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15.09.2010

Projekt Áldás hilft Gemeinden in der Slowakei


Ein starkes Team: (v. l.) Oros Zoltan, Pastor György Csik, Attila Poda, Balazs Varga, Diakon Dieter Thane, Dachdeckermeister Michael Klein und Diakonin Uta Braune-Krah.

Ruck, zuck deckten die vielen Helfer das Dach ab.

Betheler Dachpfannen gehen auf große Reise

Bielefeld-Bethel. Für die kleine Spinne auf dem riesigen Dachboden des Betheler Jochen-Klepper-Hauses ist die Ruhe vorbei. Das in den 1960er-Jahren erbaute Studentenwohnheim steht seit zwei Jahren leer. Doch nun wird es abgerissen, damit auf dem Gelände das neue Betheler Kinderhospiz entstehen kann. Bevor die Bagger kommen, sind noch viele freiwillige Helfer dem alten Gebäude aufs Dach gestiegen. Sie retten die gut erhaltenen Dachpfannen. Die rund 12 000 Ziegel werden auf eine weite Reise geschickt. In der Slowakei benötigt man sie dringend für den Bau von Gemeindehäusern und einer Behindertenwerkstatt.

Bereits vor vielen Jahren entstand in der diakonischen Gemeinschaft Nazareth in Bethel das Projekt Áldás, das sich für sozial benachteiligte Menschen in Ungarn und Osteuropa engagiert. Zu seinem Konzept gehört es, sozial und ökologisch nachhaltig zu handeln, etwa mit konkreter Aufbauhilfe. Freiwillig Engagierte demontieren brauchbare Baumaterialien aus Gebäuden, die hier abgerissen werden. In diakonischen Einrichtungen und Kirchengemeinden Osteuropas werden die Güter weiterverwendet.

Unter dem Giebel des Jochen-Klepper-Hauses rumort es jetzt. In luftiger Höhe klettern Männer über die Dachschrägen und arbeiten sich in Windeseile bis zum First vor. „Die Pfannen sind fantastisch. Die halten noch 80 Jahre lang“, ist sich der Bielefelder Dachdeckermeister Michael Klein sicher. Neben seinem Betrieb „Klein und Hopfinger“ haben auch die Firmen „Gartemann“ und „Stickan“ spontan ihre ehrenamtliche Hilfe für das Projekt zugesagt. Ebenfalls beteiligt sind Betheler Betriebe und Privatpersonen.

Aus der Slowakei ist Pfarrer György Csik mit neun Männern angereist. Sie packen kräftig mit an, verladen das Material und treten im LKW-Konvoi die Heimreise an. „Wir freuen uns sehr. Die Dachziegel werden unsere Gemeindehäuser und unsere kleine Werkstatt für behinderte Menschen vor Wind und Wetter schützen“, sagt György Csik. Bei einem Gang über die abbruchreifen Flure des Jochen-Klepper-Hauses sind dem Pfarrer auch noch die kleinen Waschbecken aufgefallen, die es in jedem Studentenzimmer gab. Auch sie werden, ebenso wie die alten Rippen-Heizkörper, nicht auf dem Bauschutt landen, sondern die Reise in die Slowakei antreten.

Das soziale und ökologische Konzept von Áldás hat auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt überzeugt. Drei Jahre lang wurde es gefördert. „Jetzt sind die Mittel ausgelaufen. Umso wichtiger ist es, dass wir Menschen finden, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren“, betont Uta Braune-Krah, Referentin der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth. „Wir freuen uns über jeden, der bei uns mitarbeitet. Über jeden, der sich die Zeit nimmt, bei einem Projekt für ein paar Stunden oder Tage zu helfen.“

Zu den Helfern von Áldás gehört auch Diakon Dieter Thane. Der frühere Leiter der therapeutischen Werkstatt „Spielkiste“ in Bethel ist selbst schon oft nach Osteuropa gereist, um dort zu helfen. Als Rentner hat er nun die Zeit gefunden, dieses Engagement zu vertiefen. Besonders die Integration von behinderten Menschen liegt ihm am Herzen. „Behinderte werden in Osteuropa oft noch behandelt wie unmündige Kinder“, sagt er. Da sei noch viel zu tun, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Große Stapel von Dachpfannen türmen sich mittlerweile unter den freigelegten Holzbalken. Die kleine Spinne hat ihr Domizil verloren. Am Eingang des maroden Hauses hängt noch ein Schild: „Bitte die Haustür ab 22 Uhr abschließen!“ Schon bald wird auch die Tür der Geschichte angehören.

Wer die Arbeit von Áldás unterstützen möchte, kann sich an Uta Braune-Krah unter der Bielefelder Rufnummer 144-5081 wenden.


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