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Wir sind so frei...
Biographische Skizzen von Diakonissen

Anne Kitsch

Wir sind so frei... Biographische Skizzen von Diakonissen

Die jungen Frauen kamen meist aus einfachen Familienverhältnissen, aus kleinbäuerlichen Haushalten, kinderreichen Arbeiter- und Handwerkerfamilien im Minden-Ravensberger Land oder dem Ruhrgebiet. Im Diakonissenmutterhaus Sarepta in Bethel erhielten sie eine qualifizierte Berufsausbildung und eine theologisch-geistliche Ausbildung. "Wir sind so frei..." ist der Titel des jetzt im Bethel-Verlag erschienenen Buches mit biographischen Skizzen aus dem Leben von fünf Diakonissen.

Herausgegeben und bearbeitet wurden die spannend zu lesenden Lebensbilder der Schwestern nach deren Erzählungen von Anne Kitsch im Auftrag der Westfälischen Diakonissenanstalt Sarepta.

"Eine Bekannte hatte in Bethel die Marthaschule besucht und anschließend von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, zwei Jahre im Deutschen Hospital in London zu arbeiten. Mir gefiel dieser Weg, und ich entschied mich, ebenfalls nach Bethel zu gehen. Der Wunsch, ein Sprungbrett zu finden, um in die Welt zu kommen, spielte dabei sicher auch eine Rolle. Beraten wurde ich von unserer Gemeindeschwester und dem Pastor."

So oder so ähnlich wie in den Erinnerungen von Diakonisse Hildegard Willmann war es auch bei anderen Schwestern. Häufig waren es die Gemeindeschwestern aus dem Mutterhaus Sarepta in Bethel, die mit ihrem Beispiel tätiger Nächstenliebe bei den jungen Frauen den Wunsch weckten, ihr Leben gleichfalls in den Dienst an kranken, behinderten und armen Menschen zu stellen.

Diakonisse Marie Rodenbeck, 1917 in Päpinghausen im Kreis Minden geboren, erinnert sich: "1932 wurde ich konfirmiert. Damals war es so, dass man sonntags konfirmiert wurde und montags zum Bauern in die Anstellung kam. Das hieß also, dass spätestens nach der Konfirmation der Ernst des Lebens begann. Und genau so war es: Der Bauer kam mit Pferd und Wagen und holte mich und meine Kommode." Bei einem Krankenhausaufenthalt begegnete sie Diakonissen, und als ihr Vater schwer erkrankte, pflegte ihn eine Diakonisse aus Bethel. Marie Rodenbeck wollte auch Diakonisse werden. Schließlich gab die Mutter ihrem Drängen nach und sagte: "Mariechen, wenn dat din Weg is, dann goa!"

"Das übergreifende Thema in den fünf Biographien in dem Buch ist das der Zeit und der Veränderungen", so die Herausgeberin Dr. Anne Kitsch. "Erzählen ist ein Moment des Innehaltens und der Verlangsamung. Die Welt braucht die Erzähler und Erzählerinnen, denn aus dem Erzählen schöpfen wir Erfahrungen."

Die Texte vermitteln den Leserinnen und Lesern Gefühle und Atmosphäre des Erzählten, gestatten ihm einen Einblick in die Motive der jungen Frauen und ihre Lebensthemen. Wer die Biographien der Diakonissen Paula Benscheid, Marie Rodenbeck, Liese Hoefer, Hildegard Willmann und Elisabeth Morgenstern liest, der nimmt teil an der Auseinandersetzung mit Traditionen und Veränderungen in der Lebens-, Dienst- und Glaubensgemeinschaft von Sarepta. Die Lektüre bringt dem Leser aber auch das individuelle Leben der Diakonissen in seinen Widersprüchen und Brüchen, in seiner Vielgestaltigkeit und Mehrdimensionalität nahe. Gleichzeitig wird ein Stück Zeitgeschichte lebendig, denn die Lebenserinnerungen der fünf Schwestern, die dieses Buch wiedergibt, sind eingezeichnet in Zeit- und Weltgeschichte, in die Theologie- und Kirchengeschichte und in die Diakonie- und Geistesgeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Die Herausgeberin Anne Kitsch lebt und arbeitet in Bielefeld als Literaturwissenschaftlerin und Autorin. 
 

Hrsg. von: Anne Kitsch. Bielefeld: Wir sind so frei..., Biographische Skizzen von Diakonissen, Bethel-Verlag 2001. 12,70 Euro. ISBN 3-922463-98-3.

 
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