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Ein „geringfügiges Opfer“ – Zwangssterilisation in Bethel

Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde 1933 verabschiedet und trat am 1. Januar 1934 in Kraft. Durch den Ausschluss vermeintlich erblich belasteter Menschen von der Fortpflanzung sollte ein „gereinigter Volkskörper“ entstehen. Die Sterilisation galt als eine wissenschaftlich fundiert begründete Maßnahme zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Dieses „geringfügige Opfer“ meinte man den Betroffenen zumuten zu können. Ab 1934 wurden in Betheler Krankenhäusern mindestens 1 176 Menschen zwangssterilisiert. Heute erinnert eine Stele in der Ortschaft Bethel an dieses Unrecht.

Eine Gedenkstele auf dem Bethelplatz erinnert an das Leid der Betroffenen.
Eine Gedenkstele auf dem Bethelplatz erinnert an das Leid der Betroffenen.

In Bethel hatte man zu Euthanasie und Eugenik seit den zwanziger Jahren wiederholt unterschiedlich Stellung bezogen. Eine Einstufung menschlichen Lebens als lebensunwert war aus prinzipiellen christlichen Erwägungen heraus stets abgelehnt, Eugenik hingegen gutgeheißen worden. Auch Anstaltsleiter Fritz von Bodelschwingh stand ihr durchaus aufgeschlossen gegenüber: „Ich würde den Mut haben, vorausgesetzt, dass alle Bedingungen gegeben und Schranken gezogen sind, hier im Gehorsam gegen Gott die Eliminierung an anderen Leibern zu vollziehen, wenn ich für diesen Leib verantwortlich bin“, stellte Fritz v. Bodelschwingh auf der „Ev. Fachkonferenz für Eugenik“ in Treysa 1931 fest. Er sah in der Sterilisation zum einen ein tragbares Zugeständnis an den medizinischen Fortschritt, zum andern eine humane Alternative zur Euthanasie, die er stets kompromisslos ablehnte. Diese getarnt durchgeführte Aktion hingegen war ein Unternehmen Hitlers und seiner mörderischen Gefolgschaft, das schon im Voraus, in einem Vortrag 1929, Fritz v. Bodelschwinghs Widerspruch fand.

Im Bethel-Verlag sind einige Publikationen erschienen, die sich mit dem Themenfeld Euthanasie und Eugenik befassen, unter anderem Spurensuche von Anneliese Hochmuth und Lebenslang als minderwertig abgestempelt, herausgeben von Pastor Bernward Wolf. In dem 1997 von Professor Dr. Matthias Benad herausgegebenen Buch über "Friedrich v. Bodelschwingh d. J. und die Betheler Anstalten" befassen sich unter anderem der Historiker Dr. Bernd Walter und Dr. Niels Pörksen, ehemaliger Chefarzt der Psychiatrischen Klinik in Bethel, mit dem dunklen Kapitel Zwangssterilisation.

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