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27.10.2010

Psychiatrische Pflege


Pflegeforscher Dr. rer. medic. Michael Schulz ist in diesem Jahr Hauptorganisator des größten deutschsprachigen Fachkongresses für psychiatrisch Pflegende. Foto: v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Volkskrankheit Depression – Vier Millionen Deutsche leiden an einer Depression. Foto: ©Fotolia, foto.fritz

Experten diskutieren über Depressivität und Suizidalität 

Bielefeld-Bethel. Depressivität und Suizidalität: Prävention - Früherkennung - Pflegeinterventionen - Selbsthilfe. Das ist das diesjährige Thema des Dreiländerkongresses, der am 28. und 29. Oktober im Betheler Assapheum stattfindet. Gastgeber der größten deutschsprachigen Fachtagung für psychiatrisch Pflegende ist die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel des Ev. Krankenhauses Bielefeld (EvKB). Es werden rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet.  

Man erinnere sich: Vor knapp einem Jahr nahm sich Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke das Leben. Der Grund für seinen Freitod war eine schwere Depression. Viele Prominente kämpfen mit dieser Krankheit, die nicht „promi-typisch“ ist, sondern zu einer Volkskrankheit heranwächst: Allein in Deutschland leiden vier Millionen Menschen an dieser Erkrankung. In der Europäischen Union (EU) nehmen sich rund 77.000 Menschen jedes Jahr wegen einer Depression das Leben. 

Der Dreiländerkongress reagiert auf die besorgniserregenden Zahlen: Rund 80 Vorträge und Workshops beziehen sich auf die Themen Depressivität, Suizidalität und die sich daraus ergebenen Handlungsfelder für die Pflegenden in der Psychiatrie. Nur wenige Menschen, die einen Suizid vollzogen haben, hatten Kontakt zu einem psychiatrischen Versorgungssystem. „Bei Menschen mit einer Depression ist die Gefahr eines Suizides besonders hoch“, weiß Dr. Michael Schulz, Pflegeforscher in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des EvKB. Dort werden jährlich 800 Menschen mit einer Depression behandelt. Das sind bei insgesamt 6.000 Patienten pro Jahr gut 13 Prozent. „Der erfolgreiche Suizid stellt dabei gewissermaßen den katastrophalen Endpunkt einer nicht erfolgreichen helfenden Beziehung dar“, so der Hauptorganisator des diesjährigen Dreiländerkongresses in Bielefeld-Bethel.  

Der Kongress stellt Maßnahmen zur Prävention, Früherkennung, Pflegeinterventionen, Selbsthilfe und ambulante Pflegestrukturen vor, damit ein engmaschiges Behandlungsnetz eingerichtet werden kann. Es soll so vielen depressiven Menschen wie möglich ein niedrigschwelliges Hilfsangebot bieten. „Die Psychiatrisch Pflegenden stellen in diesem Netz die größte Berufsgruppe dar und arbeiten an vorderster Front mit den Patienten und ihren Angehörigen“, betont Dr. Schulz die wichtige Rolle der Pflegenden in dem Versorgungssystem. 

Namhafte Wissenschaftler konnten für Vorträge gewonnen werden: Die schwedische Pflegewissenschaftlerin Prof. Ingela Skärsäter berichtet über wissenschaftlich fundierte  Pflegeinterventionen bei schwerer Depression. Dr. Dirk Richter geht der ethischen Frage nach, inwieweit es ein Recht auf Depression und Suizid gibt. Dabei zielt der Soziologe auf das Problem der Medikalisierung von Trauer und Selbsttötung ab. Roland van der Sande von der Hochschule in Utrecht (Niederlande) wird über die Rolle der Psychiatrischen Pflege in der Behandlung von Depression aus Sicht der EU referieren.  

Die internationale Fachtagung ist mittlerweile im deutschsprachigen Raum der größte Kongress für psychiatrisch Pflegende. Sie kehrt nach Bern (2005), Wien (2006), Bielefeld (2007), Bern (2008) und Wien (2009) zum dritten Mal an ihren Geburtsort Bielefeld zurückgekehrt. Der nächste Dreiländerkongress wird 2011 in Bern stattfinden.  

Mehr Infos:

www.pflege-in-der-psychiatrie.de


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