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29.09.2010

Lungenzentrum Bethel mit einzigartiger Chirurgie-Technologie


Ausgestattet mit speziellen Schutzbrillen operieren Morris Beshay (r.) und sein Team in Gilead I mit dem neuen Lasersystem.

Andrea N. (r.) ist eine der ersten Patienten, die Morris Beshay (l.) mit dem neuen Laser operierte. Fotos: Paul Schulz

Neuer OP-Laser eröffnet bessere Überlebenschancen  

Bielefeld-Bethel. Sichtlich entspannt und vertieft in ein Buch sitzt Andrea N. auf der Kante ihres Krankenbettes, als Morris Beshay sie bei seiner Patienten-Visite begrüßt. Die 51-Jährige legt ihr Buch beiseite und lächelt. „Mir geht es sehr gut. Es fühlt sich an wie eine Rippenprellung“, sagt sie zufrieden. Keine 48 Stunden zuvor hat der Thoraxchirurg im Lungenzentrum Bethel sie an der Lunge operiert und mehrere Metastasen mit einem neuen hochmodernen Laser entfernt. 

Andrea N. ist eine der ersten Patienten, die im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld (EvKB) mit dem neuen Laser-Gerät operiert wurden. Mit dem 60-Watt-Diodenlaser, einer in Ostwestfalen-Lippe einzigartigen Technologie, wurden ihr in einer 90-minütigen Operation drei Metastasen aus dem rechten Lungenflügel entfernt. „Es ist toll und beruhigend, dass es solche modernen Möglichkeiten in Bethel gibt. Die OP war wirklich schonend“, freut sich die Bielefelderin. 

Seit Februar ist die „Laser-Metastasektomie“ in der Klinik für Thoraxchirurgie im Lungenzentrum Bethel im Einsatz. Das 60.000 Euro teure System wurde speziell für die chirurgische Behandlung der Lunge entwickelt – insbesondere für die Entfernung von Metastasen oder Lymphknoten und das Lösen von Verwachsungen. Mit dem Diodenlaser können die Chirurgen besonders gewebeschonend, wesentlich präziser und schneller operieren. „Er kann gleichzeitig schneiden, Blut stillen und versiegeln. Der Laserstrahl ist so konzentriert, dass die Schnittstelle sauberer ist und das gesunde Gewebe noch mehr geschont wird“, erläutert Oberarzt Morris Beshay. Dadurch erholten sich die Patienten schneller und ihre Lebensqualität verbessere sich. 

Ohne den neuen Laser und mit der herkömmlichen Methode mit elektronischem Messer und Klammernahtgerät könnten viele Patienten überhaupt nicht operiert werden, sagt Dr. Morris Beshay, der die deutsche Entwicklung vor einem Jahr in Salzburg testete. Vor einigen Tagen habe er mit seinem Team einen 58-jährigen Krebspatienten operiert, der mehr als 50 Metastasen in der Lunge hatte. „Nur durch den Laser war es uns überhaupt möglich, ihn erfolgreich zu behandeln. Normalerweise wäre er inoperabel gewesen.“ 

Seit der Anschaffung des Lasers wurden im Lungenzentrum Bethel acht Patienten mit dem System operiert. Das Lungenzentrum vereint die Bereiche der Pneumologie und der Thoraxchirurgie. Insgesamt werden am Standort in Gilead I in Bethel jährlich rund 1300 Patienten mit Lungenerkrankungen behandelt. 

Andrea N. freut sich, dass der Eingriff so erfolgreich verlaufen ist. Vor vier Wochen wurden ihr bereits auf dem linken Lungenflügel drei Metastasen entfernt, die sich als Folge einer Krebserkrankung im Bauchraum gebildet hatten. In beide Operationen sei sie sehr ruhig und mit viel Zuversicht gegangen, sagt sie. Nachdem Morris Beshay sich von ihr verabschiedet hat, nimmt sie wieder ihr spannendes Buch zur Hand und beginnt, in Kapitel 2 weiterzulesen. „Das erste Kapitel habe ich noch unmittelbar vor der OP angefangen“, bemerkt sie schmunzelnd.


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