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08.03.2018

Erste Ergebnisse aus dem Projekt „Klinik inklusiv“


Diakonin Prof. Dr. Doris Tacke (l.) und Petra Ott-Ordelheide berichteten jetzt gemeinsam mit ihren Projektteams von den ersten Erfahrungen und Forschungsergebnissen. Foto: Paul Schulz

Mehr Vertrauen und weniger Unsicherheit

Bielefeld-Bethel. Oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die für Menschen mit komplexen Behinderungen aber eine große Rolle spielen, um sich im Alltag sicher und geborgen zu fühlen. Das können Rituale sein, wie der tägliche Schokokuss nach der Abendpflege. Es können aber auch vertraute Gegenstände sein, wie ein Teddybär, der niemals aus der Hand gegeben wird. Besonders bei Krankenhausaufenthalten müssen solche Gewohnheiten respektiert werden. Das zeigen erste Erkenntnisse aus dem Projekt „Klinik inklusiv“.
Die Fachhochschule der Diakonie in Bethel führt die Praxisstudie gemeinsam mit dem Ev. Klinikum Bethel (EvKB) und dem Krankenhaus Mara seit April 2016 durch. In dem dreijährigen Forschungsprojekt zur bedürfnisorientierten Versorgung von Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen im Krankenhaus wird erprobt, inwieweit Pflegeexperten durch „prästationäre Besuche“ Krankenhausaufenthalte besser vorbereiten können. Nun wurden erste Zwischenergebnisse im Krankenhaus Mara vorgestellt.
Die Pflegeexpertinnen Angela Prüfer und Susanne Just haben bereits 29 Patienten vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt in ihrem vertrauten Umfeld besucht, überwiegend in Betheler Wohneinrichtungen. Dort ermittelten sie die Gewohnheiten der Patienten, ihre besonderen Ängste, ihren Bedarf an Hilfsmitteln und ihre Kommunikationsmöglichkeiten. So fanden sie zum Beispiel heraus, ob jemand keine körperliche Nähe mag, auf welche Anrede er reagiert oder in welchen Situationen besonders viel Stress entsteht. „Solche Erkenntnisse sind für die Mitarbeiter im Krankenhaus und ihren Umgang mit den behinderten Patienten wichtig“, erzählte Susanne Just.
Die bislang besuchten Patienten waren überwiegend im Krankenhaus Mara zur Behandlung. Durch die individuelle Vorbereitung hätten viele weniger Unsicherheit während ihres Aufenthaltes empfunden, berichtete Petra Ott-Ordelheide von der Pflegeentwicklung im Krankenhaus Mara. Die Patienten ließen sich eher auf eine Behandlung ein, wenn ihre Grenzen geachtet wurden. „Mit den prästationären Besuchen nehmen wir den Patienten nachweislich bereits vor ihrem Aufenthalt viele Ängste“, sagte auch Projektleiterin Prof. Dr. Doris Tacke. Dadurch werde ihre Versorgung erleichtert und verbessert.
Mittlerweile läuft die zweite Projektphase in der vor allem Patienten vor ihrer Behandlung in der Klinik für Neurochirurgie des EvKB besucht werden. Die gesammelten Daten werden von der FH der Diakonie ausgewertet. Im März 2019 wird das von der Stiftung Wohlfahrtspflege geförderte Projekt abgeschlossen.


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