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28.01.2011

Kreatives Projekt in Bethel-Werkstatt


Im Klangraum kann man Instrumente ausprobieren: Ilona Schwarz (r.) und Christina Schell, angehende Heilerziehungspflegerin, testen den großen Gong.

Das „Bass-Bett“ kommt gut an – Werkstatt-Beschäftigter Klaus Weier, hier mit Schülerin Wiebke Hüttemann, wurde sofort Stammgast im Klangraum. Fotos: Paul Schulz

Heilerziehungspflege-Schüler gestalten „Klangraum“ 

Bielefeld-Bethel. Zuerst spürt man nichts. Die Matratze ist einfach weich, warm und angenehm. Dann knackt es leise, der Subwoofer springt an. Vibrationen breiten sich aus, erst ganz leicht, dann immer stärker. Tieffrequente Töne bringen die Liegefläche in Schwingung und massieren sanft den Rücken. Ein wohliges Gefühl macht sich breit – das „Bass-Bett“ im neuen „Klangraum“ einer Bethel-Werkstatt sorgt für tiefe Entspannung. 

Das musikalische Möbelstück kommt bei den Beschäftigten der Werkstatt für Menschen mit Behinderung am Quellenhofweg 27 gut an. Genaugenommen ist es sogar der „Lieblingsplatz“ im „Lieblingsraum“, zumindest für Klaus Weier. Er ist Werkstatt-Beschäftigter bei Bethel proWerk und erster Stammgast im „Klangraum“. Besonders fasziniert ihn die Disco-Kugel, die langsam an der mit weißen Stoffbahnen abgehängten Decke kreist. Mit dem Blick verfolgt der behinderte Mann die bunten Lichtreflexe, die über die frisch gelb gestrichenen Wände huschen. 

Kaum zu glauben, das dieser behagliche Raum noch bis vor wenigen Wochen eine Abstellkammer war. Die Idee, ihn anderweitig zu nutzen, gab es schon lange. „Aber unsere Mitarbeitenden haben im laufenden Betrieb einfach nicht die Zeit, ein neues Raumkonzept zu erstellen und umzusetzen“, sagt Eleni Gonsior. Sie leitet die Gruppe „Vermon III“, in der 24 Menschen, vorwiegend mit hohem Betreuungsbedarf, beschäftigt werden. Außerdem machte sich die Bethel-Mitarbeiterin Gedanken über die zu erwartenden Kosten – Therapieräume sind schließlich teuer. 

Dass diese Sorge unbegründet blieb, dafür sorgten fünf Schüler der Heilerziehungspflegeschule in Bethel. Dank großem Einsatz und vielen kreativen Ideen gestalteten Wiebke Hüttemann, Christina Schell, Sebastian Bröker, Katharina Beyer und Kathrin Schaaf den Klangraum ohne großes Budget. Die Schüler machten sich auf die Suche nach „altem Material“ – und wurden fündig: Eine betagte, aber noch vollkommen funktionsfähige Stereoanlage konnte aufgetan werden, einen riesigen Gong steuerte eine benachbarte Werkstatt als „Dauerleihgabe“ bei. Nicht nur das „Bass-Bett“, sondern auch viele Instrumente bauten die Schüler selbst. Etwa die farbenfrohen „Regenmacher“-Rohre, gefüllt mit Nudeln, Reis oder Erbsen. Andere Bastelarbeiten, etwa die Moosgummi-Noten am Himmel, machten die Schüler gemeinsam mit den behinderten Beschäftigten. Und wenn mal das richtige Werkzeug fehlte, wussten die Kollegen vom benachbarten Vorrichtungsbau weiter. Die überschaubare Rechnung für den neugestalteten Raum: 450 Euro. 

In der Werkstatt am Quellenhofweg konnten die fünf Schüler wertvolle Praxiserfahrung sammeln. Der Klangraum ist eines von vielen Projekten, die Studierende des Betheler Berufskollegs im Rahmen ihrer Heilerziehungspflege-Ausbildung im Januar umsetzten. In dieser Projektphase arbeiteten die Studierenden weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich, wobei jedes Projekt ausführlich dokumentiert wird. Ihre Themen fanden die Studierenden während eines achtwöchigen Praktikums, das der Projektphase vorausging. Die Heilerziehungspflege-Ausbildung am Berufskolleg Bethel dauert insgesamt drei Jahre. Sie gliedert sich in einen zweijährigen, überwiegend theoretischen Abschnitt und ein anschließendes einjähriges Berufspraktikum. 

„Das Ergebnis ist etwas ganz wunderbares.“ Eleni Gonsior ist begeistert. „Ein Klangraum macht hier bei uns besonders viel Sinn, weil unsere Beschäftigten sehr empfänglich sind für sinnliche Wahrnehmung.“ Auch die Schüler sind zufrieden: „Unser Plan ging gut auf“, sagt Sebastian Bröker. Zwar musste das Bett etwas gekürzt werden, aber jetzt passt es perfekt. „Und stabil ist auch“, sagt der angehende Heilerziehungspfleger und klopft beherzt auf den mächtigen Rahmen.

 

 


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