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Vier Sarepta-Schwestern im Porträt

150 Jahre Sarepta

Diakonische Schwester Tina Earl

Tina Earl feiert 2019 nicht nur das 150-jährige Sarepta-Jubiläum, sondern auch ihr eigenes 10-jähriges Eintrittsjubiläum als Diakonische Schwester. „Ich wollte damals etwas nur für mich neben Familie und Arbeit“, erklärt die Bielefelderin. Ihre zwei Kinder waren damals schon fast erwachsen. Nicht mehr lange, dann würden sie das Elternhaus verlassen. „Ich war Anfang 40 und habe mich gefragt, was kommt jetzt“, blickt Tina Earl zurück. In der Schwesternschaft konnte sie einfach sie selbst sein – nicht Mutter oder Ehefrau.

„Einheit in Vielfalt – das bedeutet Sarepta für mich“, so die 53-Jährige. Man dürfe verschieden sein und auch mal anecken, aber in der Gemeinschaft werde man getragen. Das hat Schwester Tina ganz besonders gespürt, als sie selber in einer Lebenskrise steckte: Sie war nicht allein und hatte immer jemanden zum Reden. Deshalb verbinde sie mit der Schwesternschaft Sarepta vor allem Herzlichkeit und Freundschaft. „Es ist schön, die Gemeinschaft im Hintergrund zu wissen und in die Gebete der Frauen einbezogen zu werden“, sagt Tina Earl.  

Auch bei ihrer bisherigen Arbeit im Kinder- und Jugendhospiz Bethel hat Tina Earl viel Kraft aus der Schwesternschaft geschöpft. „Durch Sarepta fühle ich eine Legitimation, über Glauben zu sprechen und die diakonische Profession im Arbeitsalltag einzubringen“, betont sie. Etwa in der Trauerarbeit oder Seelsorge. Denn neben der Gemeinschaft liegen ihr Spiritualität und theologische Bildung besonders am Herzen.

Um sich noch intensiver mit Glaube, Seelsorge und Ethik auseinanderzusetzen, hat sich die Sarepta-Schwester entschieden, ihr Wissen zu vertiefen und sich als Diakonisse weiterzubilden. Im nächsten Jahr wird die gelernte Krankenschwester, die viele Jahre auf verschiedenen Stationen im Ev. Klinikum Bethel gearbeitet hat und in der Ortschaft Bethel lebt, eingesegnet. Auch beruflich stehen nun Veränderungen an, denn bald wird die gebürtige Braunschweigerin das Team der Betheler Öffentlichkeitsarbeit im Dankort verstärken. Auf diese neue Aufgabe freut sich die Sarepta-Schwester schon.

Diakonische Schwester Maren Schirmer

Sie ist die jüngste in der Gemeinschaft: 29 Jahre ist Maren Schirmer alt – und seit knapp eineinhalb Jahren Sarepta-Schwester. Als freigestellte Praxisanleiterin in der Pflegeschule des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) bringt sie ihren Auszubildenden auf den Stationen bei, wie moderne Patientenversorgung funktioniert. „Eine Traum-Stelle“, sagt Schwester Maren. Denn hier könne sie die Pädagogik mit ihren Kenntnissen als gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin kombinieren.

Menschen etwas beizubringen und sich mit ihnen zu beschäftigen, das sei schon immer „ihr Ding“ gewesen. Bereits während des Abiturs engagierte sich die junge Frau, die aus Oerlinghausen stammt, als Trainerin und Jugendwartin in der DLRG und arbeitete neben der Schule im örtlichen Altenheim. Im Anschluss entschied sie sich für die Pflege-Ausbildung im EvKB – mit dem langfristigen Ziel, Berufsschullehrerin zu werden.

Weil sich die Räume der Pflegeschule im Sarepta-Mutterhaus befinden, war Schwester Maren regelmäßig unter dem Dach der Schwesternschaft zu Gast. Schon damals habe sie der traditionsreiche Ort fasziniert – und ihr historisches Interesse an der Pflege und der diakonischen Arbeit geweckt: „Ich dachte mir: Wenn so viel geschichtliches Wissen dazu vor der Haustür liegt, könnte ich mich doch auch mal genauer darüber informieren.“ Schwester Maren begab sich auf Spurensuche.

„An einem Abend bin ich nach Feierabend einfach mal hochgegangen“, erzählt sie. Durch Zufall traf sie auf eine Besucherführung, die ihr Leben nachhaltig prägen sollte: „Als ich in die Kapelle kam, war das Ding für mich entschieden. Es fühlte sich so an, als würde man nach Hause kommen“, sagt Schwester Maren heute rückblickend. Es war der Moment, in dem sie sich für den Beitritt entschloss. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut hat. Die Schwesternschaft biete ihr die passenden Angebote, um ihren Glauben zu leben. Als berufstätige junge Frau habe sie die in ihrer Kirchengemeinde zuletzt nicht mehr finden können.

An der Schwesternschaft schätze sie vor allem die allgegenwärtige Herzlichkeit und das Gefühl, immer willkommen zu sein, auch der Austausch über diakonische Werte und ihre Umsetzung in die Praxis seien regelmäßig Thema. Begleitend zu ihrer Arbeit als Praxisanleiterin absolviert Schwester Maren derzeit ein Master-Studium der Gesundheitspädagogik. Im Sommer dieses Jahres wechselt sie als Lehrkraft für Pflegeberufe in die Pflegeschule des EvKB. Besonders freut sie sich auf ein ganz bestimmtes Thema: „Die Geschichte der Pflege – das ist auf jeden Fall eine Lerneinheit, die ich gerne unterrichten möchte“, sagt sie.

Diakonisse Mechthild Redeker

„Die Verbindlichkeit, mit der die Schwestern alter Ordnung ihr Leben dem Dienst gewidmet haben, bewundere ich am meisten“, sagt Mechthild Redeker. Als junge Mutter einer behinderten Tochter, die häufig krank war, traf sie die Sarepta-Diakonissen regelmäßig in der Kinderklinik Bethel. Die tatkräftigen Glaubensfrauen beeindruckten die heute 55-Jährige so nachhaltig, dass sie selbst der Schwesternschaft beitrat.

Bereits seit zehn Jahren gehört die Witwe und zweifache Mutter der Diakonissengemeinschaft mit Mutterhaus in Bielefeld-Bethel an. Kurz nach dem Tod ihres Mannes las sie in der Zeitung, dass sich die Diakonissengemeinschaft öffnen wolle. „Auch Frauen, die verheiratet sind oder waren, sollten beitreten können – also Frauen wie ich“, erinnert sich Mechthild Redeker. In der Vergangenheit durften nur Frauen ohne Partner Diakonisse werden. Sie rief die als Kontakt angegebene Telefonnummer an – und dann ging alles sehr schnell: Anderthalb Jahre lang absolvierte sie den Basiskurs Diakonie, wurde 2009 als „Diakonische Schwester“ aufgenommen, und nach einer Weiterbildung zur Diakonisse konnte sie gemeinsam mit sieben weiteren Schwestern 2016 eingesegnet werden.

An diese intensive und lehrreiche Zeit erinnert sich die gebürtige Sauerländerin heute gerne. Gerade die theologischen Inhalte reizten sie, so dass sie nach ihrer Einsegnung eine zweite Fortbildung als Laienpredigerin in der westfälischen Kirche absolvierte. Jetzt darf sie Sakramente spenden und Gottesdienste abhalten, was sie unter anderem auch in der Klinik Mara tut. „Der Eintritt in die Schwesternschaft hat mein Leben positiv verändert“, blickt sie zufrieden auf ihre Entscheidung zurück. „Hier sind Frauen, die denken und fühlen wie ich. Und das macht mich stark.“

Nach wie vor gilt ihre besondere Hochachtung den „sehr verehrten Schwestern alter Ordnung“. Aber auch die moderne Ausprägung habe ihre Berechtigung: „Meine Kinder sind schließlich auch ein Auftrag von Gott“, ist Mechthild Redeker überzeugt, die als Gemeindesekretärin in Jöllenbeck arbeitet. An der Schwesternschaft schätzt sie das Gefühl von Zusammengehörigkeit: „Ich weiß, dass meine Schwestern für mich beten.“ Und auch sie selbst will für andere da sein: „Heute sind so viele Menschen einsam. Sie brauchen jemanden, der mit ihnen spricht.“ Das gelte besonders für Menschen mit Behinderungen, für die sich Mechthild Redecker gerne noch stärker einsetzen würde. „Es gibt hier noch viel zu lernen.“

 Heute sieht sie die Schwesternschaft auf einem guten Weg. „Die Gemeinschaften sprechen viele Frauen an. Junge Frauen oder Menschen in der Lebensmitte, die in ihrem Leben Schicksalsschläge oder Brüche erlebt und durchlitten haben.“

Diakonisse Paula Benscheid

Diakonisse Paula Benscheid ist mit 106 Jahren nicht nur die älteste Sarepta-Schwester, sie hält auch den Rekord als älteste Bewohnerin der Ortschaft Bethel. Aufgewachsen ist sie in Halver im Sauerland. Vor 82 Jahren kam sie nach Bethel und trat in die Schwesternschaft Sarepta ein. Sie ließ sich zur Krankenpflegerin ausbilden und arbeitete in unterschiedlichen Bereichen in Bethel, bevor sie 1980 mit 68 Jahren in den Ruhestand ging. Heute lebt sie im Haus Abendfrieden. 

 „Mir war nie der Gedanke gekommen, einmal Diakonisse zu werden“, erzählt Paula Benscheid. Das änderte sich, als sie in Halver eine Handarbeitsschule besuchte, die von einer Diakonisse geführt wurde. Von ihr erfuhr sie viel über die Schwesternschaft. Nach einem Besuch in Bethel stand für Paula Benscheid fest: „Ich möchte Diakonisse werden."

1941 wurde Schwester Paula zur Diakonisse eingesegnet. Ein Jahr später wurde sie Gemeindeschwester in Bielefeld-Hillegossen. Dort erlebte sie die letzten Kriegsjahre. „Meine Kraft habe ich im Glauben gefunden“, erzählt sie. Bis 1952 blieb Paula Benscheid in Hillegossen, war dann drei Jahre Gemeindeschwester in Wuppertal und kehrte schließlich nach Bethel zurück. Hier nahm Schwester Paula die Arbeit auf, für die sie bis heute bei vielen Menschen bekannt ist: 17 Jahre lang leitete sie das Haus Patmos für behinderte Kinder und schuf für sie ein Zuhause, das ihnen, aber auch Angehörigen und damaligen Mitarbeitenden noch in lebendiger Erinnerung ist. Sogar heute steht Paula Benscheid noch in Kontakt mit Eltern. „Ich bin gerührt, wenn Eltern mich an meinem Geburtstag anrufen“, sagt sie.Zurückblickend sagt die Sarepta-Schwester: „Ich bin froh und dankbar, dass ich diesen Weg gegangen bin. Ich gehöre hierher nach Bethel.“

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