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30.07.2013

Zum 100. Geburtstag von Prof. Gerhard Veith


Foto: Bethel-Archiv

Forschung von Betheler Pathologen noch aktuell

Bielefeld/Bethel. Die Forschung war sein Leben. Noch 15 Jahre nach seinem Eintritt ins Rentenalter saß der Betheler Neuropathologe Professor Dr. Gerhard Veith täglich am Mikroskop. In diesem Sommer hätte der Wissenschaftler, der von 1955 bis 1978 das Pathologische Institut im Waldlabor in Bethel leitete, seinen 100sten Geburtstag gefeiert. Seine Forschungen über Entwicklungsstörungen bei Epilepsien und seine These, dass epileptische Anfälle nicht Folge von Hirnschädigungen, sondern die Ursache sind, haben bis heute Bestand.

Ins Kreuzfeuer der Sozialwissenschaftler gerieten Prof. Veith und sein Mitarbeiter, Dr. Wilhelm Schwindt, als sie in den 1970er Jahren bei Gehirnautopsien von verstorbenen wohnungslosen Menschen typische Verletzungen feststellten, die lange vor der Wohnungslosigkeit entstanden sein mussten. Daraus schlossen sie, dass die Hirnschädigungen zu Wesensveränderungen geführt haben und letztendlich ursächlich für die Wohnungslosigkeit waren. Die Studie an Verstorbenen gilt als einmalig. Ihre Ergebnisse wurden viel später durch kanadische Forscher bestätigt. Diese hatten rund 1 700 wohnungslose Menschen mit bildgebenden Verfahren zu Lebzeiten untersuchen können.

Die Erkenntnisse von Prof. Veith und Dr. Schwindt werden auch heute noch bei Fachkongressen zur Situation wohnungsloser Menschen herangezogen. Heute bezweifelt niemand mehr, dass sich Verletzungen in bestimmten Gehirnarealen auf die Handlungssteuerung, die Motivation und die Entscheidungsprozesse auswirken. Das hat Konsequenzen für die Hilfesysteme in der Wohnungslosenhilfe.

Prof. Veith wurde Zeit seines Lebens nicht nur als Wissenschaftler sondern auch als Mensch verehrt. Bis heute erinnern sich seine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Wärme an ihren Chef. Beliebt sei er gewesen, bescheiden und gleichzeitig extrem anspruchsvoll im wissenschaftlichen Arbeiten. Er habe Menschen begeistern können, so die einhellige Meinung. Prof. Dr. Gerhard Veith, der 1913 in Heidelberg geboren wurde, starb am 25. November 1999 im Lutherstift in Bielefeld.


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