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26.08.2014

Prototyp einer barrierefreien Außenkegelbahn eingeweiht


Als alles fertig war, lud Vaughan Waters (l.v.) alle Beteiligten zum Grillen ein.

Knapp vorbei! Janne Knüppel (l.) und ihre Mutter Krista Knüppel sind häufig auf der Kegelbahn.

Die Kugel kommt immer an, weil die Lauffläche ein Gefälle hat. Fotos: Reinhard Elbracht

„Alle Neune" für Haus Ophra

Bielefeld-Eckartsheim. „Und jetzt noch einmal in die Vollen, Janne!“ Vaughan Waters feuert Janne Knüppel mit aufmunternden Worten an. Die 38-Jährige kegelt leidenschaftlich gern. Bisher ging sie immer ins Sport- und Kulturzentrum Spuk im Bielefelder Süden. Janne Knüppelt ist behindert und lebt in einer stationären Einrichtung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Seit Kurzem braucht sie aber nur noch vor die Tür zu treten. Denn im Garten des Hauses Ophra II in Eckardtsheim wurde jetzt eine Kegelbahn eingeweiht.

Diese Kegelbahn fällt auf. Erstens hat sie zwei Laufflächen, und zweitens sind sie schräg. „Dadurch ist gewährleistet, dass alle Kugeln bei den Kegeln ankommen, egal wie schwach jemand wirft. Der Sport soll Spaß machen und nicht frustrieren“, erläutert der Leiter des Hauses Ophra II Vaughan Waters. Die kürzere, steilere Bahn ist für Rollstuhlfahrer, die längere, flache für Kegler, die stehen können. „Die beiden Bahnen machen es möglich, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen miteinander spielen können“, sagt er.

Kegeln ist ein beliebter Sport in Bethel und Eckardtsheim und bringt Menschen auf spielerische Art und Weise in Bewegung. Aber mit einer Gruppe, in der jeder körperliche und geistige Beeinträchtigungen hat, zu einer Kegelbahn zu fahren, ist schwierig. „Das kann man fast gar nicht organisieren“, sagt Vaughan Waters. „Wir brauchen eine 1:1-Betreuung und mehrere Transporter, die die Rollstuhlfahrer fahren.“ Und so war es immer dasselbe: Die einen warteten schon am Zielort, während die anderen noch unterwegs waren. „Das fand ich nicht gut. Deshalb habe ich mir etwas einfallen lassen.“

Der Bethel-Mitarbeiter mit britischen Wurzeln setzte sich an seinen Schreibtisch und zeichnete ein paar Skizzen auf ein Papier. Die Kegelbahn, die ihm vorschwebte, sollte draußen in dem Garten zwischen den Ophra-Häusern entstehen. Auf jeden Fall müsste sie barrierefrei sein und so konzipiert, dass sowohl Rollstuhlfahrer als auch Fußgänger gleichermaßen ihren Spaß hätten, so Vaughan Waters. Seine Zeichnungen wurden immer ausgefeilter. Und aus der Idee wurde ein Projekt.

Etliche Bethel-Abteilungen sprangen ein, um zu helfen. So erstellte die technische Zeichnerin Petra Tarrach aus der Bauunterhaltung professionelle Bauzeichnungen von dem Prototyp. „Wir haben die Planung und Verteilung der Aufträge übernommen. Damit haben wir unseren Beitrag leisten können für das tolle Projekt“, sagt Petra Tarrach. In ihrer Kegelbahn-Akte hat sie übrigens noch einen der ersten freihändigen Entwürfe von Vaughan Waters abgeheftet – als Erinnerung.

Und dann begannen die Bauarbeiten für das spendenfinanzierte Vorhaben. In den Holz- und Metall-Werkstätten Wilhelmsdorf und Kracks krempelte man die Ärmel hoch und fertigte Holzkegel, Aufstellhilfen, Kugelrückläufe, Banden und Bänke an. In der Zwischenzeit bereiteten die Eckardtsheimer Gärtner den Garten für die Bauarbeiten vor. Sie planierten, füllten Schotter auf und verlegten die Steine. Und als alles fertig war, wurde die Kegelbahn eingeweiht. Bei dem Fest für die Beteiligten drückte Petra Tarrach die Daumen „Jetzt bleibt nur noch zu wünschen, dass die Kegelbahn gut angenommen wird.“ Dieser Wunsch ist längst in Erfüllung gegangen.


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