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30.03.2012

Schülergruppe aus Bethel besucht Konzentrationslager Majdanek


Majdanek: (v.l.) Johanna Nolte, Josiane Mutombo Ilunga, Felix Steggemann und David Schöls diskutieren vor dem Besucherzentrum mit Lehrer Wolfgang Potthoff.

Auschwitz 1: Auch die Gedenkstätte in Auschwitz stand auf dem Programm der Bethel-Schüler.

Auschwitz 2: Ein Eisenbahn-Waggon erinnert in Auschwitz an die Deportation der Juden. Fotos: Paul Schulz

„Diese Geschehnisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten"

Bielefeld-Bethel. Bereits zum 15. Mal besuchte eine Schülergruppe der Friedrich-v.-Bodelschwingh-Schulen die Holocaust-Gedenkstätte Majdanek bei Lublin. Seit 1996 finden regelmäßig Fahrten nach Ost-Polen statt, bei denen Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte sich vor Ort ein Bild von einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte machen. 

Gut vorbereitet hatten sich die Schülerinnen und Schüler auf die zehntägige Polenreise. Schon seit den vergangenen Sommerferien beschäftigte sich der Projektkurs mit der NS-Zeit. Dazu gehörte ein Besuch von Mitarbeiterinnen des historischen Archivs der Gedenkstätte Majdanek in Bethel ebenso wie eine Fahrt zur Wewelsburg bei Paderborn, wo die Schüler das ehemalige Konzentrationslager Niedernhagen besuchten. „Da wurde mir klar, dass der Holocaust auch genau hier, wo ich lebe, stattgefunden hat – nicht nur irgendwo in weiter Ferne", stellte die Bielefelder Schülerin Johanna Nolte fest. Sie meint: „Wir haben eine Verantwortung, unsere Geschichte zur Kenntnis zu nehmen." Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung des Instituts für Kirche und Gesellschaft, der Stiftung „Erinnern ermöglichen" und der Familie Osthushenrich Stiftung. 

„Majdanek ist eine der vergessenen Gedenkstätten", sagt Wolfgang Potthoff, Lehrer für Geschichte und Sozialwissenschaften. Ganz bewusst habe man sich in der Schule dafür entschieden, den Schwerpunkt bei einer eher weniger bekannten Stätte zu setzen. „Man kann sich das Ausmaß nicht vorstellen. Das sind riesige Anlagen“, sagte Felix Steggemann. „Auch wenn man schon viel darüber gelesen hat – die Wirklichkeit ist beeindruckend." In Majdanek arbeiteten die Schülerinnen und Schüler im Archiv. Anhand historischer Quellen machten sie sich ein Bild von dem, was hier vor 70 Jahren geschehen ist. „Diese Geschehnisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten", sagt Felix Steggemann.

 

Johanna Nolte blieb vor allem das Gespräch mit Zdzislaw Badio in Erinnerung. Der Holocaust-Überlebende war etwa in ihrem Alter interniert worden. Überrascht hat sie sein Lob: „Ich finde es mutig, dass Ihr Euch mit dieser Geschichte konfrontiert." Ihr Mitschüler David Schöls gibt offen zu: „Vor diesem Gespräch hatte ich echt Angst." Aber der bewegende Bericht des Zeitzeugen veranschaulichte die unfassbaren Geschehnisse, so der 18-Jährige. Jetzt sei es Aufgabe seiner Generation, das Zeugnis der Überlebenden weiterzutragen. Die Arbeitsergebnisse der Bethel-Schüler werden ab dem 19. Juni im Hauptarchiv Bethel gezeigt.

Auf der Reise machte die Schülergruppe der Friedrich-v.-Bodelschwingh-Schulen Station in Auschwitz bei Krakau sowie in Warschau. Hier stand der Besuch eines ehemaligen Bahnhofs auf dem Programm, über den Bielefelder Juden in die Todeslager gebracht wurden. 

Hinweis: Die Deportation von Juden aus Bielefeld nach Warschau jährt sich am Samstag, 31. März, zum 70. Mal.

 


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