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06.08.2020

Schulleiter Frank Thies im Ruhestand


Schulleiter Frank Thies verlässt die Mamre-Patmos-Schule nach 30 Jahren. Foto: Christian Weische

Niemals geht man so ganz aus der Mamre-Patmos-Schule

Bielefeld-Bethel. Frank Thies ist kein Mensch, der zu Übertreibungen neigt. Für seine ruhige Art, sein abwägendes und bedachtes Auftreten wird er geschätzt. Und doch bemüht er nichts weniger als den Superlativ, wenn es um die Beschreibung der Mamre-Patmos-Schule in Bethel geht: „Das ist die schönste Schulleiterstelle in ganz Nordrhein-Westfalen.“ Die Schule wird nun ohne ihren langjährigen Leiter auskommen müssen. Mit 64 Jahren ist Frank Thies Ende des Schuljahres in den Ruhestand gegangen, seine Nachfolge tritt der bisherige stellvertretende Schulleiter Klaus-Hermann Bunte an.

„Ich wäre gerne aus dem prallen Schulleben ausgestiegen“, sagt Frank Thies. Wehmut der besonderen Art löst die derzeitige Corona-Krise aus. Dass er überhaupt ins „pralle Schulleben“ eingestiegen ist, war dem Zivildienst im Johannes-Falk-Haus geschuldet. Eigentlich wollte der gebürtige Bad Oeynhausener seinem Technikinteresse folgen und Informatiker werden, doch die Zeit in der Löhner Tagesbildungsstätte ließ ihn umschwenken. Klebe-Effekt nennt man das heute. Es folgten das Studium der Sonderpädagogik, eine erste Anstellung in einer Förderschule des Wittekindshofs in Bad Oeynhausen und der Einstieg in die Fachlehrerausbildung am Studienseminar in Bielefeld.

1990 kam der (An-)Ruf der Mamreschule. Frank Thies wurde der Stellvertreter von Albrecht zur Weihen, später dessen Nachfolger. Hier war Großes in Bewegung: „Gleich in der ersten Woche saßen wir über den Plänen zur Erweiterung des Schulgebäudes“, erinnert sich Frank Thies.

1998 der Spatenstich, 2002 die Vereinigung zur Mamre-Patmos-Schule, 2011 in der Qualitätsanalyse des Landes NRW als beste Förderschule abgeschnitten – im täglichen Bemühen um Teilhabe und Lebenschancen für jeden ihrer Schüler und jede ihrer Schülerinnen haben Frank Thies, der stellvertretende Schulleiter Klaus-Hermann Bunte und das ganze Kollegium eine Schule geschaffen, die sogar international Aufsehen erregt. Fast jede Woche sind Gäste in der Schule, die vom individuellen Förderkonzept lernen wollen. Auch Bundeskanzler und Bundespräsidenten informierten sich vor Ort.

Eingemischt hat sich Frank Thies immer und fachliche Spuren hinterlassen: ob als Autismus-Fachberater und Mitglied der Richtlinienkommission in Nordrhein-Westfalen oder im Hauptausschuss für Schulische Bildung im Bundesverband evangelische Behindertenhilfe. „Mein Träger hat mich ‚gehen‘ lassen, und das rechne ich Bethel hoch an. Es gibt das Psalmwort: Du stellst meine Füße auf einen weiten Raum. Diese Freiheit habe ich hier erfahren, und ich wünsche mir, dass das in Bethel erhalten bleibt.“

Langweilig wird es dem passionierten Musiker im Ruhestand nicht. „Ich freue mich darauf, Herr der eigenen Zeit zu sein, wieder mehr Musik zu machen und mir ein Klavier anzuschaffen.“ Im Chor singt er bereits und unterstützt die Posaunen in der Gemeinde. Außerdem warten bereits zwei Enkelkinder in Hamburg auf mehr Zeit mit dem Opa.

Seine Schüler wird er vermissen. Und sie ihn. Die Offenheit hat er immer gepflegt, auch als Schulleiter. Dass sie anklopfen konnten und mit einem „Weißt Du was, Herr Thies?!“ hereinplatzen durften. „Diese Freude, die unheimlich direkte und grundehrliche Art ohne jede Coolness, das wird mir sehr fehlen.“


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