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30.07.2010

Ehrenamtliche Gartenarbeit im Hospiz Haus Zuversicht


Christine Michel, Horst Schröder und Heidi Janson (v.l.) pflegen den Garten der Erinnerung.

Zwischen Steinen, Herzen und Figuren - Horst Schröder arbeitet inmitten liebevoller Erinnerungen. Fotos: Reinhard Elbracht

In jedem Beet stecken Erinnerungen 

Bielefeld-Bethel. Es ist nicht so, dass es Christine Michel langweilig wäre. In ihrem Garten hat sie alle Hände voll zu tun. „Gartenarbeit ist mein Hobby“, verrät die 67-Jährige. Und weil sie nicht tatenlos zusehen wollte, wie der Garten des stationären Hospizes „Haus Zuversicht“ in Bielefeld-Bethel verwildert, stellte sie sich kurzerhand als ehrenamtliche Kraft zur Verfügung. 

Ein Terracottaherz im Blumenbeet, Porzellanfigürchen vor einer Staude und Maiglöckchen am Waldesrand - im Garten des Hospizes „Haus Zuversicht“ haben Angehörige und Freunde Blumen gepflanzt und liebevolle Andenken hinterlegt, um an die Menschen zu erinnern, die in der Einrichtung verstorben sind. „Der Garten hat für viele Besucher eine ganz besondere Bedeutung. Deshalb muss man ihn wertschätzen und gut pflegen“, betont Christine Michel, die zusammen mit zwei weiteren ehrenamtlichen Kräften dafür sorgt, dass dieser Flecken Erde ein Ort zum Wohlfühlen und Verweilen bleibt.  

Im Hospiz werden sterbenskranke Patienten – sie werden Gäste genannt – respektvoll und mit großer Fachlichkeit bis zu ihrem Tod begleitet. „Die tiefe Verbundenheit mit der Hospizidee, Menschen am Lebensende Lebensfreude zu schenken, ist die Grundlage unseres ehrenamtlichen Engagements“, sagt Christine Michel, die mindestens ein Mal die Woche für mehrere Stunden im Garten arbeitet und manchmal darüber mit den Gästen ins Gespräch kommt.  

Christine Michel hat das Haus Zuversicht in Bethel 1999 kennen gelernt. Damals verbrachte ihre betagte Tante die letzte Phase ihres Lebens im Hospiz. „Sie war eine verschlossene Frau, die zurückgezogen lebte. Umso erstaunlicher war es, dass sie sich im Hospiz öffnen konnte und dadurch noch gute Momente erlebte, bis sie am zweiten Weihnachtstag starb.“ Dem Hospiz blieb sie seitdem verbunden. 

Hecken schneiden, Unkraut zupfen, Kübel anpflanzen - Christine Michel ist seit neun Jahren dabei. Ihre Freundin Heidi Janson gesellte sich vor vier Jahren dazu, und seit einem Jahr ist Horst Schröder mit im Team. „Wenn man angefangen hat, an diesem Ort zu arbeiten und ihn mitzugestalten, lässt es einen nicht mehr los. Ich kann mich voll und ganz mit der Aufgabe identifizieren“, so der 61-Jährige Horst Schröder. Nirgendwo sonst sind Leben und Tod, Wachsen und Vergehen so eng miteinander verbunden wie im Garten eines Hospizes. 

Die drei ehrenamtlichen Gärtner sind sich nicht nur über die Gestaltung des Gartens einig, sie sind sich auch menschlich näher gekommen. Hin und wieder verabreden sie sich, um auf der Hospizterrasse Kaffee zu trinken. „Dann unterhalten wir uns, schauen in den Garten, fangen an, über den Garten zu reden, und über kurz oder lang stehen wir auch schon wieder in den Beeten. “ Heidi Janson amüsiert sich darüber, dass sie es noch nie geschafft haben, Harken und Rechen im Schuppen zu lassen.   

Die ehrenamtlichen Gartenfreunde sind mit viel Herzblut bei der Sache. Und zu tun gibt es immer etwas. „Wir müssen nicht hier arbeiten. Wir wollen das“, stellt Horst Schröder klar. Und Christine Michel kann sich gar nicht vorstellen, einmal aufhören zu müssen. „Dann würde mir etwas fehlen. Ich mache weiter, solange es geht.“ Das Gartenteam könne noch Unterstützung gebrauchen, betont sie. „Das ist eine erfüllende Aufgabe, die sehr viel Spaß macht.“


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