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03.07.2012

Diakonisse Paula Benscheid feiert 100. Geburtstag


Die Zeiten haben sich geändert: Diakonisse Paula Benscheid zeigt Fotos von früher auf ihrem digitalen Bilderrahmen, den sie von ihren Großneffen geschenkt bekommen hat.

Diakonisse Paula Benscheid; Fotos: Paul Schulz

„Eine Tür hatte sich geschlossen und eine andere Tür tat sich auf"

Bielefeld-Bethel. Die Diakonisse Paula Benscheid feiert am 7. Juli ihren 100. Geburtstag. Aufgewachsen ist sie in Halver im Sauerland. 1934 kam sie nach Bethel, trat in die Schwesternschaft Sarepta ein und machte eine Ausbildung als Krankenpflegerin. Die Diakonisse arbeitete in unterschiedlichen Bereichen in Bethel, im Krankenhaus Gilead und in Patmos, einer Einrichtung für Kinder mit Behinderung, bevor sie 1980 mit 68 Jahren in den Ruhestand ging. Heute lebt sie im Haus Abendfrieden. 

„Mir war nie der Gedanke gekommen, einmal Diakonisse zu werden“, erzählt Paula Benscheid. Das änderte sich als sie in Halver eine Handarbeitsschule besuchte, die von einer Diakonisse geführt wurde. Die Frauen freundeten sich an und verbrachten auch ihre Freizeit miteinander. Durch die Krankheit der Mutter kam Paula Benscheid mit der Pflege in Berührung und merkte, dass ihr diese Arbeit lag. „Der Arzt meiner Mutter sagte damals: «Ich hoffe, ich werde auch einmal so gut gepflegt.»“ Nach einem Besuch in Bethel stand für die junge Frau fest: Ich möchte Diakonisse werden. „Bethel hat mich beeindruckt und gefangen“, erinnert sie sich.

„Der Abschied von Zuhause ist mir als ein bestimmtes Bild in deutlicher Erinnerung: Ich stieg in den Zug und sah vom Fenster aus Mutter und die Diakonisse auf dem Bahnsteig stehen. In dem Moment kam aus dem Schornstein der Lokomotive eine große Rauchwolke, wirbelte den Schnee auf und vernebelte die zwei mir vertrauten Menschen. Da wusste ich: Eine Tür hatte sich geschlossen und eine andere Tür tat sich auf“. Anfangs hatte Paula Benscheid Angst vor Heimweh, aber „in den 78 Jahren in denen ich nun in Bethel lebe, hatte ich keinen Tag Heimweh“, erzählt sie, „als ich allerdings während meiner Ausbildung für einige Monate ins Krankenhaus in Hemer musste, habe ich Bethel vermisst.“

Ob sie in der heutigen Zeit noch einmal alles genauso machen würde, weiß sie nicht. „Die Zeiten haben sich geändert. Heute tun mir die jungen Schwestern oft leid. Es gibt nur noch Hetze und ständige Wechsel in der Pflege.“, so die Diakonisse. Früher wäre eine Schwester für die gleichen Patienten zuständig gewesen. Auf diese Weise lernte sie die Patienten und ihre Angehörigen kennen. Die Beziehung zu Menschen lag der Sarepta-Schwester schon immer besonders am Herzen. Auch in den 17 Jahren, in denen sie das Haus Patmos leitete. Sogar heute steht Paula Benscheid noch in Kontakt mit Eltern. „Ich bin ganz gerührt, wenn Eltern mich an meinem Geburtstag anrufen“, sagt die 100-Jährige, die sich bester Gesundheit erfreut. „Ich habe damals zu den Eltern der Kinder gesagt: «Sie geben uns das Kostbarste, was Sie haben, Ihr Kind und wir möchten Ihnen in Patmos auch etwas geben: Sie gehören nun zur Patmos-Familie».“ Viele Verbindungen seien nie abgerissen.

Die Diakonisse hat in den 100 Jahren viel erlebt und überlebt: Besonders schlimm, seien die Kriegsjahre gewesen. „Meine Kraft habe ich im Glauben gefunden“, erzählt sie. Aber in all dem Elend und der Not, habe Paula Benscheid auch viel Gemeinschaft erfahren: „Wir hungerten gemeinsam und teilten alles.“ Zurückblickend sagt die Sarepta-Schwester: „Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Es war eine wunderbare Führung und ich gehöre hierher nach Bethel.“

Diakonisse Paula Benscheid feiert ihren Geburtstag im Kreise der Familie, die sie in Bethel besucht. Um 10 Uhr findet ein Gottesdienst in der Kapelle des Hauses Abendfrieden statt.


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