v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
25.11.2009

Fachtagung der Jugendhilfe Bethel OWL


Neue Wege in der Behandlung und Nachsorge gehen (v. l.) die Geschäftsführer des Betheler Stiftungsbereichs Jugend und Beruf Diakon Siegfried Thiel und Ursula Veh-Weingarten sowie Monika Haase, Erziehungsleiterin der Jugendhilfe Bethel OWL, und Michael Walde. Foto: Paul Schulz

Die Jugendhilfe als Nachsorge für junge Menschen mit Essstörungen stand im Mittelpunkt der Tagung im Assapheum mit rund 100 Teilnehmern. Foto: Paul Schulz

Neue Angebote für junge Menschen mit Essstörungen

Bielefeld-Bethel. Etwa 500 000 Mädchen und Frauen in Deutschland leiden an Bulimie, rund 150 000 sind nach Expertenschätzung magersüchtig.

Und die Zahl der jungen Menschen mit Essstörungen steigt. Die Therapieangebote sind bei weitem nicht ausreichend, kritisierten jetzt Fachleute auf einer Tagung der Jugendhilfe Bethel OWL im Assapheum in Bielefeld-Bethel.

Zu lange Wartezeiten bei den Therapeuten und schwierige Kostenverhandlungen für die Angehörigen bemängelte Michael Walde, Leiter der Jugendhilfe Bethel OWL. „Die Nachfrage an Unterstützung steigt enorm. Wir brauchen daher genügend, schnellere aber auch bessere und individuellere Hilfeangebote“, sagte Walde bei der Fachtagung „Jugendhilfe als Nachsorge für junge Menschen mit Essstörungen“.

Dr. Georg Ernst Jacoby, ehemaliger Chefarzt der Klinik Am Korso in Bad Oeynhausen, hob einerseits die Erfolge stationärer Behandlung hervor, kritisierte aber auch die mangelnde Nachsorge nach dem Klinikaufenthalt. „Wenn eine junge Patientin wieder zu Hause ist, geht es oft nicht weiter. Sie muss viel zu lange nach einem ambulanten Therapeuten suchen, der sie zu Hause bei der wichtigen Nachsorge unterstützt“, so Jacoby. 

Ausdrücklich unterstützt Jacoby betreute Wohnangebote und „therapeutisches Wohnen“ als Nachsorgemodelle. Sie seien für eine große Gruppe von Menschen mit Essstörungen wichtig, damit sie die seelische und körperliche Gesundung nach einer stationären Behandlung „mitnehmen können“ und das „zarte Pflänzchen des therapeutischen Erfolges weiter gedeihen kann“. Beim therapeutischen Wohnen lernten sie ein normales Essverhalten, sagte der ehemalige Klinik-Leiter den rund 100 Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern.

Bisher findet die Nachsorge von Menschen mit Essstörungen in Deutschland überwiegend in Reha-Kliniken statt. Die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel haben ein alternatives Angebot innerhalb des Stiftungsbereichs Jugend und Beruf entwickelt. „Unsere Jugendhilfe ist als Nachfolge des klinischen Bereichs erfolgreich und wir gehören zu den ersten, die Wohngruppen-Angebote für junge Menschen mit Essstörungen anbieten“, sagte Michael Walde.

Seit vier Jahren bietet Bethel pädagogische und therapeutische Unterstützung an. Um betroffenen jungen Menschen wieder ein eigenständiges Leben ohne Essstörungen zu ermöglichen, hilft die Jugendhilfe Bethel OWL ihnen mit einem differenzierten System aus unterschiedlich intensiv betreuten Wohnformen an.

Für viele beginnt die Unterstützung in den pädagogisch-therapeutischen Intensivwohngruppen „Neue Heimat 1 + 2“ in Bielefeld-Gadderbaum. In der Deckertstraße nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner an einen Therapieprogramm teil, das sich unter anderem aus Psycho-, Ernährungs-, Sozial- und Körpertherapie zusammensetzt. In der „Neuen Heimat“ geht es zunächst darum Verantwortung für ein eigenständiges Leben außerhalb der Wohngruppe ohne Essstörung zu übernehmen, und um das Entwickeln einer eigenen Identität und stabilen Persönlichkeit.

Im Anschluss an die Intensivwohngruppen wechseln die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die Wohngruppe Am Zionswald – dem „Trainingshaus“. Hier bekommen sie keine „rund-um-die-Uhr-Betreuung“ mehr, sondern Betreuung nach Bedarf. Die bereits erreichten Ziele werden im Trainingshaus gefestigt. Alltägliche Dinge, bei denen sie noch Hilfe benötigen, rücken in den Vordergrund. Die pädagogische Unterstützung und die Therapien werden immer weiter reduziert und dem individuellen Bedarf angepasst.

Wenn die jungen Menschen nur noch einen geringen Hilfebedarf haben, werde sie in 2er Wohngruppen betreut oder in ihrer eigenen Wohnung oder in der Familie ambulant unterstützt. Die Jugendhilfe Bethel OWL kooperiert bei ihren Angeboten mit dem Evangelischen Krankenhaus Bielefeld, niedergelassenen Psychotherapeuten und Ärzten sowie unterschiedlichen Fachkliniken und Psychiatrien.

Essstörungen sind vor allem eine „weibliche Erkrankung“. Der Anteil der Frauen liegt bei rund 95 Prozent. Allerdings sagen alle Statistiken, dass die Nachfrage an Hilfeangeboten bei jungen Männern steigt und die Zahl der Betroffenen heute bei etwa fünf Prozent liegt. Neu ist daher ein vollstationäres Angebot der Jugendhilfe Bethel OWL für junge Männer mir Essstörungen in der „Neuen Heimat 1+2“.

Seit dem Sommer können Betroffene alternative oder zusätzliche Hilfeangebote der Jugendhilfe Bethel OWL wie die Online-Beratung über www.beranet.de nutzen. Hier können sie sich zweimal in der Woche per E-Mail von Experten beraten lassen. Über den Gruppen-Chat ist ein Austausch mit Bewohnerinnen und Bewohnern möglich. Bereits seit längerem können sich Menschen mit Essstörungen an die Betheler Erziehungsberatungsstelle wenden – immer mittwochs zwischen 14 und 15 Uhr über Telefon (0521) 32 966 20.

Download Pressebild

Download Pressebild


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel