v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
02.01.2018

Wunsch von Tiberias-Bewohner erfüllt sich


Günter S. (v. l.) kurz vor Beginn der Fahrstunde mit seinem Betreuer Detlef Holzkämper, Fahrlehrerin Manuela Heckersbruch und Arnd Schilack von der Verkehrswacht Bielefeld.

Die Fahrstunde war für den 57-jährigen gelernten Kfz-Mechaniker und langjährigen Fernfahrer Günter S. ein sehr emotionales Erlebnis.

In Begleitung von Fahrlehrerin Manuela Heckersbruch drehte Günter S. auf dem Verkehrsübungsplatz seine Runden. Fotos: Gunnar Kreutner.

Nach 27 Jahren: Noch einmal Autofahren

Bielefeld-Sennestadt/Bethel. Günter S. atmet tief durch. Dann dreht er den Zündschlüssel herum und der Motor des VW-Golf brummt auf. „Lang, lang ist es her“, sagt er und lächelt. Ein großer Wunsch geht gerade in Erfüllung. Nach 27 Jahren darf der an Epilepsie erkrankte Klient des Betheler Unterstützten Wohnen Tiberias noch einmal selbstständig Autofahren.

Wegen seiner Anfallserkrankung, ausgelöst durch eine Hirnhautentzündung, saß Günter S. (57) seit 1990 nicht mehr am Steuer eines Fahrzeuges – und das als ehemaliger Fernfahrer, der jahrelang 40 Tonnen schwere LKW bewegte. Die kostenlose Fahrstunde ermöglichten jetzt die Bielefelder Fahrschule „Vornesitzer“ und die Verkehrswacht Bielefeld e. V.

In Begleitung von Fahrlehrerin Manuela Heckersbruch drehte Günter S. auf dem Verkehrsübungsplatz in Bielefeld-Sennestadt 45 Minuten lang seine Runden, machte Vollbremsungen, durchkurvte Pylonen im Slalom und übte das Einparken. „Das klappt erstaunlich gut nach so langer Zeit. Davor habe ich großen Respekt“, lobt die beeindruckte Manuela Heckersbruch ihren Fahrschüler.

Etwas ungewohnt sei es aber – wen wundert es – schon gewesen, räumte Günter S. auf den letzten Metern ein. Zwar seien die Abläufe und das Fahrgefühl schnell wieder da gewesen, aber die Bremsen reagierten heute extrem sensibel, stellte der gelernte Kfz-Mechaniker fest.

Das Laufen fällt Günter S. als Folge der Hirnhautentzündung schwer. Außerdem hat der gebürtige Hannoveraner Probleme mit dem Gleichgewichtssinn und mit dem Kurzzeitgedächtnis. Nach der Fahrstunde erinnert er sich aber an jede Kurve und jede gelungene Aktion. „Dafür war das heute einfach zu schön“, freut er sich. Seine Fahrlehrerin hebt anerkennend die Daumen: „Sie haben bestanden!“


© 2018 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel