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29.08.2018

Theaterwerkstatt Bethel


Else Natalie Warns gründete 1983 die Theaterwerkstatt Bethel (Foto 2013)

Masken spielten gerade in den ersten zehn Jahren der Theaterwerkstatt im Bibliodrama eine wichtige Rolle. Zum 30-jährigen Jubiläum eröffneten Else Natalie Warns und der heutige Leiter Matthias Gräßlin 2013 eine Maskenausstellung in den Archiven am Bethelplatz. Fotos: Reinhard Elbracht

Else Natalie Warns verstorben

Berlin/Bielefeld-Bethel. Nach kurzer Krankheit verstarb am 25. August 2018 in Berlin die Theaterpädagogin, Künstlerin und Autorin Else Natalie Warns im Alter von 88 Jahren. Die Gründerin der Theaterwerkstatt Bethel und Mitgründerin der Bibliodrama-Bewegung in Deutschland war in vielfältiger Weise in Soest, Bielefeld, den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zuletzt in Berlin tätig. Die gebürtige Diplomatentochter wuchs in Rom, Paris und Berlin auf. Else Natalie Warns studierte Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Archäologie und Philosophie in Göttingen und Freiburg. Sie war verheiratet mit Pastor Eberhard Warns, der viele Jahre Leiter der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth und Mitglied im Bethel-Vorstand war.

Ihre berufliche Leidenschaft gehörte dem kreativen Erschließen dramatischer und biblischer Geschichten. Wie zahlreiche andere Initiatoren der Spiel- und Theaterbewegung bildete sie sich selbst in Methoden der Tanz-, Theater- und Maskenarbeit weiter und entwickelte in vielfältiger Praxis eigene Ansätze für Schul- und Kirchenraumtheater. Hier machte sie mit anderen die ersten Schritte hin zu einem umfassenden Konzept des Bibliodramas als ästhetische, hermeneutische, spirituelle und vor allem kreative Methode zur Aneignung und Verlebendigung biblischer Texte und Motive. Sie begründete mit anderen eine der ersten umfassenden Fortbildungskonzeptionen für Bibliodrama und war bundes- und europaweit gefragte Fortbildnerin und Workshop-Leiterin, unter anderem auf vielen evangelischen Kirchentagen. Else Natalie Warns war Gründungsmitglied und bis zuletzt Ehrenvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Bibliodrama, Mitherausgeberin der Fachzeitschrift „Text Raum“ und Mitglied im Europäischen Bibliodrama-Netzwerk. 1994 veröffentlichte sie mit anderen das Buch „Bibliodrama als Prozess“, welches 2013 in überarbeiteter Fassung neu aufgelegt wurde.

Als Else Natalie Warns Anfang der 1980er-Jahre aus Soest nach Bielefeld-Bethel kam, begann sie schon bald mit neuer Theaterarbeit. Anlässe gab es auch hier genug: in Schulen, Gemeinden, mit der Vereinten Evangelischen Mission, bei Festen und Gottesdiensten in Bethel und anderswo. Sie fing einfach an, begeisterte an einem Thema oder Anlass Interessierte, schilderte ihre Ideen und lud offen ein zum Proben, zum Bau von Masken oder der Herstellung von Kostümen. Im ehemaligen Betheler Fuhrgeschäft fand Else Natalie Warns 1983 einen geeigneten Raum zur Gründung der Theaterwerkstatt Bethel, die in diesem Jahr ihr 35-jähriges Jubiläum feiert. Inspiriert durch den kreativen Geist von Else Natalie Warns begegneten sich hier Menschen jenseits ihrer im Alltag festgelegten sozialen Rollen. Lehrer und Schüler, Arzt und Patient, Betreuer und Betreute agierten gemeinsam, motiviert durch das gemeinsame Vorhaben. Sie steckte viele mit ihrer kreativen Ader an, versammelte Spielbegeisterte, griff Ideen auf, um aus voller Kraft die immer größer werdenden Vorhaben auf die Bühne zu bringen. Durch Gastspiele in Gemeinden und auf Kirchentagen wurde die Theaterwerkstatt Bethel bundesweit bekannt. Auch außerhalb der eigenen Projekte ließ sie vor allem jungen Talenten Raum und unterstützte sie in ihren künstlerischen und theaterpädagogischen Experimenten und Werdegängen. „Die Theaterwerkstatt Bethel ist ein Lebensort – da ist etwas, da kommt etwas, und da wird etwas, immer wieder von Neuem,“ so Else Natalie Warns.

Die fortschreitende Demenz ihres Ehemannes forderte Else Natalie Warns sehr. Sie pflegte ihn bis zu seinem Tod 2007 und förderte bis zuletzt auch die besonderen künstlerischen Gaben ihres Mannes. Sie begleitete zahllose Ausstellungen mit Bildern ihres Mannes, die beeindruckende Zeugnisse der besonderen Art der Kommunikation von Menschen mit Demenz waren. Zwei Kunstbände mit Bildern von Eberhard Warns und Kommentaren namhafter Expertinnen und Experten für demenzielle Erkrankungen wurden von ihr herausgegeben: „Ich will Freiheit beim Malen“ (2008) und „Mut u. Wut“ (2012). In den letzten Jahren engagierte sich Natalie Warns in Berlin im christlich-jüdisch-muslimischen Trialog.

„Früher durfte eine Pastorenfrau keinen Beruf haben“, sagte Natalie Warns einmal lachend angesichts ihres großen Lebenswerkes. Sie war vielen eine liebevolle, aufmerksame, mutgebende und inspirierende Begleiterin.


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