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25.07.2012

Hochzeit im Ev. Krankenhaus Bielefeld


Dr. Florian Weißinger (r.) steht dem Ehepaar zur Seite. Foto: Paul Schulz

Brautstrauß auf der Krebsstation

Bielefeld-Bethel. Eine Hochzeit im Krankenhaus? Das war für das Klinikpersonal auch neu. Im Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) am Standort Johannesstift haben sich jetzt zwei Menschen das Ja-Wort gegeben. „Es ist das erste Mal in meiner Zeit als Chefarzt im EvKB, dass eine Hochzeit stattfindet“, so Dr. Florian Weißinger. Seit 2008 ist er Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im  EvKB. Einer seiner Patienten hätte schon lange den Wunsch gehabt, seine Partnerin zu heiraten. Aber aufgrund seiner schweren Krankheit sei eine Hochzeit außerhalb des Krankenhauses nicht möglich gewesen. Und so wurde die Trauung eben ins Krankenzimmer verlegt und eine Standesbeamtin der Stadt Bielefeld bestellt.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus haben das Zimmer vorbereitet und mit Blumen geschmückt. Alle haben sich viel Mühe gegeben, es war richtig rührend“, erzählt der Bräutigam, Rainer Neumann*. „Dank der vielen Helferinnen und Helfer war alles ganz unkompliziert.“ Sogar die Hochzeitsnacht hätte seine frisch angetraute Ehefrau bei ihm verbringen dürfen. Neben der Familie des Brautpaares waren auch Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegerinnen und Pfleger bei der Trauung dabei. Darüber habe sich Rainer Neumann besonders gefreut, denn mittlerweile verbinde den 64-Jährigen mit dem Krankenhauspersonal ein enges Verhältnis.

Das Ehepaar weiß, dass ihnen nicht mehr viel Zeit gemeinsam bleibt, denn der Bräutigam hat Krebs im Endstadium. Dennoch haben sie sich ganz bewusst dafür entschieden zu heiraten. „Wir sind seit 27 Jahren ein Paar und wollten schon lange heiraten, aber immer kam irgendetwas dazwischen“, erzählt der ehemalige Bankkaufmann. Jetzt hat ihn auch kein bösartiger Tumor davon abbringen können, seine langjährige Freundin endlich zu heiraten. „Meine Frau übernimmt nun meinen Namen und führt ihn weiter. Ich sehe das ganz traditionell.“

Rainer Neumann hat akzeptiert, dass er bald sterben wird. „Der Tod macht mir keine Angst, aber die Schmerzen. Ich habe panische Angst vor Schmerzen“, gibt er zu. „Mit den seelischen Schmerzen muss ich mich dann nach seinem Tod auseinandersetzen“, sagt die Ehefrau. Seit drei Wochen liegt Rainer Neumann auf der Station für Onkologie und Palliativmedizin. Aber wenn der gesundheitliche Zustand es zulässt, dann darf er vielleicht für ein paar Tage das Krankenhaus verlassen und nach Hause zu seiner Ehefrau.

*Name geändert


Dateien:
EvKB_JK_Onkologie_Trauung.jpg (644 KB)
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