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12.08.2010

KEH-Kinder- und Jugendpsychiatrie: Bundesweit einmalige Tagesgruppe eröffnet


Kinderpsychologin Dr. Nadja Rösler (l.) und Diplom-Sozialpädagogin Sandra Laube arbeiten bei der Therapie und Betreuung auffälliger Kinder und ihrer Eltern zusammen.

Die neue Tagesgruppe TAN.go hat ihren Standort in der Neustrelitzer Straße. Fotos: Gunnar Kreutner

„TAN.go“ vereint Jugendhilfe und Klinikbehandlung 

Berlin-Lichtenberg/Bielefeld-Bethel. Seit der achtjährige Leon zum ersten Mal durch die regenbogenfarbene Eingangstür in der Neustrelitzer Straße gegangen ist, hat sich der psychisch auffällige Junge immer mehr verändert. „Ruhiger und ausgeglichener ist er geworden“, freut sich sein Vater über die erfolgreiche Betreuung und Therapie in der neuen Tagesgruppe „TAN.go“ in Berlin-Lichtenberg. 

Seit drei Monaten besucht Leon mit seinen Eltern die Tagesgruppe für psychisch auffällige Kinder und ihre Familien, ein Angebot der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH). In „TAN.go“ werden Kinder betreut und therapiert, die nach ihrer Krankenhausentlassung weitere kontinuierliche Unterstützung benötigen und für die ambulante Hilfen als Anschlussmaßnahmen nicht ausreichen. 

Ende Mai wurde „TAN.go“ zunächst als zweijähriges Projekt gestartet. Nach einem Vierteljahr fällt die erste Zwischenbilanz positiv aus. „Das neue Angebot ermöglicht es uns, Kinder trägerübergreifend zu versorgen, die wegen der Schwere und Komplexität ihrer psychischen Störungen sowohl eine psychiatrische Krankenhausbehandlung als auch die Unterstützung der Jugendhilfe benötigen“, freut sich Dr. Rita May, seit 1. August Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie im KEH, das zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Hauptsitz in Bielefeld gehört. Das wichtigste Projektziel sei die Wiedereingliederung der Kinder in die Familie und in die Schule.  

Zurzeit nehmen sechs Kinder mit ihren Familien an dem Projekt teil. Die Tagesgruppe trifft sich werktags im zweiten Obergeschoss des Lichtenberger „Kinderhauses“. Ein multiprofessionelles Team aus Psychologen, Sozialpädagogen, Erziehern, Ärzten und Ergotherapeuten behandelt und betreut die Kinder. Die Eltern werden ebenfalls mit speziellen Angeboten unterstützt. „Wir üben mit ihnen den Umgang mit ihren Kindern im Alltag“, erläutert Dr. Rita May. Während die Kinder an individuellen Psychotherapien, Kindergruppen oder Ergotherapieeinheiten teilnehmen, besuchen ihre Eltern familientherapeutische Angebote, Elterngruppen oder führen Einzelgespräche mit den Experten. 

Der Name „TAN.go“ leitet sich ab von „Tagesgruppe als Netzwerk“, verknüpft mit dem englischen „go“ für Aufbruch. Die KEH-Abteilung für Psychiatrie,Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters hat das Projekt in Kooperation mit dem Jugendamt des Berliner Bezirks Lichtenberg, der AOK Berlin-Brandenburg und dem Verein Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg e. V. gestartet. Wenn das Projekt erfolgreich ist, wird die Tagesgruppe als festes Angebot mit zehn Plätzen eingerichtet.  

„TAN.go“ ist bundesweit die erste Tagesgruppe, die Jugendhilfe und Krankenhausbehandlung aus einer Hand anbietet. „Wegen der unterschiedlichen Kostenträger schien es lange eine unlösbare Aufgabe, die verschiedenen Angebote unter einem Dach anzubieten“, sagt Dr. May. Den therapeutischen Teil übernimmt das KEH, finanziert von der AOK. Die sozialpädagogische Betreuung wird von Mitarbeitenden des Vereins Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg e. V. geleistet und vom Jugendamt finanziert.


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