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23.11.2017

Mehr psychiatrische Patienten ins Ehrenamt


Wie können mehr Patienten aus der Psychiatrie von einem Ehrenamt profitieren? Darüber diskutieren (v.l.n.r.) Sandra Kläsener, Arzt Michael Leggemann, Katrin Brües, der ehrenamtlich tätige Peter Rosin und Daniel Müller.

Bis zum 5. Dezember, dem Tag des Ehrenamts, zeigt im Haus Gilead IV eine Ausstellung die Vielfalt ehrenamtlicher Tätigkeit. Sandra Kläsener, Daniel Müller, Michael Leggemann, Dr. Steffi Koch-Stoecker, Peter Rosin, Katrin Brües und die ehrenamtlich tätige Ellen Haase haben sie vorgestellt.

Bielefeld-Bethel. Ehrenamt tut Patienten gut. Hinter dieser kurzen Formel steckt viel Inhalt: Profitieren doch einerseits Patienten von Ehrenamtlichen, die vorlesen, etwas von ihrer freien Zeit schenken und so mithelfen, eine positive Umgebung zu schaffen. Aber auch sich selbst ehrenamtlich zu engagieren, kann für Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) nach einer Therapie stabilisierend wirken. Dort wurden jetzt Wege ausgelotet, wie dieses Angebot für Patienten intensiviert werden kann.

Das Interesse besteht auf beiden Seiten: Katrin Brües von der Freiwilligenagentur Bielefeld berät Interessierte unverbindlich zu ehrenamtlichem Engagement und vermittelt sie in Einrichtungen. Die Behandler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bethel sehen im ehrenamtlichen Engagement ihrer Patienten große Chancen. Dennoch finden zu wenige Patienten den Weg zu Katrin Brües und der Freiwilligenagentur im Amerikahaus bei der Stadtbibliothek. „Viele Patienten, die entlassen werden, müssen zunächst ihr Leben organisieren und ordnen. Unserer Empfehlung zu folgen und sich um ein Ehrenamt zu kümmern, tritt dann in den Hintergrund“, erklärt Sozialarbeiter Daniel Müller.

Um die erste Hürde zu nehmen, könnte der erste Termin in der Freiwilligenagentur durch Klinikmitarbeiter begleitet werden, so eine Überlegung. „Eine persönliche Beratung bietet die Möglichkeit, gemeinsam zu überlegen, welche Tätigkeit der Person Freude bereitet und für welches Engagement sie sich stabil genug fühlt“, erläutert Katrin Brües. Denkbar ist auch eine Integration ins Projekt „Gemeinsam engagiert“, bei dem sich Ehrenamtliche um die Interessenten kümmern. Auch Sandra Kläsener, Referentin fürs Ehrenamt im EvKB, will ihre Kontakte in die Häuser Gilead III und IV, in denen die Akutpsychiatrie in Bethel ansässig ist, für einen beiderseitigen Austausch intensivieren.

„Tätigkeit in einem Ehrenamt wirkt nach einer Therapie stabilisierend und ist somit wichtig für die Patienten. Für Suchtkranke, von denen 80 Prozent ohne Arbeit sind, kann ein Ehrenamt darüber hinaus sogar den Übergang in einen Job darstellen“, erklärt Daniel Müller. „Ehrenamtliches Engagement wird sehr unterschiedlich begründet, zum Beispiel mit Nächstenliebe oder mit Sinnfindung. Gleichzeitig gibt es jedem etwas zurück, wie zum Beispiel die Dankbarkeit der unterstützten Personen oder neue Kontakte“, sagt Dr. Steffi Koch-Stoecker, stellvertretende Chefärztin der Klinik. „Meine Erfahrung ist, dass ein Ehrenamt Menschen guttut, da es sie in Kontakt mit anderen bringt“, berichtet Sandra Kläsener. Auch kann eine Tätigkeit in Projekten helfen, die eigene Zeit zu strukturieren.

In Deutschland sind 31 Millionen Menschen in einem Ehrenamt tätig und damit etwa jeder dritte Deutsche. Im EvKB arbeiten 135 Menschen ehrenamtlich. Sie führen die Krankenhausbibliothek, arbeiten im Help-Programm um bei älteren Patienten gefährlichen Delirien vorzubeugen, engagieren sich bei den Grünen Damen der Evangelischen Krankenhaushilfe oder bringen im Patientenbegleitdienst Patienten auf die Station.


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