der Herzschmerz im Vorabendprogramm ist für Bettina Mette das wirkliche Leben. Und das beginnt manchmal schon mit einer Fahrt im Taxi:

„Als ich ins Taxi einstieg, beäugte ich den Fahrer aufmerksam und meinte dann: „Sie sind aber auch kein Deutscher, oder?“ „Nein“, erwiderte er, „meine Mutter stammt aus Indien und mein Vater aus Kroatien. – Und sie sehen aus wie eine Polin“, fügte er noch hinzu. Ich war perplex. „Nein, eigentlich bin ich eine waschechte Deutsche“, entgegnete ich. „Was ist das“, fragte er, und ich machte ein Gesicht, wie ein kaputtes Auto. „Nun, meine Mutter ist Bielefelderin und mein Vater kommt aus Münster. Und wenn ich recht überlege, stammt meine Oma aus Ostpreußen“, antwortete ich geduldig. „Sehen sie“, triumphierte er, „dann hatte ich recht. Sie sind eine Polin!“

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