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25.03.2010

Hochschultag im Assapheum


Die Herausforderungen für die internationale Diakonie standen im Mittelpunkt des Hochschultags.

Pfarrer Jorge Gerhard stellte Jugendarbeit-Projekte in Uruguay und Argentinien vor.

Den Hochschultag im Assapheum gestalteten (v. l.) Helmut Pestner von Brot für die Welt, Prof. Dr. Hilke Bertelsmann und VEM-Referentin Angelika Veddeler.

Internationale Diakonie in Bethel 

Bielefeld-Bethel. Uruguay, Namibia, Indien, Argentinien… Auf der ganzen Welt finden sich Beispiele dafür, wie die Diakonie den Herausforderungen der globalisierten Welt erfolgreich begegnet. Beim Hochschultag 2010 in Bielefeld-Bethel wurden jetzt künftige Strategien und Modelle der internationalen Diakonie diskutiert. Im Mittelpunkt der ganztätigen Veranstaltung im Assapheum standen aktuelle Projekte diakonischer Gesundheits- und Sozialarbeit. 

Die Fachhochschule der Diakonie (FHdD) veranstaltete den Hochschultag zusammen mit ihren Kooperationspartnern Brot für die Welt und der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). FHdD-Prorektorin Prof. Dr. Hilke Bertelsmann lenkte die Blicke der rund 140 Teilnehmenden nach Indien. Die Hochschultag-Organisatorin stellte das erfolgreiche Modell der Mikroversicherungen vor, die besonders der armen Landbevölkerung eine soziale Grundsicherung ermöglichen.  

In Indien fällt jeder vierte Krankenhauspatient durch die Behandlungskosten unter die Armutsgrenze. Die Sicherheit der Familien hängt ausschließlich von der eigenen Gesundheit und Arbeitskraft ab. Unfälle und Krankheiten gefährden ihre Existenz. Aufgrund der hohen Kosten haben viele arme Menschen keinen Zugang zu den sozialen Sicherungssystemen und den klassischen Versicherungsunternehmen. „Mit eigenen genossenschaftlichen Mikroversicherungen schaffen es kleinere Gemeinschaften, sich selbst zu versichern“, sagte Prof. Bertelsmann. 

Die Gesundheitswissenschaftlerin veranschaulichte das Mikroversicherungssystem am Beispiel eines kleinen indischen Dorfes, in dem alle Bewohner in einen Topf einzahlen. Aus ihm werden im Krankheitsfall eines Versicherungsnehmers die Behandlungskosten getragen. „Das ist eine gute Idee, um Gemeinschaften nachhaltig aus der Armut zu helfen. Und das Modell ist auch in anderen Ländern sehr gut anwendbar“, weiß die Prorektorin. 

Die Mikroversicherung war nur eines von vielen erfolgreichen Beispielen, die beim Hochschultag „Der Blick über den Tellerrand – internationale Diakonie“ vorgestellt und diskutiert wurden. Zu Gast war auch Jorge Gerhard, Pfarrer der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) – einer „Dreiländerkirche“, zu der Gemeinden in Uruguay, Argentinien und Paraguay hat. Jorge Gerhard ist Leiter der Diakonieabteilung am La Plata. Er stellte ein bereits etabliertes Projekt für die integrale Bildungsarbeit mit Jugendlichen vor, das von Brot für die Welt gefördert wird.  

In den Armenvierteln der Großstädte in Uruguay und Argentinien, insbesondere in Montevideo und Buenos Aires, hat die Ev. Kirche am La Plata kleine Zentren errichtet, die jeweils bis zu 20 armen Jugendlichen eine Alternative zur Straße bieten. Teams aus Erziehern, Sozialarbeiterin, Sozialpädagogen und freiwilligen Mitarbeitenden helfen ihnen, eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. „Diese Teenager sind aufgrund ihrer armen Verhältnisse durch das Schulsystem gefallen. Damit sie überhaupt wieder eine Chance haben, in das Bildungssystem zurückzukehren oder eine Arbeit zu finden, müssen wir sie von innen wieder aufbauen. Mit unseren Angeboten steigern wir ihr Selbstwertgefühl und assistieren ihnen in ihrem schwierigen Alltag“, erläuterte Jorge Gerhard.  

In Uruguay gehen rund 15 Prozent der Jugendlichen weder zur Schule, noch arbeiten sie; in Argentinien sind es fast genauso viele. In den Zentren der IERP-Kirche besuchen die Jugendlichen alternativen Schulunterricht und arbeiten in kleinen Werkstätten. Sie nehmen an berufsbildenden Kursen teil, zum Beispiel in den Gruppen Bäckerei, Schreinerwerkstatt oder Frisör. Auch Kurse für bildende Künste mit Theaterspiel, Glasgießen und Manga-Musik werden angeboten. Wichtig sind auch so genannte „Reflexionskurse“. „In unserer ‚Gruppe junger Frauen’ geht es um Gender, Sucht, Menschenrechte und integrale Gesundheit“, so Jorge Gerhard. In den Sport- und Freizeitangeboten lernen insbesondere die jungen Männer gewaltfrei miteinander umzugehen und gemeinsam demokratische Entscheidungen zu treffen.

 


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