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16.10.2018

Deutsche Gesellschaft für Neuropsychologie in Bethel


Kongresspräsidententeam mit dem Gastredner aus München: v. links Kristina Henning-Fast, Hans Förstl und Thomas Beblo Foto: Cornelia Schulze

Brückenbauer zwischen Gehirn und Psyche

Bielefeld-Bethel. Rund 460 Neuropsychologen trafen sich jetzt zu ihrer Jahrestagung in Bethel, um die neuesten wissenschaftlichen und klinischen Erkenntnisse auszutauschen.

Dass hinter dem MoCA–Test keine Verkostung von speziellem Kaffee steckt, ist auf breiter Basis spätestens seit Januar dieses Jahres bekannt. Denn zu diesem Zeitpunkt hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump den MoCA-Test, der helfen soll, geistige Fitness zu diagnostizieren, absolviert. Sein gutes Ergebnis, das ihm bescheinigte einwandfrei zu ticken, twitterte er direkt in die Welt. „Der Montreal Cognitive Assessment-Test ist international anerkannt und wird in der Neuropsychologie als ein Puzzleteil für eine umfassende Diagnose eingesetzt“, erklärte Professor Dr. Hans Förstl, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München, der als Gastredner die mehrtägige Jahrestagung der Gesellschaft für Neuropsychologie in Bielefeld-Bethel eröffnete. Die provozierende Überschrift seines Vortrages „Geisteskranke Staatslenker - Von MoCA zu Coma (einem Bewertungsschema für Bewusstseins- und Hirnfunktionsstörungen nach einem Unfall) machte neugierig. „Donald Trump ist ein Jugendlicher mit 71 Jahren, denn er wächst noch. In der Zeit zwischen 2016 und 2018 ist die offizielle Angabe seiner Größe um einige Zentimeter nach oben gewandert. Clever, denn so ist bei der Berechnung des Body Maß Indexes aus dem übergewichtigen Präsidenten kein adipöser geworden.“ Ein Beispiel von vielen, die Förstl aus der Geschichte und der Gegenwart zusammengetragen hatte, um deutlich zu machen, dass Staatslenker sich die Welt so schnitzen, wie sie ihnen gefällt und sich über Recht und ihre eigene Realität selbstherrlich hinwegsetzen.

Unter der Leitung der Kongresspräsidenten Privatdozentin Dr. Kristina Henning-Fast und Professor Dr. Thomas Beblo von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) widmeten sich die Tagungsteilnehmer dem Oberthema Schnittstellen zwischen der Neuropsychologie und psychischen Störungen in Psychiatrie, Neurologie und Epileptologie. „Konkret beschäftigt sich die Neuropsychologie als Teilgebiet der Psychologie mit der Beziehung zwischen psychischen Prozessen und dem Gehirn“, beschreibt Prof. Dr. Beblo das Arbeitsfeld der Neuropsychologie. Insbesondere würden kognitive Funktionen, zum Beispiel Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie emotionale Veränderungen bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen untersucht, so Thomas Beblo.

Klinische Neuropsychologen und Neuropsychologinnen stellen solche krankheitsbedingten Veränderungen fest, inklusive ihrer Bedeutung für das soziale und berufliche Leben der Betroffenen, und behandeln sie. Auf der Tagung wurden auch aktuelle Forschungsprojekte der Forschungsabteilung der psychiatrischen Klinik in Bethel vorgestellt. So betonte etwa Lorenz Dehn in seinem Vortrag, dass die Gedächtnisstörungen depressiver Patienten möglicherweise viel dramatischer sind, als die Ergebnisse in Gedächtnistests nahelegen. Philipp Schulz stellte einen in der psychiatrischen Klinik entwickelten Fragebogen vor, mit dem fahrtauglichkeitsrelevante Risiken von Senioren quantifiziert werden können und der somit eine sehr gute Beratungsgrundlage für die Betroffenen bilden kann. Die Tagung wurde von Organisatoren und Teilnehmern als großer Erfolg erlebt.


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