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05.07.2018

Erstes Lehrbuch zum Thema „Migration und Teilhabe“ erschienen


Ihr Buch mit „starkem Aufforderungscharakter“ präsentieren (v. l.) Prof. Dr. Thomas Zippert, Prof. Dr. Alla Koval und Prof. Dr. Frank Dieckbreder. Fotos: Paul Schulz

Ein „lebendes“ Buch – verknüpft mit einem Leser-Pakt

Bielefeld-Bethel. Seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 wird in den Medien eifrig über politische Ursachen und Lösungen debattiert. Drei Professoren der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld-Bethel haben nun eine Berufsgruppe unter die Lupe genommen, die öffentlich kaum wahrgenommen wird, alltäglich aber wesentlich mit der Bewältigung der Krise konfrontiert ist: die Sozialarbeiter. Ihre Erkenntnisse haben sie jetzt in dem bundesweit ersten Lehrbuch zum Thema „Migration und Teilhabe“ veröffentlicht. Die Autoren profitierten teilweise von der fachhochschulischen Nähe zu berufstätigen Sozialarbeitern.

Prof. Dr. Alla Koval, die die Idee zu dem Buch hatte, sowie Prof. Dr. Frank Dieckbreder und Prof. Dr. Thomas Zippert beschreiben, zwischen welche Stühle Sozialarbeiter bei ihren Bemühungen geraten, Migranten und Flüchtlingen eine Teilhabe in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Dabei ist ihnen aufgefallen, wie hilflos diese im Umgang mit geflüchteten Menschen waren und sind – zum Beispiel, weil ihnen bislang hilfreiche Konzepte für ihre praktische Arbeit fehlen. Vor allem aber, weil die organisatorischen Rahmenbedingungen schwierig sind.

Prof. Dr. Frank Dieckbreder nennt ein Beispiel: Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sei wegen ihres Alters die Jugendhilfe zuständig – mit allen ihren üblichen Arbeitsmethoden. „Aber junge Menschen, die mehrere Jahre auf der Flucht waren, die die Hinrichtung ihrer Eltern in ihrer Erinnerung mit sich tragen, als Kindersoldaten vom Islamischen Staat eingesetzt wurden, sind keine ‚gewöhnlichen‘ Jugendhilfe-Klienten“, so Prof. Dieckbreder. Das sorge dafür, dass sogar gestandene Jugendhelfer mit dem Umgang überfordert seien.

Die Autoren beleuchten das Thema „Migration und Teilhabe“ aus unterschiedlichen Perspektiven – zum Beispiel aus Sicht der Ökonomie, der Politik und der Bildung. Sie geben Antworten auf die Fragen: Welchen Einfluss haben Fremdheit und Diskriminierung auf die Soziale Arbeit? Welche Rolle spielen organisatorische Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Teilhabe? Und welchen Blick auf die Dinge erhält man, wenn man die Geschichte der Migration in Deutschland berücksichtigt?

Die Professoren haben das Buch vorrangig als Lehrbuch für Studierende der Sozialen Arbeit entwickelt. Es sei aber auch ein hilfreicher Handlungsleitfaden für praktizierende Sozialarbeiter, betonen sie. Und es sei ein „lebendes“ Buch mit starkem Aufforderungscharakter. Die Lesenden seien eingeladen, die Ideen und Methoden der Autoren weiterzudenken. Prof. Dr. Frank Dieckbreder: „Sie schließen mit uns einen Pakt: Wir wollen gemeinsam die Teilhabe-Arbeit verbessern, um handlungsfähig zu sein.“

Das Buch ist jetzt im Handel erhältlich: Alla Koval, Frank Dieckbreder, Thomas Zippert. Migration und Teilhabe – Begriffe, Grundlagen, Praxisrelevanz. Vandenhoeck & Ruprecht Verlage, Göttingen 2018. 180 Seiten, 25 Euro. ISBN: 978-3-525-70255-0.

Prof. Dr. Alla Koval lehrt Methoden, Forschung und Migration in der Sozialen Arbeit.

Prof. Dr. Frank Dieckbreder lehrt Theorie, Geschichte und Organisation sozialraumorientierter Sozialer Arbeit.

Prof. Dr. Thomas Zippert lehrt Diakoniewissenschaft.


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