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18.12.2017

Nach sechs Jahren: Projekt zur Hochschulöffnung abgeschlossen


Louiza Mokrane vor dem Hauptsitz der Fachhochschule der Diakonie – dem Haus Groß-Bethel in Bielefeld

Der erleichterte Zugang durch das Projekt „BEST WSG“ ermöglicht Louiza Mokrane das Studium. Fotos: Paul Schulz

Bundesweit höchster Anteil an Studierenden ohne „Abi“


Bielefeld-Bethel. Heute ist es mal wieder soweit: Drei Tage Präsenzzeit in der Fachhochschule der Diakonie – und somit drei Tage intensives Lernen gemeinsam mit den anderen Kommilitonen des Studiengangs „Soziale Arbeit“. Louiza Mokrane (27) freut sich darauf. „Die monatliche Präsenzzeit in Bethel ist mir besonders wichtig, zumal ich dann die anderen Studierenden treffe“, erklärt die Münchenerin.

Die 600-Kilometer-Anreise aus Bayern nimmt Louiza Mokrane dabei gerne in Kauf. „Ohne dieses Studienangebot könnte ich nicht studieren und staatlich anerkannte Sozialarbeiterin werden. Ich habe nämlich kein Abitur“, sagt sie. Außerdem könne sie überwiegend bequem von Zuhause aus Studieren. Denn vieles laufe über Webinare, also Live-Übertragungen von Vorlesungen.

Den Zugang zu dem berufsbegleitenden Studiengang „Soziale Arbeit“ hat die FH der Diakonie bewusst erleichtert – ebenso für drei weitere Studiengänge. Sie sind allesamt im Rahmen des Projektes „Berufsintegrierte Studiengänge zur Weiterqualifizierung im Sozial- und Gesundheitswesen“ (BEST WSG) entstanden. „Diese Studienangebote haben wir so entwickelt, dass sich insbesondere auch Berufstätige, Menschen mit Familienpflichten und Quereinsteiger akademisieren können“, erklärt Projektleiter Michael Kriegel.

In dem Projekt wurde auch ein Modell entwickelt, mit dem erworbene Kenntnisse auf das Hochschulstudium angerechnet werden können, die nicht mit einem Zertifikat oder Diplom belegt sind. Die Studierenden führen dabei ein so genanntes „Kompetenzportfolio“. Darin beschreiben sie, was sie in ihrem Berufs- und Privatleben gelernt haben. Dafür erhalten sie einen Nachlass bei der Belegpflicht im Studium.

Das sechsjährige Projekt wurde vom Bildungsministerium im Rahmen der Initiative „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ mit insgesamt rund 2,9 Millionen Euro gefördert. Am 31. Dezember endet es, die Spuren bleiben. „Die Durchlässigkeit ist und bleibt wahrscheinlich unser stärkstes Alleinstellungsmerkmal in der Region“, ist Rektorin Prof. Dr. Hilke Bertelsmann überzeugt. Die FH der Diakonie hat rund 820 Studierende und mit rund 28 Prozent den bundesweit höchsten Anteil an Studierenden ohne „klassische“ Hochschulzugangsqualifikation.

Beim Studiengang „Soziale Arbeit“ sind viele fachfremde Quereinsteiger dabei, zum Beispiel Tischler oder Polizisten. „Denn wer beispielsweise eine Schreinerlehre absolviert und ehrenamtlich mit Jugendlichen gearbeitet hat, ist in sozialen Berufen trotzdem willkommen“, erklärt der Prorektor und wissenschaftliche Projektleiter Prof. Dr. Tim Hagemann.

Louiza Mokrane ist als gelernte Kauffrau für Marketing-Kommunikation ebenfalls Quereinsteigerin. Sie arbeitet mittlerweile in der Flüchtlingshilfe eines Trägers der freien Wohlfahrtspflege. „Die Arbeit gefällt mir. Meine Berufsausbildung und meine akademische Qualifikation will ich in diesem Feld sinnvoll bündeln. Vielleicht kann ich mich später im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Flüchtlingshilfe einsetzen“, beschreibt sie ihre Pläne.


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