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05.04.2011

EvKB-Team operierte in Nairobi schwer kranke Menschen


Auslandseinsatz in Nairobi: Dr. Carsten Israel (2. v. l.), Christina Schäfer (5. v. l.) und Silke Fuhrmann (4. v. r.) schulten die Mitarbeitenden im Kenyatta National Hospital.

32 Herzschrittmacher in Kenia implantiert 

Nairobi/Bielefeld-Bethel. Für einen 13-jährigen Massai in Kenia hat mit dem Besuch eines Ärzteteams aus Bethel ein neues Leben begonnen. Der Jugendliche, der an einem angeborenen Herzfehler leidet, kam in das Kenyatta National Hospital in Nairobi. Dort implantierte ihm Dr. Carsten Israel, Chefarzt der Kardiologie im Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB), einen Herzschrittmacher.  

„Der Massai war einer von insgesamt 32 Patienten mit einer Herzschwäche, die wir innerhalb von zehn Tagen in der einzigen Universitäts-Klinik in Kenia operiert haben“, berichtete jetzt Dr. Israel. Er wurde in Afrika von Intensivschwester Silke Fuhrmann und Christina Schäfer, medizinisch-technische Assistentin im Katheterlabor, begleitet und unterstützt. 

„Der Massai ist mit einem Puls von 33 zu uns gekommen. Wir hatten es durch die Bank mit Menschen zu tun, die in Deutschland Notfallpatienten wären. Alle hatten einen dreißiger Puls. Wenn jemand in Deutschland die Diagnose ‚Bradykardie’, eine Herzschwäche-Form, bekommt, wird das Problem meistens ein zwei Tage später mit einem Schrittmacher behoben“, sagt Dr. Carsten Israel. 

Der verantwortliche Arzt im Kenyatta National Hospital hatte einen ganzen Stapel Akten betroffener Patienten auf seinem Schreibtisch angesammelt. „In dem öffentlichen Krankenhaus – mit 2 500 Betten übrigens das größte in Ostafrika – gibt es zwar eine Herzchirurgie und es ist im Prinzip auch alles an Ausstattung vorhanden, allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Daher wagen sich die Ärzte an bestimmte Eingriffe nicht heran“, berichtet Carsten Israel. Hinzu kämen die hohen Kosten für die Patienten.  

Etwa 5.000 Dollar kostet der Eingriff in Kenia – deutlich mehr als ein durchschnittliches Jahreseinkommen, „und das drei- bis vierfache, was die Implantation in Deutschland kosten würde“, weiß Carsten Israel. Die Menschen fahren teilweise 400 Kilometer nach Nairobi für ein EKG. „Zwei Patienten hatten wegen der Fahrtkosten die geplante Implantation abgesagt. Wir konnten sie telefonisch nicht erreichen, sonst hätten wir ihnen bestimmt die Anreise ermöglicht“, berichtet der Kardiologie-Chefarzt. 

Dr. Carsten Israel war bereits zum dritten Mal in Nairobi. Seine Frau Elizabeth ist Kenianerin, und so lernte er die Zustände dort kennen. Bei seinem vergangenen Aufenthalt im Winter 2009 hatte er bereits 13 Herzschrittmacher implantiert, die er von der Herstellerfirma gesponsert bekommt.  

In diesem Jahr will das EvKB-Team erneut nach Kenia, voraussichtlich Ende Juli. Christina Schäfer und Silke Fuhrmann hat der Aufenthalt so sehr beeindruckt, dass sie unbedingt wieder dabei sein wollen. „Das war eine wertvolle Erfahrung für mich, und es war schön, die Dankbarkeit dieser Menschen zu erleben“, sagt Christina Schäfer. 

So gut es ging, hat das Team aus Bielefeld-Bethel die Mitarbeitenden im kenianischen Krankenhaus geschult und in die Eingriffe eingebunden, um auch nachhaltig in der kurzen Zeit etwas zu bewegen. „Über Sponsoren versuchen wir außerdem, zumindest jedes Distriktkrankenhaus mit einem EKG auszustatten und Fortbildungen anzustoßen“, so Carsten Israel.


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