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30.08.2011

Diätassistentenschule im EvKB gibt Kochkurse


Köstlich – Matthias Wagner probiert die Kartoffelsuppe. Schülerin Beate Fliegner freut sich, dass es ihm schmeckt.

Diesmal verderben viele Köche nicht den Brei. Andrea Niemann, Schülerin Andrea Arnold, stellvertretender Schulleiter Michael Hilker, Angelika Weiß und Katrin Weiß (v.l.) haben Hackfleisch-Möhren-Bolognese zubereitet und als Nachspeise Tiramisu.

Heiße Tipps für schönes Aussehen: Die Dessertteller werden mit einem Spiegel aus Waldfruchtsauce verziert. Fotos: Reinhard Elbracht

Alarm im Darm bei Fruchtzuckerunverträglichkeit

Bielefeld. Wenn der Darm nach dem Essen verrücktspielt, der Magen drückt und sich der Bauch schmerzhaft aufbläht, ist an eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zu denken. Auslöser können Bestandteile im Getreide, Eiweiße oder auch Zucker sein. Jeder fünfte Deutsche kann mittlerweile Fruchtzucker, der im Obst vorkommt, nicht vertragen. Wie man ihn meidet und trotzdem ausgewogen isst, lernten jetzt 16 Betroffene in einem Kochkurs, den Diätassistentenschülerinnen im Ev. Krankenhaus Bielefeld gegeben haben.

Die Muffins sind fertig. Vom Backofen zieht ein verlockender Duft durch die Lehrküche auf dem Gelände des Johannesstifts in Bielefeld-Schildesche. Aufs Appetitlichste verbindet er sich mit all den anderen Aromen von Marmelade über Bratfisch bis hin zur Kartoffelsuppe. „Denken Sie bitte daran, dass wir um 19 Uhr fertig sein wollen“, ruft eine Schülerin den Kochkurs-Teilnehmenden zu. Sie muss laut sprechen, um das Geklapper der Schüsseln und die Gespräche an den sechs Küchenherden zu übertönen. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Die Speisen braten, backen oder kochen, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen die Pause, um mit einem Löffel bewaffnet, bei den anderen Gruppen in die Töpfe zu schauen.

Probieren ist erlaubt und tut nicht weh – zumindest in diesem Kochkurs nicht. Denn die 13 angehenden Diätassistentinnen – ein junger Mann ist auch dabei – haben die Rezepte so zusammengestellt, dass sie für Menschen mit Fructose-Intoleranz garantiert verträglich sind. „Ich hatte nach dem Essen ganz oft starke Schmerzen und einen extrem aufgeblähten Bauch“, berichtet Angelika Weiß. Bei der Teilnehmerin  wurde vor fünf Jahren eine Unverträglichkeit gegen Fructose diagnostiziert. Endlich war klar, woher ihre Beschwerden kamen.

Fructose, der Fruchtzucker, kommt zum Beispiel in Obst, Honig und im herkömmlichen Haushaltszucker in großen Mengen vor. Bei Menschen mit einer Fructose-Intoleranz wird der Zucker nicht vollständig im Dünndarm verdaut, so wie es sein müsste. Er wandert stattdessen weiter in den Dickdarm. Dort wird die Fructose von Bakterien gespalten. Die dabei anfallenden Abbauprodukte führen zu Durchfall, Völlegefühl und kolikartigen Schmerzen.

Vor diesem Hintergrund wundert es, dass in dem Kochkurs für Menschen mit Fructose-Intoleranz Beerenobstkonfitüre auf dem Speiseplan steht. „Beeren enthalten wenig Fruchtzucker. Sie werden in der Regel gut vertragen“, setzt der stellvertretende Leiter der Schule für Diätassistenten, Michael Hilker, die Betroffenen in Kenntnis. „Es ist nicht so, dass Patienten mit Fructose-Intoleranz gar keinen Fruchtzucker vertragen. Auf die Menge kommt es an“, so Michael Hilker. Allerdings sollte auf Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Pflaumen grundsätzlich verzichtet  werden. „Neben Fruchtzucker enthalten diese Obstsorten Sorbit. Sorbit verstärkt die Beschwerden, weil er die Aufnahme von Fructose im Dünndarm zusätzlich hemmt.“ Mit Sorbit sind übrigens fast alle Diät-Limonaden im Supermarkt gesüßt.

Im Kochkurs des Ev. Krankenhauses Bielefeld kümmern sich 13 Schülerinnen um 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei diesem Verhältnis bekommen die Lernenden ganz viel Aufmerksamkeit und erhalten ganz nebenbei praktische Tipps zu Geräten, Garweisen und Gewürzen. „Es ist heute sehr schwül, und  deshalb wurde die Schlagsahne nicht steif“, berichtet Rita Hartung, während sie sich um den Nachtisch kümmert. „Da hat der Chef die Sahneschläger und den Becher einfach für ein paar Minuten ins Eisfach gelegt. Gewusst wie!“, freut sich die Kursteilnehmerin, die mit Genuss einen Teelöffel mit Tiramisu abschleckt. Die italienische Nachspeise wird im Kochkurs-Rezept mit Traubenzucker gesüßt. Das können die Betroffenen gut vertragen.

„Natürlich kann ich alles über Fructose-Intoleranz auch in Büchern nachlesen. Viel besser ist es aber, in der Praxis zu lernen. Was ich an den drei Abenden hier in der Schule mitbekommen habe, kann man sich nicht selbst beibringen“, ist Andrea Niemann sicher. Die Teilnehmerin hatte in der Zeitung von dem Kurs erfahren und sich sofort angemeldet. Die Nachfrage ist groß, weil immer mehr Menschen Fruchtzucker nicht vertragen. Deshalb wird im März nächsten Jahres ein neuer Kurs angeboten.

Anmeldungen unter: Ev. Krankenhaus Bielefeld, Gesundheitsschulen im EvKB, Schule für Diätassistentinnen, Schildescher Straße 99, Bielefeld-Schildesche,  Tel: 0521/ 772-76811.


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