v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
03.07.2018

Wissenschaftliche Forschungsprojekte


Prof. Dr. Traugott Jähnichen, Bochum Foto: Ruhr-Universität Bochum

Unabhängige Studien zur Bethel-Geschichte

Bielefeld-Bethel/Bochum. Seit dem vergangenen Jahr 2017 laufen die beiden Forschungsprojekte zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen in „Bethel 1924 bis 1949“ und „Arzneimittelprüfungen in Bethel 1949 bis 1975“. Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats für beide Forschungen ist der Theologe Prof. Dr. Traugott Jähnichen, Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum. Der gemeinsame Beirat zu den beiden Forschungsvorhaben zur Geschichte Bethels hat sich im Juni erstmalig getroffen. Dem Beirat gehören mehrere Wissenschaftler, die Forscher der beiden Projekte sowie ständige Gäste an.

Das Forschungsprojekt „Bethel 1924 bis 1949“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über drei Jahre gefördert. Seit Herbst 2017 arbeitet der in der Diakoniegeschichte erfahrene Projektleiter Dr. Uwe Kaminsky von der Ruhr-Universität Bochum mit einem Forscherteam an der Auswertung von Patientenakten; zum Team gehört auch die Medizinhistorikerin Dr. Marion Hulverscheidt (Universität Kassel). Dabei geht es um rund 1.900 Patientenakten aus Bethel und zum Vergleich 500 Akten aus der Provinzial-Heilanstalt Gütersloh, die gesichtet und erfasst werden. Das Projekt läuft voraussichtlich bis Mitte 2021. Bethel hatte eine Vorstudie ermöglicht, damit der Projektantrag an die DFG fertiggestellt werden konnte. Dieses Forschungsprojekt soll eine umfassende Darstellung des Alltages von Epilepsiekranken, psychiatrischen Patienten und Menschen mit geistiger Behinderung in Bethel ergeben: Wie wurden sie medizinisch behandelt, gepflegt und sozial begleitet. Der gewählte Zeitabschnitt setzt ein mit der Sozialgesetzgebung der Weimarer Republik, umfasst die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, bis Ende der 1940er Jahre die unmittelbare Notsituation der Nachkriegszeit weitgehend bewältigt wurde. Diese Phase historisch umfassend aufzuarbeiten und dabei die Perspektive der Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, ist für Bethel ein zentrales Anliegen, dem schon frühere Forschungen galten. Im Jahr 2022 soll eine entsprechende umfangreiche Publikation der Forschungsergebnisse erfolgen.

Das Forschungsprojekt „Arzneimittelprüfungen in Bethel 1949 bis 1975“ hat im Frühsommer 2017 begonnen. Es wurde von den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel initiiert, nachdem eine Pharmakologin bei ihren Forschungen auf Daten von Medikamententests durch die Pharmaindustrie an Kindern und Jugendlichen in Wohlfahrtseinrichtungen gestoßen war. Die Forschung in Bethel wird von dem Pädiater und Neurologen Prof. Dr. Dietz Rating aus Heidelberg geleitet; er wird von zwei Medizinhistorikern unterstützt. Prof. Dr. Maike Rotzoll (Universität Heidelberg) und Dr. Niklas Lenhard-Schramm (Universität Münster) haben bereits verschiedene medizingeschichtliche Projekte und Gutachten bearbeitet. Nach Auswertung von rund 300 Patientenakten werden erste Ergebnisse zur Frage, ob und wie an Kindern und Jugendlichen in Bethel neue Medikamente getestet wurden, für Ende dieses Jahres erwartet. Daran hat auch die Landesregierung NRW Interesse; für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel geht es um zentrale medizinethische Fragen, die hier geprüft werden. Ein Abschlussbericht soll im Jahr 2019 fertig gestellt sein.


© 2018 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel