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18.04.2013

Buch zum beginnenden Kirchenkampf im Bethel-Verlag


Friedrich von Bodelschwingh auf dem Weg zu seinem ersten Gottesdienst als neugewählter Reichsbischof in der Zionskirche in Berlin, Pfingsten 1933, begleitet von den preußischen Generalsuperintendenten D. Ernst Vits (l.), Sprengel Neumark-Niederlausitz, und D. Emil Karow (r.), Sprengel Berlin-Stadt. Hinter Bodelschwingh die Theologen Martin Niemöller und Gerhard Stratenwerth (r.) Foto: Hauptarchiv Bethel

Friedrich von Bodelschwingh als Reichsbischof

Bielefeld-Bethel. Für gut vier Wochen stand Friedrich von Bodelschwingh d.J. im Frühsommer 1933 an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er war in das neue Amt des Reichsbischofs gewählt worden (neben seiner Leitungsaufgabe in Bethel). Nach wenigen Wochen war dem Betheler Anstaltsleiter aber klar, dass er in diesem Amt nicht frei und eigenständig für seine Kirche eintreten konnte. Die Nationalsozialisten verstärkten ihre Bemühungen die evangelische Kirche gleichzuschalten und Bodelschwingh gab das Kirchen-Amt wieder auf. Sehr schnell stellten die regimetreuen Deutschen Christen den Kirchenführer. Dazu ist jetzt im Bethel-Verlag eine interessante Darstellung erschienen.

Carsten Nicolaisen, Thomas Schneider (Hg.): Friedrich von Bodelschwingh. Dreißig Tage an einer Wegwende deutscher Kirchengeschichte. Erinnerungen des ersten Reichsbischofs.              Bethel-Verlag, Bielefeld 2013. 95 Seiten. 12,80 Euro. ISBN 978-3-935972-37-6

„Dreißig Tage an einer Wegwende deutscher Kirchengeschichte“ überschrieb der 58jährige Friedrich von Bodelschwingh  ein von ihm gefertigtes 35seitiges Stenogramm. Diesen Text hatte  er im Oktober 1935 während eines längeren Kuraufenthalts in einem Sanatorium im bayerischen Ebenhausen verfasst. Aus seiner Erinnerung beschreibt er die ereignisreichen und spannungsgeladenen Wochen im Mai und Juni 1933. Es ging um die künftige evangelische Kirchenführung unter den neuen politischen Verhältnissen in Deutschland.

„Bodelschwinghs Aufzeichnungen, bei denen er sich neben seiner Erinnerung auf zeitgenössische Dokumente stützte, sind ein authentisches Zeugnis des beginnenden ‚Kirchenkampfes‘ in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie werden hier zum ersten Mal in voller Länge veröffentlicht.“, schreiben die beiden Herausgeber Carsten Nicolaisen und Thomas Schneider im Vorwort zu Ihrem Buch. „In diesen Wochen brachen innerhalb der evangelischen Kirche tief gehende theologische und persönliche Auseinandersetzungen auf, in denen Bodelschwingh zu einer Schlüsselfigur wurde, weil die Führer der evangelischen Landeskirchen sich gezwungen sahen, sich zwischen ihm und dem Nationalsozialisten und führenden Mitglied der ‚Deutschen Christen‘ Ludwig Müller als Kandidaten für das Reichsbischofsamt zu entscheiden…“.

Prof. Dr. Carsten Nicolaisen, Honorarprofessor für Kirchengeschichte an der Universität München, und Prof. Dr. Thomas Schneider, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Koblenz-Landau, haben in dem neuen Buch den Text Bodelschwinghs in die Zeit- und Kirchengeschichte eingeordnet. Sie ermöglichen dem Leser mit zahlreichen Erklärungen und ergänzenden Texten ein tieferes Verständnis der damaligen Entwicklung und haben aussagekräftige Dokumente angefügt. Im Mittelpunkt der neuen Veröffentlichung steht aber der Text Bodelschwinghs. Das zugrundeliegende Bodelschwingh-Stenogramm wird im Hauptarchiv Bethel aufbewahrt. Es wurde von einem Mitarbeiter vermutlich Ende der 1930-Jahre erfasst und liegt jetzt erstmals gedruckt vor.


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