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07.05.2019

Dr. Henning Scherf beim Fachtag in Bethel


Dr. Henning Scherf (l.) freute sich über die Einladung zum Fachtag von Diakonisse Anke Frickmann und Wilfried Wesemann. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen am Fachtag Altenhilfe in der Neuen Schmiede teil. „Man muss der Vereinsamung entgegenwirken“, fordert Dr. Henning Scherf. Fotos: Paul Schulz

Für ein Miteinander der Generationen

Bielefeld-Bethel. „In der Mitte der Gesellschaft alt werden – das wünsche ich mir“, betonte Dr. Henning Scherf in seinem Impulsvortrag gestern in der Neuen Schmiede in Bielefeld-Bethel. Der Buchautor und ehemalige Bremer Bürgermeister plädierte beim Fachtag Altenhilfe der Stiftungen Sarepta und Nazareth für ein Miteinander der Generationen. „Früher war es auf dem Land selbstverständlich, dass mehrere Generationen zusammenlebten. Auch die älteren Menschen hatten bis zuletzt Aufgaben“, erzählte der 80-Jährige. Heute sei das die Ausnahme. „Es gibt so viele Singlehaushalte. Die Einsamkeit wird immer größer“, kritisierte der ehemalige Politiker.

Dr. Henning Scherf und seine Frau haben nach dem Auszug ihrer drei Kinder Ende der 1980er-Jahre mit Freunden eine Wohngemeinschaft in Bremen gegründet und leben seither in einem Mehrgenerationenhaus mit 10 Personen – ein Modell für das der Autor gerne Werbung macht. Sich aufeinander verlassen können und auch in schwierigen Zeiten füreinander da zu sein, das zeichne für ihn diese Wohngemeinschaft aus. „Ich bin fest davon überzeugt, dass man der Vereinsamung entgegenwirken muss“, forderte er. Es gebe genug Anlässe und Möglichkeiten, sich selber für eine sorgende Gemeinschaft einzusetzen. So nannte er Beispiele aus seinem eigenen Familien- oder Bekanntenkreis – ob die Aufnahme von Pflegekindern oder das Engagement für eine Flüchtlingsfamilie.

Henning Scherf unterstützt Projekte, die Begegnungen schaffen. Besonders am Herzen liegen ihm das Miteinander von Alt und Jung. „Das hat Vorteile für alle Seiten: Die Älteren haben Zeit und fühlen sich gebraucht“, erläuterte der Bremer. Wie wichtig gerade Letzteres für ein erfülltes Leben im hohen Alter ist, belegte Dr. Henning Scherf mit einer Studie des Max-Planck-Instituts. Weltweit wurden die Lebensumstände von 481 Menschen, die 110 Jahre oder älter waren, erforscht und zwei Verbindungen festgestellt: Jeder Befragte lebte mit anderen Menschen zusammen und alle hatten Aufgaben.

Was einen glücklich macht und alt werden lässt, sind die Netzwerke, die einen tragen, ist Dr. Henning Scherf überzeugt. „Das sieht man besonders an den Diakonissen: Ich habe das Gefühl, sie werden alle über 100 Jahre alt“, sagte der Redner schmunzelnd, der 1957 als 17-Jähriger ein Ferienpraktikum in Bethel machte. Der Fachtag war der Abschluss der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Stiftung Sarepta. „Ich bewundere, dass sie den Wandel geschafft haben“, lobte der Autor. Verschiedene Generationen in unterschiedlichen Lebensformen – verheiratet, ledig, in Partnerschaft lebend, mit und ohne Kinder – verbindet die Schwesternschaft heute und macht Sarepta zu einer tragenden Gemeinschaft, bestätigte die Leitende Schwester Diakonisse Anke Frickmann.

Wilfried Wesemann aus der Direktion der Stiftungen Sarepta und Nazareth bedankte sich bei Henning Scherf für die werteorientierte Betrachtung des Generationenvertrages, der häufig nur auf demografische Zahlen und ökonomische Fragen reduziert werde. „Der Vortrag hat Mut gemacht für eine solidarische Gesellschaft“, unterstrich er. 


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